Pressekonferenz des deutschen Kanzlers Scholz zum Ende des Gipfels

G7-Staaten geben Milliarden für Ernährungssicherheit

Dienstag, 28. Juni 2022 | 15:42 Uhr

Die G7-Staaten stemmen sich mit weiteren 4,5 Milliarden US-Dollar gegen die drohenden Hungersnöte wegen des russischen Ukraine-Kriegs. Besonders in Ländern Afrikas sei die Ernährungskrise eine “existenzielle Bedrohung” geworden, sagte der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) am Dienstag zum Abschluss des dreitägigen Gipfels der führenden demokratischen Wirtschaftsmächte (G7) im bayerischen Elmau.

Um gegen die steigenden Energiepreise anzugehen, will die G7 einen Preisdeckel auf russisches Öl prüfen. Rückendeckung bekam der deutsche Kanzler von den anderen Staats- und Regierungschefs für seine Pläne eines internationalen Klimaclubs im Kampf gegen die Erderwärmung.

Zur Gruppe der 7 gehören neben Deutschland die USA, Kanada, Großbritannien, Frankreich, Italien und Japan. Auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Ratspräsident Charles Michel nahmen an dem Treffen in den bayerischen Alpen teil.

Angesichts des russischen Angriffskrieges versicherte Scholz, die G7 stünden “eng und unverbrüchlich an der Seite der Ukraine”. “Wir sind uns einig: Präsident (Wladimir) Putin darf diesen Krieg nicht gewinnen.” Man werden “die wirtschaftlichen und politischen Kosten für Präsident Putin und sein Regime hochhalten und in die Höhe treiben. Dafür ist es wichtig, zusammenzustehen, auch auf der langen Strecke, um die es hier sicherlich noch gehen wird.”

Scholz verwies auf Beschlüsse zur Unterstützung der Ukraine, unter anderem zur Bereitstellung von Budgethilfen von rund 29 Milliarden US-Dollar (etwa 27,51 Mrd Euro). Hinzu komme humanitäre Hilfe. Außerdem erhalte das Land Waffen. Der Wiederaufbau soll laut Scholz auf einer gesonderten Konferenz besprochen werden. Die G7-Staaten hatten der Ukraine am Vortag weitere Unterstützung gegen Russlands zugesichert und neue Sanktionen gegen Moskau in Aussicht gestellt.

Auch beim NATO-Gipfel in Madrid am Mittwoch und Donnerstag wird Russlands Krieg gegen die Ukraine im Zentrum der Beratungen stehen. Scholz, US-Präsident Joe Biden und andere G7-Staats- und Regierungschefs reisten von Elmau in die spanische Hauptstadt weiter.

Scholz betonte, es gebe “345 Millionen Menschen, von denen wir wissen, dass sie nicht ausreichend zu essen haben. Das sind viermal so viele, wie in Deutschland leben.” Die G7-Staaten riefen Russland auf, die Blockade der ukrainischen Häfen ohne Bedingungen zu beenden. Weizensilos und andere landwirtschaftliche Infrastruktur dürften nicht länger zerstört werden. Diese russischen Aktivitäten könnten “nur als geopolitisch motivierter Angriff auf die globale Ernährungssicherung gewertet werden”, kritisierten die G7.

Die Ukraine und Russland sind die größten Weizen-Exporteure weltweit. Normalerweise decken sie knapp ein Drittel des globalen Bedarfs. Weil Russland die ukrainischen Häfen blockiert, kann viel Getreide aber nicht exportiert werden. Geringere Mengen haben zumindest zeitweise die Preise auf den Weltmärkten hochgetrieben. Laut Experten droht die schlimmste humanitäre Krise seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Als katastrophal gilt die Lage in Äthiopien, Nigeria, dem Südsudan, dem Jemen, Afghanistan und Somalia.

Nach Einschätzung von Scholz erfordern die Pläne für eine Preisobergrenze für russisches Öl noch viel Arbeit. Es handle sich um “ein sehr ambitioniertes und sehr voraussetzungsvolles Vorhaben”. Die zuständigen Minister der G7-Staaten sollen unter anderem Mechanismen für einen solchen Preisdeckel prüfen.

