Premier Castex legte Kranz vor Stadion nieder

Gedenken an die Opfer der Pariser Anschläge vor fünf Jahren

Freitag, 13. November 2020 | 23:04 Uhr

Gedenken unter Corona-Auflagen und massivem Polizeischutz: In Paris ist an die 130 Todesopfer der islamistischen Anschläge vor fünf Jahren erinnert worden. Der französische Premier Jean Castex und die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo legten am Freitag Kränze an den Anschlagsorten nieder. Präsident Emmanuel Macron rief dazu auf, die Opfer niemals zu vergessen. Wegen der jüngsten Messerattacken von Nizza und Paris gilt in Frankreich wieder die höchste Terror-Warnstufe.

Premier Castex und Bürgermeisterin Hidalgo erinnerten unter Polizeischutz an die 130 Toten und mehr als 350 Verletzten: Sie versammelten sich zunächst am Fußballstadion Stade de France nördlich von Paris, wo sich am Abend des 13. Novembers 2015 während eines Freundschaftsspiels zwischen Deutschland und Frankreich Anhänger der Jihadistenmiliz “Islamischer Staat” (IS) in die Luft gesprengt hatten.

Anschließend begaben sich Castex und Hidalgo mit den Vorsitzenden der größten Opferverbände zu den Bars und Restaurants sowie dem Konzertsaal Bataclan, wo die Terrorkommandos die meisten Menschen getötet hatten. Dort wurden die Namen aller Todesopfer verlesen. “Wir werden sie nie vergessen”, schrieb Bürgermeisterin Hidalgo auf Twitter.

Regierungschef Castex erinnerte an das lateinische Motto der französischen Hauptstadt: “Fluctuat nec mergitur” (Sie schwankt, aber sie geht nicht unter), das zum Symbol des Widerstands gegen den islamistischen Terror wurde. Am Eiffelturm gingen am Freitagabend symbolisch die Lichter aus. Wegen des Corona-Lockdowns gab es anders als in den Vorjahren keine Möglichkeit für Überlebende und die Angehörigen der Opfer, sich zu versammeln.

Frankreich sei damals “im Herzen getroffen” worden, schrieb Macron im Onlinedienst Twitter mit Blick auf die Anschläge. Aber die Franzosen seien standhaft geblieben, um “unsere Freiheit und unserer Werte zu verteidigen”.

“Der Krieg auf unserem Boden ist noch nicht vorbei”, sagte der frühere französische Präsident François Hollande der Zeitung “Le Parisien”. Hollande hatte am Abend des 13. November 2015 den Ausnahmezustand über ganz Frankreich verhängt und alle Sicherheitskräfte mobilisiert, um die Täter aufzuspüren.

Außenminister Le Drian sagte, auch weiterhin sei “eine sehr große Härte gegen den Terrorismus” nötig. Dies machten auch die Ermordung eines Lehrers in einer Pariser Vorstadt und die Messerattacke in einer Kirche in Nizza im Oktober deutlich.

Auch der künftige US-Präsident Joe Biden erinnerte in einer Erklärung an die Anschläge vor fünf Jahren: “Es war ein Angriff nicht nur auf die Menschen in Paris, sondern auf unsere Menschlichkeit und die Werte, die wir teilen”, teilte er mit. Er sagte bessere Zusammenarbeit bei den “vielen gemeinsamen Herausforderungen” zu.

Nach den Anschlägen vom November 2015 wurde nur einer der neun Attentäter, Salah Abdeslam, lebend gefasst. Der 31-jährige Franzose mit marokkanischen Wurzeln steht im Zentrum des Mammutprozesses um die Anschläge, der im kommenden Jahr beginnen soll. Neben ihm will die Pariser Anti-Terror-Staatsanwaltschaft 19 weitere Verdächtige anklagen, die den Islamisten geholfen haben sollen.

An dem Prozess wollen mehr als 1.700 Zivilkläger teilnehmen, die meisten von ihnen sind Angehörige der Opfer oder Überlebende. Sie erhoffen sich Aufklärung über die französisch-belgische Terrorzelle mit Verbindungen zur IS-Miliz in Syrien, die nach den Erkenntnissen der Ermittler für die Anschläge verantwortlich war.

Die Bataclan-Überlebende Catherine Bertrand sagte der Nachrichtenagentur AFP, sie leide immer noch unter posttraumatischem Stress. “Besonders wenn ich ausgehe oder öffentliche Verkehrsmittel nehme, holt mich die Erinnerung ein.”

“Der Jahrestag der Anschläge ist immer das Schlimmste”, sagt Fritz Goeppinger. Der Franzose mit chilenischen Wurzeln gehörte zu einer Gruppe von Geiseln im Bataclan, mit denen sich zwei der Angreifer in einem Gang verschanzten, bevor Eliteeinheiten den Konzertsaal stürmten. “Das Trauma bleibt, aber man lernt, damit zu leben”, sagte Goeppinger.

Von: APA/ag.

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