Die Wahlen werden von erheblichen Sicherheitsvorkehrungen begleitet

Gewalt und organisatorische Probleme bei afghanischer Wahl

Samstag, 20. Oktober 2018 | 16:17 Uhr

Die Parlamentswahl in Afghanistan ist nach Öffnung der Wahllokale von Gewalt und organisatorischen Problemen überschattet worden. Bei Anschlägen in Kabul wurden laut Innenministerium mindestens 18 Personen getötet und mehr als hundert verletzt. Aus mindestens drei Provinzen wurden Kämpfe zwischen den Sicherheitskräften und den radikal-islamischen Taliban gemeldet.

Bei einem Selbstmordanschlag während in Kabul sind mindestens 15 Menschen getötet worden. Unter den Toten befinden sich laut dem Sprecher des Innenministeriums, Nasrat Rahimi, mindestens acht Polizisten. Mindestens 60 Personen seien verletzt worden. Der Sprecher der Polizei von Kabul, Kiam Basir Mujahid, sagte, dass sich ein Selbstmordattentäter in der Nähe eines Wahllokals im nördlichen Stadtteil Sar-i Kottal in die Luft gesprengt habe, nachdem er als Attentäter identifiziert worden sei.

Bisher bekannte sich niemand zu dem Anschlag. Am Samstag hatten bereits mehrere Explosionen rund um Wahllokale die Stadt erschüttert. Dabei wurden mindestens drei Menschen getötet und 67 Menschen verletzt.

Aus mindestens drei Provinzen wurden Kämpfe zwischen den Sicherheitskräften und den radikal-islamischen Taliban gemeldet. Das Innenministerium registrierte insgesamt 15 Angriffe, von denen die meisten laut Behördenangaben mit Raketen oder selbst gebauten Sprengkörpern durchgeführt wurden.

Mehrfach wurden Probleme mit dem biometrischen Registrierverfahren deutlich, das erst kurz vor der Wahl eingeführt wurde. Die Wahlkommission kündigte an, in einigen Teilen des Landes werde die Abstimmung wegen der organisatorischen Schwierigkeiten verlängert. Wahllokale, die erst nach 13.00 Uhr beliefert würden, sollen auch am Sonntag öffnen. Ursprünglich sollte die Stimmabgabe am Samstag um 16.00 enden.

Neben den technischen Problemen seien auch viele Lehrer, die als Wahlpersonal eingeteilt waren, nicht in die Wahllokale gekommen, sagte die Sprecherin der Unabhängigen Wahlkommission, Shaima Soroush. Die Taliban hatten am Mittwoch Lehrern und Schulleitern mit Gewalt gedroht, sollten sie ihre Schulen als Wahlbüros zur Verfügung stellen.

Viele der Wahlberechtigten zeigten sich am Morgen jedoch unbeirrt von den Hindernissen. In der Provinz Baghlan bildeten Männer und Frauen eine Menschenkette, um Selbstmordattentäter vor sechs Wahllokalen fernzuhalten. Mit dem Gesamtergebnis wird aufgrund der komplizierten Auszählung frühestens in zwei Wochen gerechnet.

Um die 249 Sitze in der Wolesi Jirga (Haus des Volkes) bewerben sich rund 2.500 Kandidaten. Dazu kommt noch ein Sitz, der für die Minderheit der Sikh reserviert ist. Insgesamt sind rund 8,8 Millionen Wahlberechtigte registriert, Schätzungen zufolge könnten jedoch mehr als 50 Prozent falsch oder in betrügerischer Absicht in das Wahlregister eingetragen sein.

In der Provinz Kandahar im Süden des Landes war die Wahl nach dem Anschlag auf den dortigen Polizeichef um eine Woche verschoben worden. Zunächst war eine landesweite Aussetzung befürchtet worden, die Wahlkommission sträubte sich aber dagegen. Sie fürchtete einen schweren Rückschlag für die Demokratisierung Afghanistans, das seit 17 Jahren unter Krieg leidet.

Die Parlamentswahl ist auch ein Probelauf für die im April geplante Präsidentenwahl und ein Test, ob die vom Westen gestützte Regierung in Kabul die Sicherheit gewährleisten kann. Tausende Polizisten und Soldaten sind im ganzen Land im Einsatz. Aus Sicherheitsgründen werden nur 5.100 der ursprünglich geplanten 7.355 Wahllokale geöffnet.

Die UNO haben sich besorgt gezeigt über Drohungen der Taliban, Schulen und andere als Wahllokale genutzte Gebäude anzugreifen. Die Extremisten, die ein Drittel des Landes kontrollieren, hatten erklärt, die Wahl sei dem Land von außen aufgezwungen worden und widerspreche dem Islam sowie der afghanischen Kultur.

Von: APA/dpa

Kommentare

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2 Kommentare auf "Gewalt und organisatorische Probleme bei afghanischer Wahl"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
Tabernakel
29 Tage 9 h

Ein sicheres Herkunftsland?

zombie1969
zombie1969
Superredner
28 Tage 7 h

Solange in Afghanistan Islamisten wie Gulbuddin Hekmatyar zur Wahl stehen statt vor ein Kriegsverbrechertribunal, wird es auch mit der Demokratie nichts. Die Hoffnung Afghanistans starb mit Ahmad Schah Massoud, der in der Demokratie die einzige Hoffnung für Afghanistan sah.

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