Getreide-Export-Abkommen unterzeichnet

Getreide-Abkommen zwischen Ukraine und Russland erzielt

Samstag, 23. Juli 2022 | 09:07 Uhr

Russland und die Ukraine haben mit den Vereinten Nationen und der Türkei eine Lösung für die Ausfuhr von Millionen Tonnen Getreide aus dem Kriegsland Ukraine vereinbart. Sowohl Russland als auch die Ukraine unterzeichneten am Freitag in Istanbul getrennt voneinander entsprechende Vereinbarungen unter Vermittlung von UNO-Generalsekretär António Guterres. Die Ukraine zählte vor dem russischen Angriffskrieg zu den wichtigsten Getreideexporteuren der Welt.

Das Abkommen “eröffnet den Weg für umfangreiche kommerzielle Lebensmittelexporte aus drei entscheidenden ukrainischen Häfen am Schwarzen Meer – Odessa, Tschornomorsk und Juschnyj”, sagte Guterres. Die Vereinbarung werde dazu beitragen, “die globale Versorgungslücke bei Lebensmitteln zu schließen” und die weltweiten Nahrungsmittelpreise zu stabilisieren. “Es wird den Entwicklungsländern am Rande des Bankrotts und den am meisten gefährdeten Menschen am Rande einer Hungersnot Erleichterung bringen”, so Guterres.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj zeigte sich zufrieden mit der Lösung. Die einzelnen Punkte des am Freitag in Istanbul unterzeichneten Dokuments entsprächen “voll und ganz den Interessen der Ukraine”, sagte Selenskyj in seiner Videoansprache in der Nacht auf Samstag. “Jetzt können wir nicht nur die Arbeit unserer Häfen am Schwarzen Meer wiederaufnehmen, sondern auch den erforderlichen Schutz für sie aufrechterhalten.” Selenskyj sagte zudem, die Ukraine könne nun insgesamt 20 Millionen Tonnen Getreide aus der Ernte des Vorjahres exportieren. Es seien Vorräte im Wert von rund 10 Milliarden US-Dollar eingelagert.

“Mit dem in den kommenden Tagen startenden Schiffsverkehr öffnen wir einen neuen Atemweg vom Schwarzen Meer in viele Länder der Welt”, sagte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan, der ebenfalls bei der Zeremonie anwesend war. Es sei ein “historischer Tag”. Der russische Präsident Wladimir Putin hatte erst am Dienstag mit Erdogan bei einem Treffen in der iranischen Hauptstadt Teheran über den Konflikt um das Getreide gesprochen.

Kremlsprecher Dmitri Peskow betonte nun, dass es sehr wichtig sei, dass das ukrainische Getreide auf den Weltmarkt komme. Putin hatte zuvor eine Paketlösung verlangt, damit auch Russland sein Getreide und seine Dünge- und Lebensmittel auf dem Weltmarkt verkaufen könne. Nach Darstellung von Verteidigungsminister Sergej Schoigu, der in Istanbul das Abkommen unterschrieb, wurde mit Guterres ein Memorandum unterzeichnet, dass sich die Vereinten Nationen international für diesen Export einsetzen wollen.

“Dieses Abkommen kann Millionen von Menschen auf der ganzen Welt zugute kommen”, schrieb EU-Ratspräsident Charles Michel am Freitag auf Twitter. Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell sprach von einem “Schritt in die richtige Richtung”. EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen zeigte sich angesichts der Einigung ebenfalls erfreut.

US-Außenminister Antony Blinken forderte eine schnelle Umsetzung der Vereinbarung. “Die Hungernden der Welt können nicht warten, und wir erwarten, dass die Umsetzung der heutigen Vereinbarung zügig beginnt und ohne Unterbrechung oder Einmischung erfolgt”, teilte Blinken am Freitagabend (Ortszeit) in Washington mit.

Die Afrikanische Union bezeichnete die Einigung am Samstag als eine “willkommene Entwicklung” für Afrika. Der afrikanische Kontinent ist von den infolge des Ukraine-Kriegs stockenden Lieferungen besonders betroffen. Viele afrikanische Länder importieren mehr als die Hälfte ihres Weizens aus Russland oder der Ukraine. Die UNO hatte deshalb vor massiven Hungersnöten gewarnt.

Der US-Außenminister begrüßte die Einigung, warnte aber auch: Ein Ende der Blockade der ukrainischen Agrarexporte durch das Schwarze Meer sei nur einer der vielen Schritte, die Russland unternehmen müsse, um sicherzustellen, dass die Lebensmittel aus der Ukraine auf die Weltmärkte gelangten. “Solange Russland seine ungerechtfertigte und brutale Aggression gegen die Ukraine fortsetzt, wird die weltweite Ernährungssicherheit gefährdet bleiben”, sagte Blinken.

Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) zeigte sich über die Einigung erfreut. “Die Vereinbarung zeigt, dass der stetige Dialog und das Ringen um Lösungen auch in so schwierigen Situationen wesentlich sind”, so Nehammer. Erfolge seien möglich, auch wenn sie Zeit bräuchten. “Das ist vor allem für die Lebensmittelversorgung im Nahen Osten und afrikanischen Ländern überlebenswichtig”, freute sich Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP). Das Außenministerium begrüßte auf Twitter die Einigung und forderte eine rasche Umsetzung der Vereinbarung “ohne Verzögerung”.

Wegen des russischen Angriffskriegs gegen das Nachbarland können noch etwa 20 Millionen Tonnen Getreide aus der Ukraine nicht exportiert werden. Die Nahrungsmittel werden jedoch auf dem Weltmarkt – vor allem in Asien und Afrika – dringend benötigt. Die Vereinten Nationen warnten zuletzt schon vor der größten Hungersnot seit Jahrzehnten.

Vereinbart wurde nun nach UNO-Angaben ein humanitärer Korridor zwischen der Ukraine und dem Bosporus – der Meerenge zwischen Schwarzem Meer und Mittelmeer. Demnach wird der Export von einem gemeinsamen Koordinationszentrum mit Vertretern der Vereinten Nationen, Russlands, der Ukraine sowie der Türkei in Istanbul überwacht. Ein ranghoher UNO-Funktionär nannte das Zentrum den “Herzschlag der Operation”.

Zudem einigten sich die Parteien den Angaben zufolge darauf, dass Schiffe mit dem Ziel Ukraine zunächst in Istanbul durchsucht werden, um sicherzustellen, dass sie keine Waffen oder Ähnliches geladen haben. Eine weitere Kontrolle solle es dann in der Türkei geben, wenn die Schiffe aus der Ukraine kommend das Schwarze Meer wieder verlassen wollen. Damit solle sichergestellt werden, dass ausschließlich Getreide an Bord ist. Das war eine Bedingung Russlands gewesen.

Schiffe in dem humanitären Korridor und die beteiligten Häfen dürften dabei nicht angegriffen werden. Dieser Punkt wird in New York so interpretiert, dass an diesen strategisch wichtigen Orten – zum Beispiel im Hafen Odessas – faktisch eine Waffenruhe gelten soll. Das Abkommen soll den Angaben zufolge zunächst für vier Monate gelten. Der UNO-Funktionär machte aber deutlich, dass eine Verlängerung bis zum Ende des Krieges angestrebt werde. Die Umsetzung des Abkommens – und damit die Ausfuhr von Nahrungsmitteln aus der Ukraine – könnte nach UNO-Angaben noch einige Wochen dauern.

Von: APA/dpa/AFP

Kommentare

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31 Kommentare auf "Getreide-Abkommen zwischen Ukraine und Russland erzielt"


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Johannes
Johannes
Superredner
21 Tage 22 h

Würde Deutschland seine anderen 60% Flächen für die Nahrungsversorgung hergeben und nicht als Futtermittel für die Fleischproduktion verwenden, hätten wir in Europa kein Getreideproblem!

N. G.
N. G.
Kinig
21 Tage 19 h

Dann wären wir und die Welt von Deutschland abhängig und genau siwas will keiner mehr!
Viel hast du in der letzten Zeit nicht verstanden!
Im Punkt hast du Recht aber das war absolut daneben!

Faktenchecker
21 Tage 18 h

NG Viel hast Du nicht verstanden!

“Das meiste Getreide in Deutschland wird für Tierfütterung verwendet. Der Großteil des Getreides in Deutschland landet im Futtertrog. Von den insgesamt 42,9 Millionen Tonnen Gesamtverbrauch 2020/2021 wurden nach vorläufigen Daten des BLE 25 Millionen Tonnen an Tiere verfüttert – gut 58 Prozent.02.04.2022”

brunecka
brunecka
Superredner
21 Tage 18 h

@Faktenchecker

hat N.G jemals etwas verstanden???😖😖😖 ungeliebter mitbrunecker😫😫😫

Honor
Honor
Grünschnabel
21 Tage 17 h

@Faktenchecker , es scheint es fehlt ihnen sehr an Wissen…. wenn die Qualität des Weizen/Getreide nicht der Norm entspricht dann wird dieses automatisch als Tierfutter klassifiziert , und kein Ackerbauer will das den der Auszahlungspreis ist deutlich niedriger….

Rainer Zufall
21 Tage 14 h

“whataboutism…” klassisches ork gejammer –

Spiegel
Spiegel
Universalgelehrter
21 Tage 13 h

Fleisch ist Nahrung! Schnallst net gel?

Spiegel
Spiegel
Universalgelehrter
21 Tage 13 h

Für den Humanverzehr nicht verwendbares Getreide wird verfüttert. Ach Faktenchecker weniger linker Populismus würde nicht schaden

Spiegel
Spiegel
Universalgelehrter
21 Tage 13 h

Ja das wissen die wenigsten!

