Welle des Protests nach Tod von Mahsa Amini

Gerichtsmedizin schließt Polizeigewalt gegen Mahsa Amini aus

Freitag, 07. Oktober 2022 | 18:56 Uhr

Das staatliche Institut für Gerichtsmedizin hat im Zusammenhang mit dem Tod der 22-jährigen Mahsa Amini Polizeigewalt ausgeschlossen. In dem am Freitag veröffentlichten Bericht zu Aminis Tod wird nach Angaben des Nachrichtenportals Misan erklärt, dass die iranische Kurdin schon seit ihrer Kindheit an einer Schilddrüsenkrankheit gelitten habe. Die Untersuchungen sollen ergeben haben, dass es wegen der Vorerkrankung nach ihrer Verhaftung zu einem Herzversagen gekommen sei.

Das habe dann zu ihrem Tod geführt habe, hieß es. Polizeigewalt sei ausgeschlossen, weil bei der Leiche etwa keine Spuren von einem Schlag auf dem Kopf gefunden wurden. Aminis Eltern hatten in den letzten Wochen mehrmals eine Vorerkrankung bei ihrer Tochter dementiert. Sie sei bis zu ihrer Verhaftung durch die Sittenpolizei völlig gesund gewesen und alle gegenteiligen Behauptungen seien gelogen, erklärte die Familie. Die iranische Justiz wirft der Familie Amini wiederum vor, die Gesetze im Land zu missachten und mit dem Fall ihrer Tochter politische Stimmung gegen das iranische System machen zu wollen.

Die Sittenpolizei hatte Amini im September wegen ihres “unislamischen Outfits” festgenommen. Sie fiel ins Koma und starb am 16. September im Krankenhaus. Die Polizei weist zurück, Gewalt angewendet zu haben. Der Tod der 22-Jährigen hatte landesweite Proteste gegen den Kopftuchzwang und die islamische Führung ausgelöst. Sicherheitskräfte gehen auch mit Gewalt gegen Demonstranten vor, Dutzende Menschen wurden getötet.

Am Freitagabend erklärten sich die iranischen Streitkräfte bereit, die anhaltenden systemkritischen Proteste im Land zu bekämpfen. Das kündigten die Kommandeure der Armee, der Revolutionsgarden und der Polizei in einem gemeinsamen Schreiben an Irans obersten geistlichen Führer, Ajatollah Ali Chamenei, an, wie die Nachrichtenagentur Isna berichtete. “Wir werden die teuflischen Pläne der Feinde der islamischen Republik zunichtemachen”, hieß es demnach in dem Schreiben der Kommandeure.

Nach Angaben des Nachrichtenportals Entekhab bleibt die Scharif-Universität in Teheran bis auf weiteres geschlossen. Online-Unterricht ist durch die von der Regierung verhängten Internetsperren aber technisch kaum möglich, da das Internet vom Regime stark eingeschränkt wurde.

Von: APA/dpa

Kommentare
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Doolin
Doolin
Kinig
2 Monate 18 h

…ja ja, die Hebamme war Schuld…
😆

Rudolfo
Rudolfo
Universalgelehrter
1 Monat 29 Tage

Der “Erkenntnis” der staatlichen Gerichtsmedizin kommt keineswegs überraschend….

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