Planungen sehen vor, Russland dazu zu zwingen, Öl künftig für einen deutlich niedrigeren Preis an große Abnehmer wie Indien zu verkaufen. Mit der Obergrenze soll einerseits dafür gesorgt werden, dass Russland nicht länger von Preisanstiegen auf dem Energiemarkt profitiert. Andererseits soll sie weltweit zu einer Entspannung auf den Ölmarkten beitragen. In der EU und auch in den USA sind die hohen Spritpreise derzeit ein großes Thema. Im Gespräch ist auch eine Preisbremse für Gas.

Rückendeckung bekam Scholz für seine Pläne zur Einrichtung eines internationalen Klimaclubs. Man unterstütze die Ziele eines solchen “offenen und kooperativen” Zusammenschlusses und wolle mit Partnern daran arbeiten, ihn bis Ende 2022 einzurichten, heißt es in der G7-Erklärung. Der Club soll die Minderung von Treibhausgas-Emissionen zum Ziel haben, inklusive deren Messung und Erfassung.

Scholz reagierte erfreut auf die Unterstützung. “Wir sind uns einig: Wir brauchen mehr Ehrgeiz, mehr Ambitionen, um unsere Klimaziele zu erreichen”, sagte er. Er bekräftigte das G7-Ziel, Abhängigkeiten von Öl und Gas aus Russland zu reduzieren und den Ausbau erneuerbarer Energien sowie den Klimaschutz voranzutreiben. Er sagte: “Wir sind uns alle einig, wo die Zukunft liegt, nämlich nicht beim Gas.”

Die G7 wollen mit Energiepartnerschaften ärmeren Staaten mit Expertise und Geld beim Wandel hin zu einer klimafreundlicheren Wirtschaft helfen.

Entwicklungsorganisationen reagierten enttäuscht auf den Gipfel und warfen den G7 “historisches Versagen” im Umgang mit Krisen vor. Trotz neuer Hilfszusagen werde die Runde ihrer Verantwortung nicht gerecht. Nötig seien deutlich mehr Geld gegen den Hunger, ambitioniertere Ziele beim Klimaschutz und eine Unterstützung einkommensschwacher Länder. Der Kampf gegen die für viele Länder noch immer dramatische Corona-Pandemie sei nur am Rande angesprochen worden.

Scholz forderte China auf, die gegen Russland verhängten Sanktionen nicht zu unterlaufen. In der Abschlusserklärung heißt es: “Wir sind sehr besorgt über die Menschenrechtslage in China.” Man werde Peking weiterhin auffordern, “die allgemeinen Menschenrechte und Grundfreiheiten zu achten, auch in Tibet und Xinjiang, wo uns Zwangsarbeit große Sorgen bereitet”. Mit Blick auf die Weltwirtschaft kritisieren die G7 die “intransparenten und marktverzerrenden Interventionen” Chinas.

Von: APA/dpa/Reuters

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

20 Kommentare auf "G7-Staaten geben Milliarden für Ernährungssicherheit"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
Spax
Spax
Grünschnabel
1 Monat 12 Tage

Wie soll sell funktionieren? Glei neben ins weart gebombt und geballert sem gib niamond in Klimaziel a Acht

hundeseele
hundeseele
Universalgelehrter
1 Monat 12 Tage

mal die Greta rüberschicken…🤪🤪

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 12 Tage

@hundeseele Schade, dass es für dich keine Möglichkeit gibt, dich 6 Monate spüren zulassen was auf uns zu kommt wenns di weiter geht und wie Recht Greta hat, die dir intellektuell um Welten voraus ist!

The Hunter
The Hunter
Superredner
1 Monat 12 Tage

@N. G. konsch sie jo besuchn gian und glei entn bleibn nor hobn mir Frieden von dir und deinen Kommentaren

Offline1
Offline1
Kinig
1 Monat 12 Tage

Die Ärmsten der Armen können oft bzw. meistens Nichts für ihre eigenen Lebensumstände. Darum benötigen sie dringend Hilfe und Unterstützung. Geld für eine bessere Ernährung bereit zu stellen, ist daher eine sehr gute Idee. Von “Ernährungssicherheit” sind wir aber noch meilenweit entfernt. Und es sollte unbedingt VOR ORT auf die gesicherte Verteilung an die Bedürftigen !! geachtet werden. Denn von denen über Jahrzehnte ausgegebenen Hunderten von Milliarden 💰aus den Programmen der Welthungerhilfe, unzähliger internationaler caritativer Organisationen, an Aufbau- und Entwicklungshilfen usw. versickern all zu oft die größten Anteile in Kanälen korrupter Regierungen und Stammesfürsten.

