Anschlag in Israel

Fünf Tote bei weiterem Anschlag in Israel

Mittwoch, 30. März 2022 | 14:50 Uhr

Es war die blutigste Woche in Israel seit 16 Jahren. Elf Menschen sind bei insgesamt drei Anschlägen getötet worden – so viele waren zuletzt bei einem Selbstmordanschlag in Tel Aviv im April 2006 ums Leben gekommen. Nach dem jüngsten Anschlag in Bnei Brak bei Tel Aviv mit fünf Todesopfern drang Israels Armee in der Nacht zum Mittwoch in den Wohnort des mutmaßlichen palästinensischen Täters ein.

In dem Ort Yabed nahe der Palästinenserstadt Jenin seien sechs junge Männer festgenommen worden, berichtete die palästinensische Nachrichtenagentur Wafa. Am Dienstagabend hatte ein 27-jähriger Palästinenser in Bnei Brak mit einem Sturmgewehr des Typs M16 das Feuer auf Passanten eröffnet. Er wurde daraufhin von Polizisten erschossen. Unter den Todesopfern waren ein Polizist – ein christlicher Araber – sowie zwei Ukrainer. Die beiden anderen Opfer waren Einwohner der mehrheitlich strengreligiösen Stadt Bnei Brak – einer davon hatte den Berichten zufolge seinen zweijährigen Sohn auf dem Arm, der unverletzt blieb.

In einer Videobotschaft lobten Mitglieder der palästinensischen Al-Aksa-Brigaden in Jenin den Anschlag. Einer von drei Vermummten kündigte darin auf Hebräisch einen “Krieg im ganzen Staat Israel” an. Die Al-Aksa-Brigaden sind der militärische Arm der Fatah-Bewegung von Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas. Es handelt sich jedoch um ein lockeres Netzwerk ohne klare Hierarchie, örtliche Gruppierungen agieren oft auf eigene Faust.

Präsident Abbas verurteilte den Anschlag in Bnei Brak nach Angaben von Wafa. Die Tötung von Palästinensern und Israelis werde “nur zu einer weiteren Verschlechterung der Lage beitragen”, insbesondere angesichts der anstehenden Feiertage von Muslimen, Christen und Juden. Während des muslimischen Fastenmonats Ramadan, der Anfang April beginnt, wird eine weitere Eskalation der Gewalt befürchtet. Unklar ist, ob Israel geplante Erleichterungen für die Palästinenser zum Ramadan nun wieder streicht.

Bei einem Anschlag in der Wüstenstadt Be’er Sheva (Beerscheva) waren vor einer Woche bereits vier Israelis getötet worden, in der Küstenstadt Hadera wurden am Sonntag zwei Polizisten erschossen. Beide Anschläge wurden von Arabern mit israelischer Staatsangehörigkeit verübt. Alle drei waren Unterstützer der Terrororganisation Islamischer Staat (IS).

Mit dem Anschlag eines Palästinensers nahe Tel Aviv habe sich nun die Sorge bewahrheitet, die Bluttaten könnten Nachahmer aus dem besetzten Westjordanland finden, schrieb die israelische Zeitung “Haaretz” am Mittwoch.

Im Westjordanland und Gazastreifen sowie im Libanon kam es nach dem Anschlag in Bnei Brak zu spontanen Freudenfeiern. Ein Sprecher der im Gazastreifen herrschenden islamistischen Hamas nannte den Anschlag auch eine “rasche Reaktion auf den Gipfel der Schande in der Negev-Wüste”. Am Montag waren Außenminister vier arabischer Staaten, Israels und der USA in dem Wüstenort Sde Boker zusammengekommen. Sie demonstrierten damit den Willen zu einer stärkeren Zusammenarbeit und setzten ein Zeichen gegen den Iran. Die Palästinenser waren an dem Gipfel nicht beteiligt gewesen.

Der palästinensische Politikwissenschaftler Jihad Harb sieht die fortwährenden israelischen Beschränkungen in den besetzten Palästinensergebieten und die politische Hoffnungslosigkeit als Nährboden für Anschläge. Harb rechnet nicht mit einem schnellen Ende der Gewaltwelle: “Wir könnten angesichts der Umstände weitere dieser Attacken sehen.”

Um genau dies zu verhindern, ist die israelische Polizei in höchster Alarmbereitschaft. Die Präsenz an belebten Orten soll deutlich verstärkt werden. Die Polizei soll auch durch 1000 Soldaten verstärkt werden, wie Verteidigungsminister Benny Gantz entschied.