Spiegel
Spiegel
Universalgelehrter
21 Tage 10 h

@Johannes weil nur eine bestimmte Qualität/Reinheit zu Brotqualität verarbeitet wird. Also ist deine Aussage falsch! Stell dir mal vor wenn mykotoxinhaltiges Weizen auf den Tisch kommt welche Schäden damit verursacht werden!
Warum schreibst du so was wenn du keine Ahnung in der Materie hast!

neidhassmissgunst
neidhassmissgunst
Universalgelehrter
21 Tage 5 h

@Johannes
Ja sicher Herr Johannes…ich muss ein wenig grinsen…dann haben wir aber ein Versorgungsproblem mit Milch und Fleisch wenn wir das Getreide alles zum menschlichen Verzehr verbrauchen. Oder wir müssen dazu wieder das Getreide aus der Ukraine hernehmen – dann ist dieses Getreide für den menschlichen Verzehr weniger da. Also deine Rechnung geht nicht auf…

Mico
Mico
Superredner
21 Tage 20 h

und europa liefert waffen…. super….

Faktenchecker
21 Tage 18 h

Das ist richtig so!

Zussra
Zussra
Grünschnabel
21 Tage 16 h

@Faktenchecker NEIN!!!

Doolin
Doolin
Kinig
21 Tage 41 Min

@Zussra
…nur einen (!) Tag nach Abkommen, bombardieren die Russen bereits den Hafen von Odessa…man kann sich auf sie verlassen…
😆

Faktenchecker
21 Tage 21 h

Das glaube ich erst wenns funktioniert. Putin lügt wie Trump.

Doolin
Doolin
Kinig
21 Tage 17 h

…Russen lügen bekanntlich permanent…denen kann man gar nichts glauben…

Sigo70
Sigo70
Superredner
21 Tage 4 h

@Doolin so ist das nunmal mit Feinden. Diese lügen immer.

Doolin
Doolin
Kinig
21 Tage 7 Min

@Sigo70
…ja genau, die Ukrainer lügen ja auch, wenn sie behaupten, Russen foltern, vergewaltigen und morden Zuvilisten…das tun sie ja selber, um die unschudigen Russen blöd da stehn zu lassen…
😆

hundeseele
hundeseele
Universalgelehrter
22 Tage 3 h

Diesen” Blutweizen” ,der eh wahrscheinlich schon Schimmel angesammelt hat,rettet keinen Menschen mehr….alles nur Kasperletheater!

Honor
Honor
Grünschnabel
21 Tage 17 h

Wo (ver) steckt (sich) Philingus…??
normalerweise erhebt er täglich seinen moralischen Zeigefinger bei jeden russischen/ukrainischen Artikel….

falschauer
21 Tage 55 Min

ich könnte es ihm nicht verübeln, wenn ihm die lust vergangen wäre gegen diese masse von rechtpopulistischen putinfreunden seine zeit zu verschwenden, aber ihr bekommt bald einmal unterstützung aus den eigenen reihen, salvini und meloni werden es richten

Honor
Honor
Grünschnabel
20 Tage 17 h

@Falschauer,
dein Wort in Gottes Ohr…..

So ist das
21 Tage 6 h

Ob dieses Abkommen was wert ist?

Doolin
Doolin
Kinig
21 Tage 52 Min

…die Russen bombardieren bereits den Hafen von Odessa…so funktioniert Weizenexport ja prächtig…
😝

Faktenchecker
21 Tage 35 Min

Tataaa!

“+++ 12:03 Russland beschießt laut Ukraine einen Tag nach Getreideeinigung Hafen von Odessa +++”

PeterSchlemihl
PeterSchlemihl
Universalgelehrter
21 Tage 2 h

Ich bin gespannt, ob nun die Preise für den Endverbraucher sinken. Eher nicht, denn der Kapitalismus nützt jeden Winkel, um sich noch mehr zu bereichern.

xXx
xXx
Kinig
21 Tage 18 h

Wenn das nur gut gehht 🙈 Ich seh schon das erste Schiff sinken, Rus ubd Ukr geben sich gegenseitig die Schuld und der Westen wird noch tiefer in den Krieg gezogen…

Nathanbosemann
21 Tage 4 h

Was für herrliche Nachrichten oder etwa doch nicht!
Wie wäre es mit dem Stopp der weltweiten Kriegs-Aufrüstung und dafür die vorhandenen Geldmittel zu verwenden für die Hungersnot der Welt – huch – darauf könnte man auch kommen, falls es jemand wirklich interessieren würde!

Doolin
Doolin
Kinig
20 Tage 21 h

…Putin hat Erdogan ganz schön verarscht…geschiet ihm recht…
😆

prontielefonti
prontielefonti
Superredner
20 Tage 18 h

😂 😂 😂

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