Biden und Scholz bekräftigen bei G7-Gipfel westliche Geschlossenheit

G7-Gipfel in Bayern begonnen – Appell an Geschlossenheit

Sonntag, 26. Juni 2022 | 15:31 Uhr

Im oberbayerischen Schloss Elmau hat am Sonntag ein Gipfel der sieben wichtigsten Industrienationen der Welt begonnen. Der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz empfing zu Mittag die Staats- und Regierungschefs der USA, Kanadas, Frankreichs, Italiens, Großbritanniens und Japans in dem hermetisch abgeriegelten Anwesen an der Grenze zu Tirol. Hauptthema ist die Unterstützung der Ukraine. Mit US-Präsident Joe Biden hatte Scholz zuvor die Geschlossenheit des Westens beschworen.

Scholz unterstrich beim Treffen mit Biden, man müsse weiterhin zusammenstehen. Der russische Präsident Wladimir Putin habe diese Geschlossenheit nicht erwartet. Biden dankte Scholz für die wichtige Rolle, die er dabei gespielt habe. Der US-Präsident betonte: “Wir müssen zusammenbleiben.” Putin habe damit gerechnet, dass die G7 und die NATO gespalten würden. Das sei nicht geschehen und werde auch nicht geschehen.

Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba nahm neue Raketenangriffe Russlands auf Kiew zum Anlass, die G7-Staaten zu weiteren Sanktionsbeschlüssen und Waffenlieferungen aufzurufen. Kuleba veröffentlichte am Sonntag auf Twitter ein Foto, das zeigt, wie ein Mädchen von Rettungskräften auf einer Trage transportiert wird. “Dieses sieben Jahre alte ukrainische Kind schlief friedlich in Kiew, als ein russischer Marschflugkörper sein Haus in die Luft sprengte”, schrieb er dazu.

Der französische Präsident Emmanuel Macron und der britische Premierminister Boris Johnson sagten, dass sie eine Chance auf eine Wende im Kriegsverlauf sähen. Der Krieg sei in einer “kritischen Phase”, in der die Möglichkeit bestehe, “das Blatt im Krieg zu wenden”, erklärte die britische Regierung nach einem bilateralen Treffen der beiden. Johnson habe bei dem Treffen mit Macron ausdrücklich davor gewarnt, jetzt schon eine Verhandlungslösung für den Krieg mit zu großen Zugeständnissen an den Angreifer Russland anzustreben.

Im Vorfeld des Gipfels hatte Johnson betont, dass ein russischer Sieg die Welt teurer zu stehen käme als der aktuelle Anstieg der Energie- und Lebensmittelkosten. “Dieser Preis wird viel, viel höher sein. Jeder hier ist sich dessen bewusst.” Die westlichen Verbündeten müssten daher ihre Einheit beibehalten. Johnson äußerte auch demonstratives Lob für die Rolle Deutschlands im Ukraine-Krieg. “Ich hätte nie im Leben geglaubt, dass ein deutscher Bundeskanzler sich so engagieren würde”, sagte er mit Blick auf die Waffenlieferungen an Kiew.

EU-Ratspräsident Charles Michel forderte eine Lösung im Konflikt um Getreidelieferungen aus der Ukraine ein. “Wir brauchen keine Reden, wir brauchen Taten”, sagte Michel. Die Blockade ukrainischer Häfen, in denen 22 Millionen Tonnen Getreide lagerten, müsse aufgehoben werden.

Am Beginn des Gipfel sollten Beratungen über die weltwirtschaftliche Lage und Sicherheitspolitik stehen. Bereits im Vorfeld wurde bekannt, dass sich die sieben wichtigsten Industriestaaten auf ein Importverbot für russisches Gold verständigen wollten, das wichtigste Exportgut des Landes nach Energie. EU-Vertreter signalisierten Zustimmung zu einem von den USA, Großbritannien, Japan und Kanada getragenen Vorstoß. In der Frage einer von den USA vorgeschlagenen Preisobergrenze für russisches Öl sagte Michel jedoch, es brauche noch “Feinschliff”. Am Montag sollte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj per Video der Runde zugeschaltet werden.

Die G7-Staaten dürften dem von Russland angegriffenen Land erneut Unterstützung zusichern, solange sie nötig ist. Konkrete Finanzzusagen werden im Kampf gegen die Hungersnot erwartet, die vor allem in Ostafrika herrscht und sich angesichts steigender Getreidepreise im Zuge des Krieges noch verschärft. Auch die hohen Energiepreise werden Thema in Elmau sein, und natürlich der Klimaschutz.

