Proteste blieben ohne Erfolg

Gesundheitszustand von Chinas Nobelpreisträger Liu kritisch

Montag, 10. Juli 2017 | 17:11 Uhr

Der Gesundheitszustand des krebskranken chinesischen Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo hat sich nach Angaben seiner Ärzte weiter verschlechtert. Bei dem 61-Jährigen ist Leberkrebs im Endstadium diagnostiziert worden. Sein Zustand sei “kritisch”, erklärte die behandelnde Klinik in der nordostchinesischen Stadt Shenyang am Montag.

Dennoch lehnte China es erneut ab, den Bürgerrechtler zur Behandlung ins Ausland reisen zu lassen, obwohl er nach Einschätzung deutscher und amerikanischer Experten transportfähig ist.

Liu Xiaobo war 2009 wegen “Untergrabung der Staatsgewalt” zu elf Jahren Haft verurteilt worden. Er hatte ein Bürgermanifest veröffentlicht. 2010 wurde ihm der Friedensnobelpreis verliehen. Peking hat bereits mehrfach darauf hingewiesen, dass Liu Xiaobo nicht freigelassen, sondern nur aus medizinischen Gründen ins Krankenhaus verlegt worden sei. Dort steht er weiter unter Bewachung.

Nach Angaben der Ärzte von Liu Xiaobo vom Montag ist sein Blutdruck niedrig, zudem sei das Bauchfell entzündet. Der Krebs habe sich weiter im Körper ausgebreitet. Auch die Funktion der Nieren habe sich verschlechtert. Nach Angaben seines Anwalts ist eine Ausreise zur Behandlung jedoch durchaus möglich, wenn “Bewährung aus medizinischen Gründen” gewährt wird. Sowohl der Bürgerrechtler als auch seine Frau wollen China verlassen.

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel habe den Fall stets mir großer menschlicher Sympathie verfolgt, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag. Mit Sorgen habe man die Informationen über den Gesundheitszustand zur Kenntnis genommen. Klar sei, dass Deutschland sich mit Nachdruck für eine humanitäre Lösung einsetze.

Menschenrechtler warfen Peking vor, die Ausreise zu verhindern, weil es befürchte, dass Liu Xiaobo in seinen letzten Tagen kritische Interviews geben könnte und zu einem “Symbol des Widerstands” gegen die chinesische Regierung werde.

Andere Staaten sollten Chinas juristische Unabhängigkeit respektieren und sich nicht in seine “inneren Angelegenheiten” einmischen, sagte ein Sprecher des Außenamtes in Peking am Montag auf die Frage von Journalisten, ob Liu Xiaobo ausreisen dürfe.

Der chinesische Autor war am Wochenende vom Heidelberger Krebsspezialisten Professor Markus Büchler und von dessen US-Kollegen Joseph M. Herman besucht worden. Beide stimmten überein, dass Liu Xiaobo an Leberkrebs im Endstadium leidet. Sie teilten aber auch mit, dass der Patient für eine Behandlung in Deutschland oder den USA “grundsätzlich transportfähig” sei. Ein Transport müsse jedoch “schnell” erfolgen.

Der deutsche Arzt, der den schwerkranken Friedensnobelpreisträger in einem chinesischen Krankenhaus besucht hat, wurde nach Angaben der Deutschen Botschaft in Peking ohne Zustimmung gefilmt. “Wir haben mit großer Sorge festgestellt, dass bestimmte Behörden offensichtlich Audio- und Videoüberwachungsaufnahmen des medizinischen Besuchs gemacht haben”, hieß am Montag.

Diese Aufnahmen seien gegen den ausdrücklichen Wunsch der deutschen Seite gemacht worden, der vor dem Besuch schriftlich mitgeteilt worden sei. Die Aufnahmen seien offensichtlich selektiv an bestimmte chinesische Staatsmedien verteilt worden. “Es scheint, dass Sicherheitsorgane den Prozess steuern, nicht medizinische Experten”, hieß es in der auf der Website der Botschaft veröffentlichten Stellungnahme.

Das Verhalten untergrabe das Vertrauen in die Behörden, die sich mit dem Fall beschäftigen. Am Montag kursierten auf YouTube verschiedene Videos, in denen der Heidelberger Krebsspezialist Professor Markus Büchler und sein US-Kollege Joseph M. Herman am Krankenbett von Liu Xiaobo zu sehen waren. Freunde des an Leberkrebs erkrankten Bürgerrechtlers bezeichneten die Aufnahmen als Propaganda-Aktion der chinesischen Regierung.

Von: APA/dpa