Abtransport des angeschossenen Demonstranten in Charlotte

Gouverneur rief in Charlotte Notstand aus

Donnerstag, 22. September 2016 | 18:11 Uhr

Über die US-Stadt Charlotte ist nach gewalttätigen Ausschreitungen der Ausnahmezustand verhängt worden. Auslöser waren eskalierende Proteste gegen Polizeigewalt. Die Bürgermeisterin und der Polizeichef der größten Stadt North Carolinas sagten am Donnerstag, es habe keine andere Möglichkeit gegeben, die Stadt und auch Polizisten selbst zu schützen.

Am zweiten Tag in Folge waren in Charlotte Hunderte Menschen auf die Straße gegangen. Sie protestierten gegen den Tod eines Afroamerikaners durch den oder die Schüsse eines – ebenfalls schwarzen – Polizisten am Dienstag.

“Das begann als sehr friedliche Demonstration”, sagte Polizeichef Kerr Putney. Dann sei die Lage durch Gewalttäter eskaliert: Es kam zu Sachbeschädigungen und Plünderungen. Die Polizei setzte Tränengas ein.

Nach Polizeiangaben wurden 44 Menschen festgenommen. Fünf Polizisten und insgesamt neun Demonstranten wurden verletzt. Darunter ist ein Mann, der angeschossen wurde. Zunächst hatte es geheißen, er sei gestorben. Der Mann befindet sich in kritischem Zustand. Man gehe davon aus, dass er von einem anderen Zivilisten angeschossen wurde, habe aber eine genaue Untersuchung eingeleitet, sagte Putney.

Randalierer schlugen Fensterscheiben von Gebäuden und Fahrzeugen ein, schrieben den Namen der Schwarzenbewegung “Black Lives Matter” an Wände und griffen auch Reporter an, wie auf Fernsehbildern zu sehen war. Nahverkehrszüge fielen aus. Laut Polizei lösten sich die Proteste ab 3.00 Uhr auf.

Gouverneur Pat McCrory sagte dem Sender CNN, die wegen des Ausnahmezustands einberufene Nationalgarde solle Gebäude und Güter schützen. Die Polizei habe um diese Unterstützung gebeten.

Putney hatte am Mittwoch berichtet, Polizisten hätten am Dienstag bei einer Fahndung auf einem Parkplatz einen Bewaffneten in einem Auto angetroffen. Nach mehrfacher Aufforderung sei dieser ausgestiegen, habe mit der Waffe Polizisten bedroht und sei erschossen worden.

Zuvor stellte die Schwester des Erschossenen den Hergang in einem Video anders dar. Ihr Bruder sei unbewaffnet gewesen. Er habe im Auto ein Buch gelesen und auf seine Kinder gewartet, als die Polizei ihn tötete. Die Polizei sagte am Donnerstag, sie untersuche Videoaufnahmen des Vorfalls genau. Deren mögliche Veröffentlichung ließ sie offen.

Erst am Montag war ein Video veröffentlicht worden, das zeigte, wie eine weiße Polizistin in Oklahoma einen unbewaffneten Afroamerikaner erschoss. Wie bei früheren Fällen von tödlicher Polizeigewalt gegen Afroamerikaner gab es landesweit Diskussionen.

Der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump brachte bei einer Veranstaltung in Ohio die Polizeirichtlinie “stop and frisk” ins Gespräch. Der Gebrauch dieser Taktik, die willkürliches Kontrollieren und Durchsuchen von Passanten erlaubt, hatte in New York vor wenigen Jahren für scharfe Kritik gesorgt. Meist wurden Schwarze und Latinos kontrolliert. Ein Bundesgericht erklärte die Praxis der Stadt vor drei Jahren für verfassungswidrig.

Von: APA/ag.

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