Tina1
Tina1
Superredner
1 Monat 12 Tage

Mal beim Nachwuchs bremsen, selber arbeiten, dann findet Kinderarbeit auch ein Ende.

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 12 Tage

@Tina1 Familien in Ländern mit Armut sind drauf angewiesen, dass auch jedes Kind ein paar Cent mit verdient, sonst würden sie verhungern. Deshalb werden sie gezeugt! Du hast NULL, aber auch NULL Ahnung!

The Hunter
The Hunter
Superredner
1 Monat 12 Tage

@N. G. Ahnung hosch lei du. Herr Corona, Klima, Gesundheits, Sicherheits, Russland und Finaz-experte.

I hon no nia an Mensch gsechn der sich so dermaßen Maßlos iborschätzt wia du

fritzol
fritzol
Universalgelehrter
1 Monat 12 Tage

verarschung pur!alle mitn flieger angereist mit frau und kegel und das fussvolk soll wenns geht zu Fuß gehen wegen treibhausgase

laager
laager
Grünschnabel
1 Monat 12 Tage

das ist nur das wenigste. es wurde ein riesiges sperrgebiet errichtet, indem niemand rein durfte. 18 000 polizisten aus ganz deutschland sind angereist um die sicherheit gewährleisten zu können und das gesamte treffen kostete 180 000 000 euro.

Philingus
Philingus
Superredner
1 Monat 12 Tage

@laager Na und? Wieviel Leben durch Bomben aber auch durch Nahrungsmittelvernichtung und Hunger kostet Putin’s Krieg in der Ukraine??? Wieviel Milliarden werden durch Putin’s Krieg regelrecht verballert?

laager
laager
Grünschnabel
1 Monat 12 Tage

statt 180 millionen euro für ein treffen zu verschwenden, dass auch gratis online stattfinden hätte können, wozu 18 tausend polizisten aus ganz deutschland angereist sind um eine sperrzone zu errichten und zu sichern hätten die das treffen auch online machen können und das geld wirklich afrika zuschicken lassen. einfach nur bullshit was die machen

Zugspitze947
1 Monat 12 Tage

laager=du redest UNSINN !!!!!!!!! 🙁

inni
inni
Universalgelehrter
1 Monat 12 Tage

Wer soll das alles bezahlen … Kriegswaffenlieferungen an die Ukraine sowie Kriegs- und Aufbaugelder, Aufrüstung des EU-Militärs, Gelder gegen den Hunger in der Welt usw. usw. usw. ❓❓

Philingus
Philingus
Superredner
1 Monat 12 Tage

Herr Putin verschenkt das geraubte Getreide an die Bedürftigen. Ganz sicher …

traktor
traktor
Kinig
1 Monat 12 Tage

das ölkartell opec spielt mit dem feuer…wenn es nicht sofort die fördermengen erhöht wird es langfristig wohl durch die industriestaaten zerstört, und das ist gut so….

gogogirl
gogogirl
Tratscher
1 Monat 12 Tage

Der Amerikaner verteilt ordentlich und im eigenen Land verhungern Menschen

Philingus
Philingus
Superredner
1 Monat 12 Tage

Ja, schlimm, wie der „Russe“ durch seine Kriege die Energie- aber auch Nahrungsmittel-Preise in die Höhe treibt. Sogar in den USA ist das zu spüren und ist es nicht zu bewundern, dass im humanen Sinne (auch christlichen Sinne – Mantelteilung), geteilt wird? Sollte nicht der verurteilt werden, der dieses Elend anrichtet oder vergrößert? Sein Name ist Putin … Fangen sie an!

OH
OH
Superredner
1 Monat 12 Tage

Hoffentlich hat das Geldverbrennen Mal ein Ende !!!!

ex-Moechteg.Lhptm.
ex-Moechteg.Lhptm.
Universalgelehrter
1 Monat 12 Tage

machts das treffen in afrika, dann könnt ihr dort zig millionen in Personenschutz investieren.
Sie haben investitionen dringend nötig und wir brauchen euch nicht.

wpDiscuz