Der Friedensnobelpreisträger erlag nach kurzer Krankheit

Früherer UNO-Generalsekretär Kofi Annan gestorben

Samstag, 18. August 2018 | 16:47 Uhr

Er verhalf den Vereinten Nationen zu neuem Gewicht auf der internationalen Bühne und erhielt für seinen Einsatz für eine friedlichere Welt den Friedensnobelpreis: Der frühere UNO-Generalsekretär und Friedensnobelpreisträger Kofi Annan ist am Samstag im Kreise seiner Familie nach kurzer Krankheit im Alter von 80 Jahren gestorben, wie seine Stiftung in Genf mitteilte.

Annan starb in einem Krankenhaus in Bern in seiner Wahlheimat Schweiz. Der aus Ghana stammende Annan führte die Vereinten Nationen von 1997 bis Ende 2006. UNO-Generalsekretär Antonio Guterres würdigte Annan am Samstag als eine “treibende Kraft des Guten”. In vielerlei Hinsicht habe sein Vorgänger die Vereinten Nationen verkörpert. Die UNO habe er mit “unvergleichbarer Würde und Entschlossenheit” angeführt. Annans Heimatland Ghana rief eine einwöchige Staatstrauer aus.

Annan wurde 1938 als Sohn eines hochrangigen Mitarbeiters des britisch-niederländischen Konzerns Unilever in Kumasi geboren. Nach seinem Studium unter anderem in den USA war er für einige Jahre Tourismus-Direktor in Ghana. Anschließend arbeitete Annan mehr als 40 Jahre für die Vereinten Nationen. Dort leitete er anfangs die Personalabteilung, dann den Bereich Budget. 1993 wurde er Chef der UNO-Friedensmissionen.

In diese Zeit fielen zwei der schwersten Krisen der Vereinten Nationen. Beim Völkermord in Ruanda töteten Angehörige der Volksgruppe der Hutu zwischen April und Juli 1994 Schätzungen zufolge etwa 800.000 Menschen – trotz Präsenz von UNO-Blauhelmsoldaten. 1995 konnte die UNO das Massaker von Srebrenica im Bosnien-Krieg nicht verhindern. Binnen weniger Tage töteten bosnisch-serbische Milizen Schätzungen zufolge etwa 8.000 muslimische Männer und Buben.

Damals sei er erstmals mit einer Herausforderung konfrontiert gewesen, die für seine Zeit als UNO-Generalsekretär prägend werden sollte, schrieb Annan später in seiner Autobiografie: “Die Legitimität und die Notwendigkeit, im Fall offenkundiger Menschenrechtsverletzungen einzuschreiten.”

1997 wurde Annan zum Generalsekretär der Vereinten Nationen gewählt – eine Wahl, die er dem US-Veto gegen seinen Vorgänger, den Ägypter Boutros Boutros-Ghali, zu verdanken hatte. Annan wurde zu einem der bekanntesten und beliebtesten Generalsekretäre der UNO. Auch wegen seiner häufigen Fernsehauftritte erhielt der charismatische Annan den Spitznamen “Rockstar der Diplomatie”.

In seine Zeit an der Spitze der Völkergemeinschaft fiel unter anderem der Irak-Krieg der USA im Jahr 2003. 2001 erhielt Annan den Friedensnobelpreis “für seinen Einsatz für eine besser organisierte und friedlichere Welt”.

Das Ende seiner zweiten Amtszeit wurde von dem Skandal um das Öl-für-Lebensmittel-Programm überschattet. Dieses erlaubte es dem Irak unter Saddam Hussein zwischen 1996 und 2003, trotz der UNO-Sanktionen eine begrenzte Menge Erdöl auszuführen und im Gegenzug Lebensmittel und Medikamente zu importieren. Ein Untersuchungsausschuss sprach Annan vom Verdacht ernster Verfehlungen frei. 2012 wurde Annan UNO-Sonderbeauftrager für Syrien. Fünf Monate später gab er das Mandat zurück.

Annan war seit 1984 in zweiter Ehe mit der schwedischen Juristin Nane Lagergren verheiratet. Das Paar hatte eine Tochter. Eine weitere Tochter und ein Sohn stammen aus Annans erster Ehe mit der Nigerianerin Titi Alakija.

NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg zeigte sich bestürzt über die Todesnachricht. “Die UNO und die Welt haben einen ihrer Giganten verloren”, erklärte Stoltenberg. Der französische Staatschef Emmanuel Macron schrieb im Kurzbotschaftendienst Twitter: “Wir werden nie seinen ruhigen und entschlossenen Blick vergessen, ebenso wenig wie die Kraft seiner Kämpfe.”

Der russische Präsident Wladimir Putin erklärte, er habe “die Weisheit und den Mut” Kofi Annans ehrlich bewundert. Bundespräsident Alexander Van der Bellen erklärte auf Twitter, Annan habe sein Leben der Lösung globaler Probleme gewidmet. “Mit ihm ist ein bemerkenswerter Mensch, engagierter Diplomat und leidenschaftlicher Friedensstifter von uns gegangen.” Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) zeigte sich ebenfalls auf Twitter “tief traurig” über das Ableben Annans, den er unter anderem als “inspirierenden Staatsmann” würdigte. “Er wird schmerzlich vermisst werden.” UNO-Menschenrechtskommissar Zeid Ra’ad al-Hussein würdigte Annan als “Inbegriff für menschliche Würde und Anmut: Er war ein Freund für Tausende und ein Anführer für Millionen.”

Auch im Rahmen der von ihm gegründeten Stiftung setzte sich Annan für Frieden und für eine nachhaltige Entwicklung in der Welt ein. “Der Klimawandel bedroht uns alle”, warnte Annan 2013. “Ich appelliere an alle, an Regierungen, Institutionen, Zivilgesellschaft und jeden Einzelnen, die Anstrengungen zu verdoppeln.”

Von: APA/ag./dpa