NEOS-EU-Spitzenkandidatin Claudia Gamon

Gamon will zweites Mandat und weiblichen Kommissionschef

Sonntag, 31. März 2019 | 07:00 Uhr

Jung und weiblich ist nicht nur die Spitzenkandidatin der NEOS für die EU-Wahl, sondern auch deren Traum von Europa. Claudia Gamon steigt mit der Forderung nach einer “radikalen Veränderung der EU” in die Wahlkampfschlacht. Die NEOS wollen nicht weniger als “die Neugründung des europäischen Projektes”. Das persönliche Ziel der 30-jährige Vorarlbergerin ist ein zweites EU-Mandat.

Die NEOS wollen anstelle eines “gespaltenen und geschwächten Kontinents” eine “vereinte und wirklich demokratische Union”, die die gemeinsamen Werte nach innen ernst nimmt und selbstbewusst nach außen trägt und in der Finanz- und Währungspolitik, bei Fragen der Digitalisierung, in der Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik, bei Asyl und Migration sowie in der Umwelt- und Energiepolitik geschlossen auftritt.

“Wenn wir nicht wesentliche Dinge ändern, wird es nicht möglich sein, unsere Freiheit, die europäischen Errungenschaften, den europäischen Lebensstil zu erhalten”, sagte Gamon im APA-Interview. Die Welt habe sich in den letzten Jahren massiv geändert, man müsse also eine Entscheidung zu treffen, wohin Europa gehen soll. Die kommende Wahl sei daher eine Richtungsentscheidung.

Und die NEOS sind der Meinung, dass es “mehr Europa” braucht, denn “Nationalismus und Populismus werden Europa verarmen lassen”. Um sich China, Russland und den USA entgegenstellen zu können, müsse Europa stärker zusammenwachsen. “Wir haben den Mut und trauen und zu sagen, dass wir die Vereinigten Staaten von Europa, eine gemeinsame Verteidigungspolitik und eine europäische Armee wollen”, so Gamon.

Um Europa von seiner Schwerfälligkeit zu befreien, schlagen die NEOS einen Totalumbau vor. Das Europaparlament soll zu einem Zweikammern-Parlament umgebaut werden, wobei die zweite Kammer den EU-Rat der Regierungschefs ersetzen und so der Interessenausgleich zwischen der EU- und der nationalstaatlichen Ebene sichergestellt werden soll. Zudem soll es künftig transnationale Kandidatenlisten bei den EU-Wahlen geben. Den Kommissionspräsidenten bzw. die Kommissionspräsidentin wollen die NEOS direkt gewählt und die Kommission auf nur mehr 15 Kommissare verkleinert haben. Diese sollen nicht mehr nach nationalen Quoten ausgewählt werden, sondern eine “Regierung der besten Köpfe” sein, sagte Gamon. Um keinen Staat zu benachteiligen, könne man in einem ersten Schritt ein Rotationsprinzip einführen.

Den Brexit bezeichnete Gamon als “traumatisches Erlebnis”. Hier hätte “die Generation einer älteren Politikerkaste die Zukunft der Jungen verpokert”. Nun müssten die junge Menschen, die großteils gegen den Brexit gestimmt hätten, einen großen Teil ihres Erwerblebens mit weniger Chancen verbringen. “Das Schlimmste wäre es aber, wenn wir nichts daraus lernen.” Die EU müsse besser funktionieren, es brauche eine radikale Reform, so Gamon, die glaubt, dass Großbritannien eines Tages wieder der EU beitreten werde. Gamon glaubt auch, dass die EU mehr demokratische Mitbestimmung braucht, um mit ihren Bürgern mehr zusammenzuwachsen.

Dass sie die einzige weibliche Spitzenkandidatin und noch dazu jung ist, sieht Gamon als Vorteil gegenüber ihren Mitbewerbern. “Als junge Frau habe ich einen anderen Blick auf die Welt.” Es mache einen Unterschied, wenn sich mehr junge Menschen und Frauen engagieren und das werde sich auch im europäischen Parlament bemerkbar machen nach der Wahl.

Von: apa

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