Abwerzger wörtlich: "Das soll man nicht sagen"

FPÖ Tirol nach Beitrag über Abwerzger im Clinch mit ORF

Samstag, 10. Februar 2018 | 20:00 Uhr

Die FPÖ Tirol liegt nach einem ORF-Beitrag über ihren Spitzenkandidaten Markus Abwerzger im Clinch mit dem Sender. Der TV-Beitrag, in dem Abwerzger antisemitisches Gedankengut scheinbar widerspruchslos zur Kenntnis nahm, wurde vom ORF zwar modifiziert und um die Reaktion des FPÖ-Politikers erweitert. Abwerzger forderte “nachweisliche Konsequenzen”. Beim ORF zeigte man sich “verwundert”.

Was eine vermeintlich harmlose Wahlkampfreportage werden sollte, verkehrte sich ins Gegenteil: Der ORF sendete am Freitagabend in “Tirol heute” einen Fernsehbeitrag, in dem sich ein 86-jähriger Einheimischer im Gespräch mit Abwerzger über die heutigen Zustände mokierte. Er sei bei der Hitlerjugend militärisch ausgebildet worden, es habe – sichtlich zum Wohlwollen des Mannes – “Zucht und Ordnung” geherrscht. In der Kirche, der 86-Jährige nannte konkret einen Namen, habe es immer “Die stinkerten Juden” geheißen. Heute dürfe man das aber nicht mehr sagen, “sonst bist du sofort draußen”, stellte der Senior fest. Abwerzger hörte dem Mann die gesamte Zeit aufmerksam und schweigend zu, am Ende der Ausführungen des Mannes schien er zu nicken. Ob die Szene noch weiter ging, war im ORF-Bericht am Freitagabend nicht ersichtlich.

Abwerzger reagierte auf Twitter empört. “Ich habe niemals zustimmend genickt, zudem auch deutlich widersprochen, gemeinsam mit (Klubchef, Anm.) Rudi Federspiel. Die Beurteilung, weshalb der ORF das so geschnitten hat, lasse ich jedem selbst über”, so der Spitzenkandidat. FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky bezichtigte den Rundfunk der “allerübelsten Manipulation” und verlangte Konsequenzen. “Diese Causa wird sowohl im Stiftungs-und Publikumsrat, wie auch rechtsanwaltlich umfassend zu prüfen und untersuchen zu sein”, kündigte Vilimsky an. Seitens der SPÖ wurde der Rücktritt von Abwerzger verlangt.

Zu Mittag entlastete ein modifizierter ORF-Bericht in der Zeit im Bild-Sendung Abwerzger von den Vorwürfen. In der neuen Version wurde klar, dass er sehr wohl auf den “Stinkerte Juden”-Sager des 86-Jährigen reagiert hatte. Abwerzger wörtlich: “Das soll man nicht sagen.” Ebenso deutlich wurde die Ablehnung der Äußerung durch Federspiel, der im TV-Beitrag zwar nicht zu sehen, aber zu hören war. Federspiel erwiderte: “Jeder Mensch hat seine Würde, und jeder Mensch hat seine Rechte.” Abwerzger räumte im Interview mit dem ORF ein, dass er in dem Gespräch mit dem 86-Jährigen vielleicht früher hätte einschreiten sollen. Es sei nun aber klar gestellt, dass er die Aussagen des Mannes nicht widerspruchslos zur Kenntnis genommen habe. “Antisemitismus und Rassismus haben in der FPÖ Tirol und in der Politik nichts verloren”, betonte der FPÖ-Spitzenkandidat.

Allerdings war Abwerzger auch nach der Veröffentlichung des ergänzten TV-Beitrags nicht gut auf den ORF zu sprechen. In der am Samstagnachmittag von der “Tiroler Tageszeitung” veranstalteten Diskussion der Spitzenkandidaten zur Landtagswahl verlangte er eine Entschuldigung und “nachweisliche Konsequenzen” im öffentlich-rechtlichen Sender. Bewusst Stellungnahmen wegzulassen, sei “letztklassig”. ORF Tirol-Chefredakteurin Brigitte Gogl zeigte sich gegenüber der APA “verwundert” über die Forderung des FPÖ-Chefs nach einer Entschuldigung. Mit dem ZiB-Beitrag habe man die Sache als “erledigt” betrachtet. Einen Fehler des ORF ortete die Chefredakteurin nicht. Bei der Gestalterin des Beitrags handle es sich um eine erfahrene Journalistin, der sie es zutraue, dass diese – wenn sie über mehrere Stunden für einen Beitrag drehe – wisse, “wo sie kürzt, ohne sinnentstellend zu sein”.

Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) betonte in der Diskussion im Zusammenhang mit dem ORF-Bericht, dass Antisemitismus in Tirol nichts verloren habe: “Solche Diskussionen müssen sofort beendet werden. Da muss man sofort einschreiten und sagen: Diese Diskussion ist in Tirol nicht zulässig.” Sowohl Politik als auch Medien müssten alles daran setzen, dass derartige Dinge in Tirol keinen Platz haben.

Von: apa

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