Friedliche Demonstration von Frauen auf dem Bastille-Platz

“Gelbwesten” stürmten Regierungsgebäude in Paris

Sonntag, 06. Januar 2019 | 17:01 Uhr

Anhänger der “Gelbwesten”-Bewegung haben bei neuerlichen Protesten in Paris den Amtssitz von Regierungssprecher Benjamin Griveaux gestürmt. Mehrere “Gelbwesten” und schwarz gekleidete drangen am Samstag in die gesicherte Anlage ein und randalierten im Innenhof, wie Griveaux mitteilte. Er selbst wurde in Sicherheit gebracht.

Landesweit kam es bei den wieder erstarkenden Protesten Zehntausender “Gelbwesten” zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften. Staatschef Emmanuel Macron verurteilte die Gewalt.

In ganz Frankreich beteiligten sich am achten Protestwochenende in Folge nach Angaben von Innenminister Christophe Castaner rund 50.000 Menschen an den Kundgebungen. Vor einer Woche waren noch 32.000 Aktivisten auf die Straße gegangen. In den ersten Wochen der Proteste, die vor zwei Monaten begonnen haben, waren aber bis zu knapp 300.000 Teilnehmer vermeldet worden.

Für Empörung sorgte der Vorstoß von Anhängern der Protestbewegung in das Ministeriumsgebäude, in dem sich das Büro des Regierungssprechers befindet. Mehrere Aktivisten durchbrachen mit einem auf der Straße entwendeten Gabelstapler die Tür zum Innenhof des Gebäudes, wie Griveaux weiter mitteilte. Im Innenhof hätten die Eindringlinge “zwei Autos zerstört, mehrere Fensterscheiben und dann sind sie wieder gegangen.” Der Angriff habe “nicht mir, sondern der Republik gegolten”, betonte Griveaux.

Eine der führenden Figuren der Bewegung machte die Polizei für die Eskalation in Paris mitverantwortlich. Der Protestmarsch habe sich auf einer angemeldeten Route Richtung Nationalversammlung bewegt, wo er sich dann friedlich aufgelöst hätte, sagte Priscillia Ludosky. Die Polizei habe dann aber die Strecke gesperrt. “Warum blockiert man es kurz vor dem Ziel und lässt eine Konfrontation zu? Denn das heizt die Gemüter auf, den Zugang zu etwas zu blockieren. Und dann werden die Leute wütend, und schon passiert, was gestern passiert ist”, sagte sie.

Macron reagierte scharf auf die erneuten Ausschreitungen. “Einmal mehr ist die Republik von extremer Gewalt attackiert worden”, schrieb er im Kurzbotschaftendienst Twitter. Er rief zur Mäßigung und zur Rückkehr zum Dialog auf. Auch Innenminister Castaner ermahnte die Demonstranten zur Ruhe. Jeder habe ein “Verantwortung” und müsse “das Gesetz respektieren”.

In Paris, wo sich etwa 3.500 Menschen an den Kundgebungen beteiligten, lieferten sich Demonstranten und Sicherheitskräfte gewaltsame Auseinandersetzungen. Wie ein Reporter berichtete, griffen Aktivisten nahe dem Rathaus Einsatzkräfte mit Steinen und Flaschen an. Auf dem Boulevard Saint-Germain wurden mehrere Roller, Mülleimer und ein Auto in Brand gesetzt. Auf einer Seine-Brücke wurde bei Zusammenstößen ein Polizist verletzt.

Auch am Sonntag versammelten sich mehrere hundert weibliche Anhänger der “Gelbwesten” auf dem Bastille-Platz zu einer friedlichen Kundgebung. Die Frauen wollten nach der Gewalt vom Vortag ein “neues Bild” der Protestbewegung abgeben, hieß es.

Im ganzen Land waren die Proteste am Samstag den Behörden zufolge von Gewalt überschattet. In Rouen demonstrierten rund 2.000 Menschen und errichteten brennende Barrikaden. Ein Demonstrant wurde verletzt, zwei Aktivisten wurden festgenommen.

In Dijon griffen “Gelbwesten” eine Polizeiwache an und zerstörten die Absperrgitter um das Gebäude. Bei Zusammenstößen mit der Polizei seien zwei Sicherheitskräfte verletzt und 25 Demonstranten festgenommen worden.

