Ekrem Imamoglu feierte seinen Wahlsieg

Freude und Erleichterung nach Oppositionssieg in Istanbul

Montag, 24. Juni 2019 | 17:15 Uhr

Der Sieg des Oppositionskandidaten Ekrem Imamoglu bei der Wiederholung der Bürgermeisterwahl in Istanbul ist in der Türkei und im Ausland mit Freude und Erleichterung aufgenommen worden. In den Istanbuler Oppositionshochburgen Besiktas und Kadiköy tanzten in der Nacht auf Montag Menschen auf den Straßen und schwenkten Türkei-Flaggen.

Imamoglu von der oppositionellen Republikanischen Volkspartei (CHP) kam auf 54 Prozent der Stimmen. Er hatte schon bei der ersten Wahl am 31. März einen knappen Vorsprung errungen, doch wurde die Abstimmung auf Druck der Partei von Präsident Recep Tayyip Erdogan annulliert. Bei der erneuten Abstimmung am Sonntag verlor Erdogans Kandidat, Ex-Ministerpräsident Binali Yildirim, nun deutlich mit einem Rückstand von fast 800.000 Stimmen.

EU-Kommissar Hahn äußerte sich zufrieden darüber, dass die Behörden das Ergebnis anerkannt hätten. “Jetzt muss der Willen des Volkes in Taten verwandelt werden”, erklärte er. Auch der deutsche Regierungssprecher Steffen Seibert begrüßte, dass das Ergebnis nicht angezweifelt werde. Die hohe Wahlbeteiligung und der friedliche Verlauf seien “gute Zeichen für die Türkei”. Ein “sauberer Wahlprozess” sei für das Vertrauen in staatliche Institutionen von hoher Bedeutung.

Die frühere Grüne Nationalratsabgeordnete Berivan Aslan betonte auf Twitter, dass eine Niederlage für die AKP eine “Entmachtung von Erdogan” bedeute. SPÖ-Bundesgeschäftsführer Thomas Drozda sprach von “Good news”. Und die ehemalige Grüne Politikerin und Ex-EU-Parlamentsvizepräsidentin Ulrike Lunacek sah “ein gutes Zeichen”.

In Istanbul stand zunächst die Freude im Vordergrund. Der 45-jährige Servan Soydan sagte nach den nächtlichen Feiern am Montag: “Es war nicht richtig, diese Wahl zu wiederholen, aber dass sie mit so großen Abstand gewonnen wurde, ist sogar besser für Istanbul.” Die regierungstreue Presse kommentierte das Ergebnis nüchterner: “Istanbul hat gewählt”, titelte etwa die Zeitung “Yeni Safak”.

Die Beobachtermission des Europarats sprach von “sachkundig” ausgeführten Wahlen. Die Stimmabgabe sei “insgesamt in einer ordnungsgemäßen und professionellen Art und Weise” verlaufen, erklärte der Leiter der aus 14 Mitgliedern bestehenden Beobachtergruppe, Andrew Dawson. In Einzelfällen sei den Beobachtern jedoch eine “aggressive Haltung” in Wahllokalen entgegengeschlagen.

Die Türkische Kulturgemeinde in Österreich (TKG) wünschte allen Istanbulern, “nach dieser unglaublichen demokratischen Reife, obwohl die Wahlen nicht fair waren, alles Gute aus Wien”. In einer Aussendung betonte TKG-Obmann Birol Kilic am Montag: “Man sollte der Türkei weiter vertrauen. Die Türkei ist in der Welt gerade ein Beispiel dafür, dass Demokratien nicht so leicht sterben.”

Auch die monatelang in der Türkei inhaftierten Journalisten Deniz Yücel und Mesale Tolu äußerten sich zu Erdogans Niederlage. Das Wahlergebnis sei “die beste Antwort des Volkes auf Repression, Festnahme, Zensur, Verbot, Einschränkung, Willkür, Verleumdung, Vernichtung, Korruption und Missachtung”, schrieb Tolu auf Twitter. “Es ist vorbei, Herr Präsident”, kommentierte Yücel in Richtung des türkischen Staatschefs.