Zur G7 gehören sieben der wirtschaftsstärksten Demokratien der Welt: Deutschland, die USA, Frankreich, Großbritannien, Italien, Kanada und Japan. Außerdem nehmen an dem Gipfel EU-Ratspräsident Michel und Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen teil. Scholz hat auch fünf Gastländer eingeladen – Demokratien aus Asien, Afrika und Südamerika: Indien, Indonesien, Südafrika, Senegal und Argentinien. “Unser Verständnis von Demokratie greift zu kurz, wenn wir uns nur auf den klassischen Westen konzentrieren”, sagt Scholz zur Begründung.

Der Gipfel findet in einem zum Fünf-Sterne-Hotel umgebauten Schloss im bayerischen Wettersteingebirge statt. Wegen seiner Abgeschiedenheit auf rund 1.000 Metern Höhe nahe der Grenze zu Österreich gilt das Hotel als idealer Ort für ein solches Treffen. Das Gelände ist weiträumig mit streng bewachten kilometerlangen Zäunen abgeriegelt. Das 1916 von dem Philosophen Johannes Müller erbaute Schloss wurde 2005 nach einem Großbrand wieder errichtet und um einen Neubau erweitert, in dem die Gäste des G7-Gipfels übernachten.

Scholz bemühte sich vor dem Gipfel die Erwartungen etwas zu dämpfen. “Elmau liegt in den Bergen, Berge versetzen werden wir dort sicher nicht”, sagte er am Samstag in seinem wöchentlichen Podcast, fügte aber hinzu: “Wir können wichtige Entscheidungen treffen und Dinge vorbereiten, die für uns alle nützlich sind.”

Fast schon traditionell werden G7-Gipfel von Protesten begleitet. Zu Beginn demonstrierten am Sonntagnachmittag Hunderte Menschen in Garmisch-Partenkirchen Von Seiten der Veranstalter wurde von mehr als 1.000 Teilnehmern gesprochen, die Polizei schätzte die Zahl auf 800. Bereits am Samstag hatte es in München eine Demo wegen des G7-Gipfels gegeben. Zu den Kundgebungen und dem Protestzug in der Landeshauptstadt waren aber deutlich weniger Menschen gekommen als erwartet. Die Polizei sprach von etwa 4000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die Veranstalter von etwa 6000 Protestierenden. Mindestens 20 000 Menschen waren erwartet worden. Die Münchner Polizei hatte nach offiziellen Angaben rund 3.000 Einsatzkräfte bei der Protestversammlung im Einsatz.

Von: APA/dpa/Reuters/AFP

Kommentare

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23 Kommentare auf "G7-Gipfel in Bayern begonnen – Appell an Geschlossenheit"


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Mikeman
Mikeman
Kinig
1 Monat 15 Tage

170 Millionen ,dass sich die Länder nicht schämen solche Summen  für nix und wieder nix  denn genau so isses,zu verpulvern??

Targa
Targa
Superredner
1 Monat 15 Tage

Genau! So sehe ich das auch. In der heutigen Zeit wäre auch eine Videskonferenz möglich! In der heutigen Zeit nach und während der Corona Pandemie müßte es eine solche Verschwendung an Steuergeldern nicht geben!

Zugspitze947
1 Monat 14 Tage

Targa:absoluter QUATSCH ! Wenn ich verhandeln will um die Zukunft der Freien Welt geht das NUR PERSÖNLICH !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! 🙂

Zugspitze947
1 Monat 14 Tage

Mikemännchen du zahlst nichts davon ……. 😉

ahiga
ahiga
Universalgelehrter
1 Monat 14 Tage

Ok. Aber es ginge ganz genauso auf einem schiff, bzw flugzeugträger
…helis können landen und es braucht keinrn solchen irrsinn..
….und die kosten wären minimal

Supergscheider
Supergscheider
Superredner
1 Monat 14 Tage

Zugspitze@ Zukunft der freien Welt?
Wenn du schreibst,um die Zukunft des liberalen Kapitalismus, OK wird dieses Bla Bla besser beschreiben.

Zugspitze947
1 Monat 14 Tage

Super:dummer ??? 🙁

Offline1
Offline1
Kinig
1 Monat 14 Tage

@Zugspitze947..👍mit was auch😉

Supergscheider
Supergscheider
Superredner
1 Monat 14 Tage

Zugspitze@ was ist daran dumm?
Ah nicht deiner Meinung, Entschuldigung wie kann ich nur.