In Bordeaux beteiligten sich 4.600 Menschen an einer Kundgebung. Einige Aktivisten warfen Steine auf die Sicherheitskräfte, die mit Tränengas und Wasserwerfern antworteten. Fünf Polizisten wurden verletzt und elf Demonstranten festgenommen. In Toulouse wurden 22 Menschen festgenommen. Tausende “Gelbwesten” blockierten zudem die Autobahn A7 in Lyon.

Deutsche Politiker kritisierten die neuerliche Eskalation in Frankreich. Die deutsche Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe, sie habe “kein Verständnis” für die Gewalt. Vergleichbare Demonstrationen in Deutschland erachtete sie als unwahrscheinlich.

Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) hält es hingegen für denkbar, dass sich auch in Deutschland eine Protestbewegung von Geringverdienern bildet. “Es gibt auch in Deutschland ein nicht zu unterschätzendes ‘Gelbwesten’-Potenzial”, sagte er der “Bild am Sonntag”.

Die “Gelbwesten”-Bewegung setzt der Regierung von Staatschef Macron seit November zu. Ursprünglich hatte sich die Bewegung gegen hohe Spritpreise und die geplante Ökosteuer auf Diesel gerichtet. Später mischte sich in den Protest allgemeiner Unmut über die Politik der Regierung. Deren milliardenschweren Zugeständnisse, die unter anderem mehr Geld für Mindestlohnbezieher und Entlastungen für Rentner vorsehen, weisen die Demonstranten als ungenügend zurück.

Von: APA/ag.

Kommentare

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27 Kommentare auf "“Gelbwesten” stürmten Regierungsgebäude in Paris"


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Neumi
Neumi
Universalgelehrter
13 Tage 2 h

Sie haben’s halt übertrieben. Als sie Angebote bekommen haben, haben sie nur um so lauter geschrien. Alles, was sie fordern, werden sie nicht kriegen, das steht außer Frage, sie müssen Kompromisse eingehen, wie auch die andere Seite. An einer ernsthaften Lösung sind sie doch gar nicht interessiert.

typisch
typisch
Universalgelehrter
13 Tage 1 h

Genau, nieder mit den aufmotzigen pöbel, wie sichs gehört in einen ” demokratischen” staat

Neumi
Neumi
Universalgelehrter
12 Tage 15 h

@typisch Richtig. Laut der Auffassung einiger kriegt in einem demokratischen Staat der Recht, der am lautesten schreit und auf Gesetze scheißt. Es kriegt der Recht, der rumpöbelt, anstatt demokratische Wahlergebnisse anzuerkennen.

In einem Rechtsstaat wird verhandelt und nicht erpresst.

Neumi
Neumi
Universalgelehrter
12 Tage 15 h

Kannst du mir vielleicht noch erklären, was nicht angemeldete Demos, das Besetzen von Regierungsgebäuden und mutwillige Beschädigung von Eigentum mit Demokratie zu tun haben?
Man kann von den Gelbwesten halten, was man will, aber sie gehen nun wirklich nicht demokratisch vor. Sie gehen wirklich wie “aufmotziger Pöbel” vor, wie du so schön sagst.

FC.Bayern
FC.Bayern
Superredner
12 Tage 13 h

es geht hier nicht um Kompromisse ,
sondern um die Regierung und Macron zu stürzen , hartnäckig sind Sie , mal schauen ob Sie es bis ans Ende hin bekomnen …

denkbar
denkbar
Kinig
12 Tage 4 h

Das erinnert alles an den Sturm auf die Bastille, da ging es auch um die Auflehnung gegen politische Autorität.

MickyMouse
MickyMouse
Universalgelehrter
13 Tage 5 h

Jetzt zeigt dieser Macrón sein wahres Gesicht-gibs den Reichen und nimm´s den Armen! Ein Mann ohne Charakter und Gewissen-Steigbügelhalter der Industrielobbys und Reichenlobbys. HAU AB!

