Gestürzter Präsident Keita wieder auf freiem Fuß

Gestürzter malischer Präsident Keita freigelassen

Donnerstag, 27. August 2020 | 19:08 Uhr

Zehn Tage nach dem Putsch in Mali hat die Militärjunta den von ihr gestürzten Ex-Präsidenten Ibrahim Boubacar Keita freigelassen. Keita sei frei und befinde sich in seiner Residenz, sagte ein Sprecher der Militärmachthaber am Donnerstag. Der Schritt erfolgte einen Tag vor Beratungen der westafrikanischen Staatengemeinschaft Ecowas über weitere Sanktionen gegen die Putschisten.

Ein Verwandter des 75-jährigen Ex-Präsidenten, der anonym bleiben wollte, bestätigte die Freilassung. Keita sei in der Nacht auf Donnerstag in seine Residenz im Viertel Sebenikoro von Bamako zurückgekehrt, so der Verwandte. Unklar war, ob Keita weiterhin Ausgangsbeschränkungen unterlag.

Soldaten der malischen Armee hatten am Dienstag vergangener Woche einen Militärstützpunkt nahe der Hauptstadt Bamako besetzt und geputscht. Keita verkündete nach seiner Festnahme und unter dem Druck der Militärs seinen sofortigen Rücktritt und die Auflösung des Parlaments, um nach eigenen Angaben ein Blutvergießen zu verhindern. Festgenommen worden waren auch Regierungschef Boubou Cissé und weitere ranghohe Regierungsmitglieder. Malis Nachbarn, die Afrikanische Union sowie die EU hatten die Militärjunta zur Freilassung des Ex-Staatschefs und der weiteren ranghohen Politiker aufgefordert.

Bei einem virtuellen Gipfel am Freitag beraten die Staats- und Regierungschefs der Ecowas über das weitere Vorgehen gegenüber Mali nach dem Putsch. Nach dem Staatsstreich hatte die Ecowas, der auch Bamako angehört, bereits ein Handelsverbot mit Mali beschlossen. Zudem wurden alle Landesgrenzen zu Mali geschlossen.

Ecowas-Kommissionschef Goodluck Jonathan hatte Bamako am Wochenende besucht und sich dabei sowohl mit der Militärjunta als auch mit dem noch inhaftierten Keita getroffen. Die Militärjunta sagte nach Angaben des ehemaligen nigerianischen Präsidenten Jonathan während der Gespräche zu, einen politischen Übergangsprozess in Gang zu setzen und innerhalb eines “angemessenen Zeitraums” Neuwahlen abzuhalten. Die Ecowas forderte laut einer Erklärung Jonathans von Mittwochabend, dass eine Übergangsregierung mit einem Zivilisten oder Ex-Militär an der Spitze maximal zwölf Monate im Amt bleiben dürfe.

Keita stand seit geraumer Zeit unter Druck, weil es ihm unter anderem nicht gelungen war, die seit 2012 andauernden Angriffe von Islamisten vor allem im Norden des Landes unter Kontrolle zu bringen.

Auch am Donnerstag wurde das Land wieder von mutmaßlich islamistischer Gewalt erschüttert: Wie die malische Armee mitteilte, wurden bei einem Anschlag von “Terroristen” im von Unruhen geprägten Zentrum des Landes vier Soldaten getötet und zwölf weitere verletzt. Es war bereits der zweite tödliche Anschlag auf malische Streitkräfte seit dem Putsch.

Verschleppte politische Reformen, eine schwächelnde Wirtschaft und Korruptionsvorwürfe verschlechterten die Lage in Mali in den vergangenen Jahren zusätzlich. Im Mittelpunkt der Korruptionsvorwürfe stand immer wieder auch Keitas Familie persönlich. Wie die Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag aus Diplomatenkreisen erfuhr, floh Präsidentensohn Karim Keita, der auch einen Sitz im Parlament innehatte, nach dem Putsch in ein Nachbarland, um so seiner Festnahme zu entgehen.

Von: APA/ag.

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