Die Gewaltwelle erhöht auch den Druck auf die ohnehin fragile Acht-Parteien-Koalition in Israel. Sie umfasst Parteien aller Couleur – rechte, linke und der Mitte – sowie eine arabische Partei. Diese hat sich von den Anschlägen klar distanziert.

Regierungschef Naftali Bennett sagte nach Sicherheitsberatungen, Israel stehe vor einer “herausfordernden Periode”. In der Geschichte des Landes habe es immer wieder solche Terrorwellen gegeben. “Sie haben uns damals nicht gebrochen, und sie werden uns auch jetzt nicht brechen.”

Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) zeigte sich “zutiefst entsetzt von einem weiteren verabscheuungswürdigen Anschlag” in Israel innerhalb weniger Tage. “Wir stehen an der Seite von Israel in diesen dunklen Stunden der Verteidigung seiner Sicherheit, die für uns nicht verhandelbar ist”, schrieb Nehammer auf “Twitter”. Fast wortgleich äußerte sich auch Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP).

Auch der EU-Außenbeauftragte, Josep Borrell, verurteilte die Tat im Namen der Europäischen Union. “Wir stehen an der Seite Israels in dieser schwierigen Zeit”, hieß es in seiner Stellungnahme.

Von: APA/dpa/AFP

Kommentare

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7 Kommentare auf "Fünf Tote bei weiterem Anschlag in Israel"


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N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 28 Tage

Israels Siedlungspolitik…. An was mich die bloß erinnert!?
Gabs Israel eigentlich immer schon? Wenn nein, wer war vorher da?
Gibt ein grosses erlittenes Unrecht einen Freibrief für Ungerechtigkeit?

Sara Lea
Sara Lea
Grünschnabel
1 Monat 27 Tage
@N.G., die Palästineser waren bis 1967 Araber aus Ägypten, Jordan, Libanon. Der Terrorist Arafat hat 1967 diesen Arabern den Namen Palästineser gegeben. Beantworten Sie mir bitte nur eine meiner Fragen, dann wissen Sie wem 🇮🇱 gehört: In der Bibel/Koran steht “Palästina”? 1. Wann wurde der Staat Palästina gegründet und von wem? 2. Wo waren die Grenzen? 3. Wie heißt die Hauptstadt? 4. Wie hießen die größeren Städte? 5. Nenne Sie zumindest ein wichtiges Staatsoberhaupt vor Arafat? 6. Wie hieß die Sprache des “Landes Palästina”? 7. Wie lautete die vorherrschende Religion des antiken Palästina? 8. Wie lautet der Name ihrer Währung?… Weiterlesen »
N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 27 Tage

@Sara Lea Bevor DU Fragen stellst, beantworte meine Fragen die ich als ERSTES gestellt habe und anfangen darfst du bei:” Besetzen israelische Ultras den Palästinänsern zugesagtes Gebiet”? Warum und ist das legitim?

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 27 Tage

@Sara Lea Was verstehst du daran nicht genau?

https://www.km.bayern.de/eltern/erziehung-und-bildung/erinnerungsort-olympia-attentat-muenchen-1972/vorgeschichte-und-kontexte/die-staatsgruendung-israels.html

Ein einfacher und für jeden nachvollziehbarer Text im Link! Kannst es aber auch auf Wiki lesen , dann ausführlich und viel Spass!

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 27 Tage

@Sara Lea Und dann noch meine 2. Frage, die nicht beantwortet hast, anstatt Gegenfragen zu stellen:” Wem gehöhrte das Gebiet Israels vor der Gründung”?
Und komm mir bitte nicht mit dem “gelobten Land”!

Hustinettenbaer
1 Monat 27 Tage

@Sara Lea
Wir können auch ein Wissensquiz über die britische Teile-und-Herrsche-Politik machen.
Ein Fakt ist, es gab das “Völkerbund-Mandatsgebiet Palästina. Diesen Landstreifen hatten die Briten 1917 dem zerfallenden Osmanischen Reich entrissen, auch als Sicherheitspuffer zur Kontrolle des wichtigen Suezkanals…1916 hatte man ihnen [Arabern] einen großarabischen Staat versprochen, sollten sie gegen das Osmanische Reich revoltieren, damals Gegner der Briten im Weltkrieg. Später bricht über die Zusage erbitterter Streit aus – besonders nachdem die Briten den Juden 1917 in der Balfour-Proklamation eine “nationale Heimstätte” in Palästina in Aussicht stellten.”

https://www.spiegel.de/geschichte/vor-der-staatsgruendung-israels-alle-gegen-die-briten-a-1206223.html

Sara Lea
Sara Lea
Grünschnabel
1 Monat 28 Tage

Diese Kerze steht für alle Ermordeten durch Terror und Krieg. R.I.P

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