Der in der Türkei wegen angeblicher Mitgliedschaft in einer Terrororganisation angeklagte österreichische Student, Aktivist und freie Journalist Max Zirngast forderte “nun die Freiheit für alle politischen Gefangenen”.

Von: APA/ag.

Kommentare

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11 Kommentare auf "Freude und Erleichterung nach Oppositionssieg in Istanbul"


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brunner
brunner
Superredner
28 Tage 5 h

DIe Wahl wird so lange wiederholt bis das Ergebnis fuer die Muslimbrüder passt….der eigentliche Skandal ist dass Europa eine islamische Diktatur mut bald 100 millionen Einwohnern vor seinen Toren duldet….aber Europa,allen voran Merkel , hat Erdogan und Kumpanen in den letzten Jahren blauäugig salonfähig gemacht…..

denkbar
denkbar
Kinig
27 Tage 8 h

Die Wahl ist längst beendet und hat zur Folge, dass Erdogan sich nicht mehr allein auf den Willen der ,Nation berufen kann.

tschonwehn
tschonwehn
Tratscher
28 Tage 5 h

Dann können ja der Erdogan und seine Handlanger so lange an den Ergebnissen drehen, bis es ihnen ins Konzept passt. Soll bloss niemand glauben, daß da echte, unverfälschte Ergebnisse rauskommen.

denkbar
denkbar
Kinig
27 Tage 9 h

@tschenwehn. Das Wahlergebnis zeigt, die Demokratie ist doch nicht so leicht tot zu kriegen.

EugenioDeMaria
28 Tage 4 h

Denke der hat sich von Putin zeigen lassen wie man die Wahl gewinnt.Der Putin hat sogar in manchen Wahllokalen bis zu 147% Stimmen bekommen 🤣.
Schon Stalin sagte,es kommt nicht drauf an wer was wählt,sondern wer die Stimmen zählt

Dagobert
Dagobert
Universalgelehrter
27 Tage 21 h

Bin mal gespannt was der Sultaninenkönig diesmal der Opposition vorwirft um Ihnen den Sieg streitig zu machen.

Orschgeige
Orschgeige
Universalgelehrter
27 Tage 7 h

Ein demokratischer Hoffnungsschimmer für ein tolles Land.

zombie1969
zombie1969
Universalgelehrter
27 Tage 18 h

R. Erdogan ist nur der Ausdruck eines tief sitzendes Problems der Türkei. Die türkische Zivilgesellschaft ist klein. Menschen, die wie R. Erdogan denken, antiwestlich, antipluralistisch, autoritär-islamisch sind hingegen sehr zahlreich. Auf dieser Basis haben Demokratie und Pluralismus in der Türkei keinen ernstzunehmenden Verteidiger vor Angriffen durch R. Erdogan, der aus dem einst säkular orientierten Staat einen islamischen Staat machen möchte. Immerhin hat eine Türkei, in der Menschen wie R. Erdogan mehrheitsfähig sind, keine ernstzunehmende Perspektive auf eine EU-Mitgliedschaft.

Dublin
Dublin
Kinig
27 Tage 22 h

…wird wohl wieder annulliert werden…
😁

falschauer
falschauer
Universalgelehrter
27 Tage 4 h

oh happy day, oh happy day…der ganze tam tam inszeniernt von erdogan, war wohl ein schuss nach hinten, ein sieg der demokratie!

Staatsfeind
Staatsfeind
Tratscher
27 Tage 2 h

Wenn die Richtigen gewählt werden, lebt die Demokratie.
Wenn die Falschen gewählt werden, ist die Demokratie tot.
Wer so denkt, ist kein Demokrat.

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