Vier Mitglieder der örtlichen Polizei unter den Opfern

Fünf Tote bei Explosion in Südafghanistan

Mittwoch, 18. April 2018 | 13:20 Uhr

Bei einer Explosion im südafghanischen Kandahar sind nach Angaben des Provinzrates fünf Menschen getötet worden. Bei den Opfern handle es sich um vier Mitglieder der schnellen Einsatztruppe der örtlichen Polizei, darunter deren Chef, sowie einen Zivilisten, sagte Provinzratsmitglied Haji Mohammad Nadir am Mittwoch. Außerdem wurden aus einem Wahllokal in der Provinz Ghor mehrere Menschen entführt.

Bei der Detonation in Kandahar wurden fünf weitere Menschen verletzt. Es gibt aber widersprüchliche Berichte zu den Opfern. Nach Angaben eines Sprechers der örtlichen Polizei, Matiullah Hilal, wurde bei dem Vorfall nur der Chef der Einsatztruppe getötet. Drei Polizisten seien verletzt worden. Zivilisten seien nicht betroffen, so der Sprecher. Allerdings tendieren staatliche Behörden in Afghanistan dazu, Opferzahlen herunterzuspielen. Die Provinzräte gelten als zuverlässigere Quelle.

Ausgelöst wurde die Explosion laut Polizei von einer magnetischen Bombe, die an dem Fahrzeug des Polizeichefs befestigt war. Bisher hat keine Gruppe die Tat für sich reklamiert.

In der zentral gelegenen Provinz Ghor überfielen bewaffnete Angreifer ein Wahlzentrum und entführten fünf Menschen. Die Angreifer hätten das Büro am Dienstag gestürmt, während Mitarbeiter der Wahlkommission Bürger für die Parlamentswahl im Oktober registrierten, sagte ein Polizeisprecher. Bei der Attacke wurden demnach drei Mitarbeiter der Wahlkommission und zwei Polizisten entführt, die das Büro schützen sollten. Außerdem hätten die Angreifer Wahlunterlagen verbrannt.

Der Polizeisprecher machte die radikalislamischen Taliban für die Attacke verantwortlich. Örtliche Stammesführer verhandelten mit den Taliban über die Freilassung der Entführten, wie ein Sprecher des Gouverneurs von Ghor sagte.

Am 20. Oktober will Afghanistan die seit drei Jahren überfällige Parlamentswahl nachholen. Zwischenfälle wie am Dienstag ließen allerdings die Zweifel an den Sicherheitsvorkehrungen wachsen. Die Abstimmung sollte ursprünglich schon 2015 stattfinden, wurde aber wegen Sicherheitsbedenken und logistischen Problemen immer wieder verschoben.

Die Wahlkommission hofft darauf, dass sich 14 Millionen Stimmberechtigte ins Wahlregister eintragen lassen. Die Wahl gilt als Generalprobe für die Präsidentschaftswahl, die im April 2019 stattfinden soll.

Von: APA/ag.