PeterSchlemihl
PeterSchlemihl
Universalgelehrter
1 Monat 15 Tage

Was da an Geld ausgegeben wird, um diese Politiker zufriedenzustellen, schlägt dem Fass den Boden raus. Sollen sie sich doch in der Pizzeria nebenan treffen und im Dorfgasthaus übernachten. Als Vertreter des Volkes sollen sie gefälligst auch wie das Volk leben. Die Zeiten der Monarchie sind vorbei. Das scheinen diese Leute nicht zu wissen.

Sag mal
Sag mal
Kinig
1 Monat 15 Tage

Peter Schl da gehts wohl vor allem um die Sicherheit.Das Polizeiaufgebot ist enorm.Demonstranten oder Verrückte gibts ja genug.

S.i.T
S.i.T
Grünschnabel
1 Monat 15 Tage

SINNLOSE GELDVERSCHWENDUNG!!! 120 Millionen Euro kostet dieses Treffen und für Arbeiter, Rentner und Familien haben genau diese Damen und Herren KEINEN CENT übrig

Hustinettenbaer
1 Monat 14 Tage

@S.i.T
Prinzipiell richtig. xyz-Gipfel könnten auch als Videokonferenzen abgehalten werden.
O.k., die Meetings sind nicht so oft und manchmal braucht´s auch den persönlichen Kontakt.
Völliger Kaiserpfalz-Wahnsinn ist “4500 Personen pendeln regelmässig [monatlich] von Brüssel nach Strassburg…Tausende Tonnen CO2 werden durch die Pendlerei produziert, mindestens 51 Millionen Euro kostet der Zweitsitz pro Jahr…
Ein Drittel der Angestellten der Bundesregierung arbeitet auch heute, 30 Jahre nach der Wiedervereinigung, noch in Bonn, der 540 Kilometer entfernten Alt-Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland.”
https://www.luzernerzeitung.ch/international/teurer-wanderzirkus-4500-personen-pendeln-regelmassig-von-brussel-nach-strassburg-ld.1365998

kaisernero
kaisernero
Superredner
1 Monat 15 Tage

mir lossen ins schun olls gfollen………der hommer isch ober, das man nia so richtig draukimmp wos do olls diskutiert weart……….
noch aussen, isch jo klor kimmp lei des wos sui auselossen……
miaset olls öffentlich und live sein und keine minute hinter mauern

Calimero
Calimero
Universalgelehrter
1 Monat 15 Tage

Was hat eigentlich Italien bei den G7 verloren ?

Philingus
Philingus
Superredner
1 Monat 15 Tage

Was haben sie in einer Demokratie verloren?

pfaelzerwald
1 Monat 14 Tage

@calimero
Gute Frage!

cilli72
cilli72
Grünschnabel
1 Monat 14 Tage

Dieses Bild.. Biden mit dem Arm auf dem Rücken von Scholz und symbolträchtigen Blick raus in die Welt.. ala “ich zeig wos langgeht”.
Vor eigener Bergkulisse a no 😆
Was für ein Spielball wir wieder mal sind

Sag mal
Sag mal
Kinig
1 Monat 14 Tage

Wenn s wenigstens was bringen würde.

OH
OH
Superredner
1 Monat 14 Tage

Also dann …… Da werden sage und schreibe 170 Millionen Euro verbrannt , weil sich ein paar Politiker treffen. 18000 Polizisten sind im Einsatz !!! Da muss jemand mächtig Angst haben !!! Tut mir leid, ich kann so etwas nicht verstehen. Am Ende kommt wie immer nicht viel bei raus. Wie sollen solche Ausgaben dem Steuerzahler erklärt werden. Ich bin nur noch wütend !!!!!!!!!!!!!

OH
OH
Superredner
1 Monat 14 Tage

Die G7 Leuchten müssen ganz schön Angst haben. Sind doch 18000 Polizisten für die “Sicherheit” im Einsatz !!!!!

Offline1
Offline1
Kinig
1 Monat 14 Tage

Beeindruckend, wie viele Italiener und Südtiroler sich um die Finanzen Deutschlands Gedanken, ja sogar Sorgen machen….

Sag mal
Sag mal
Kinig
1 Monat 14 Tage

oh Mann,Scholz.Das Messer im Rücken.

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