Sag mal
Sag mal
Kinig
12 Tage 16 h

MickyM.Der soll Sein Köfferchen packen und mit Seiner Mutti die Kurve kratzen.

m69
m69
Kinig
12 Tage 16 h

Sag Mal@

Du meintest zu seiner Milf? Oder war es seine Gilf? 😁 😂 😅 👌

genau
genau
Universalgelehrter
12 Tage 13 h

@m69

Nein fällt noch unter Milf😄

m69
m69
Kinig
12 Tage 13 h

Genau @
Sag Mal@

Wo ist die Altersgrenze zw.
Milf u. Gilf!? 😁

Die Frau von Macron dürfte Ende 60 oder gar Anfang 70 sein.

m69
m69
Kinig
13 Tage 7 h

gebt nicht auf Gelbwesten!

typisch
typisch
Universalgelehrter
13 Tage 2 h

Wie jetzt in den medien wurde doch berichtet dass die gelbwestendemo stsrk abnimmt

Neumi
Neumi
Universalgelehrter
13 Tage 1 h

In welchen Medien? In DIESEM Medium steht was anderes.

Mistermah
Mistermah
Kinig
13 Tage 12 Min
typisch
typisch
Universalgelehrter
12 Tage 19 h

@Mistermah
Diese verhexten medien👍

m69
m69
Kinig
12 Tage 16 h

Mistermah @

Genau wie Sie es gepostet haben, wer lesen kann ist im Vorteil! 😅😁👌

Rechner
Rechner
Superredner
12 Tage 15 h

In ganz Frankreich beteiligten sich am achten Protestwochenende in Folge nach Angaben von Innenminister Christophe Castaner rund 50.000 Menschen an den Kundgebungen. Vor einer Woche waren noch 32.000 Aktivisten auf die Straße gegangen. In den ersten Wochen der Proteste, die vor zwei Monaten begonnen haben, waren aber bis zu knapp 300.000 Teilnehmer vermeldet worden.

50.000 ist weniger als 300.000. Eindeutig

aristoteles
aristoteles
Superredner
12 Tage 23 h

gegen diesen linken macron. bravo

Spitzpassauf
Spitzpassauf
Superredner
12 Tage 22 h

Diese korrigierte Zahl von 50.000 Tausend Protestler stammt vom Innenminister Castaner.Nach der Polizeigewerkschaft “Policiers en colère” war gestern die Zahl der Protestler 300.000. Ist die Quelle einer Information nicht wichtig?

typisch
typisch
Universalgelehrter
12 Tage 17 h

Das nennt man dann pressefreiheit oder authentisch, glaubhaft neutral usw berichterstattungen

Pyro-Tekni-Kahn
Pyro-Tekni-Kahn
Grünschnabel
13 Tage 1 h

As nechste mol leg i mir a so a westele oun.

Rechner
Rechner
Superredner
12 Tage 15 h

@Pyro-Tekni-Kahn
Gute Idee und dann gehts gegen unsere Regierung😉 zeig es der Lega!

Amadeus
Amadeus
Grünschnabel
12 Tage 16 h

Schon jahrelang wird berichtet: Reiche werden reicher, Arme immer ärmer. Was in Frankreich begonnen hat wird sich natürlich früher oder später auf ganz Europa bzw. auf die ganze Welt ausweiten. Die Menschen sind ja nicht blöd, man kann sich über die verschiedensten Quellen im Internet und in den Medien über Reichtum und Armut informieren. 
Wobei Reichtum natürlich nicht verboten ist. Doch kommt es darauf an wie man dazu kommt: Korruption, Sklavenarbeit, Steuerhinterziehung, Bandenkriminalität, Vetternwirtschaft, Drogenhandel, illegaler Waffenhandel, manipulierte Börsenspekulationen usw.
Die nächste Wirtschaftsrezession kommt bestimmt. Seien wir auf das Schlimmste vorbereitet aber hoffen wir auf das Beste. 

genau
genau
Universalgelehrter
12 Tage 13 h

In Südtirol ist Vetternwirtschaft recht beliebt^^

Aber du hast vollkommen recht!
Die Menschen fangen an Dinge zu hinterfragen

Rechner
Rechner
Superredner
12 Tage 15 h

Wenn 300.000 auf die Straße gehen dann sind in Frankreich 64,7 Millionen Zuhause geblieben. Es ist noch etwas Spiel bis zur nächsten Revolution.

Lu O
Lu O
Grünschnabel
12 Tage 14 h

Dies bräuchte es in Rom.

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