Ab heute haben Pilger wieder Zugang zum Gotteshaus

Grabeskirche in Jerusalem wieder geöffnet

Mittwoch, 28. Februar 2018 | 15:16 Uhr

Die Grabeskirche in Jerusalem ist nach einer dreitägigen Schließung wieder offen. Die lokalen Kirchenoberhäupter hatten sie aus Protest gegen ein israelisches Gesetzesvorhaben und Steuerforderungen der Stadt Jerusalem am Sonntag geschlossen. Die Tür der Kirche wurde in der Nacht zum Mittwoch wieder geöffnet. Sie gilt als heiligste Stätte des Christentums.

Zuvor hatte Ministerpräsident Benjamin Netanyahu in dem Streit eingelenkt und angekündigt, die umstrittenen Pläne auf Eis zu legen. Es solle zunächst Verhandlungen mit allen Beteiligten geben. Die griechisch-orthodoxe und die armenische Kirche sowie die römisch-katholische Kustodie des Heiligen Landes zeigten sich in einem gemeinsamen Schreiben erleichtert und gesprächsbereit.

Die palästinensische Politikerin Hanan Ashrawi forderte Israel jedoch dazu auf, die Pläne ganz aufzugeben. Sie lediglich einzufrieren, sei nicht genug. “Israel muss dazu verpflichtet werden, alle Schritte zu widerrufen, die auf palästinensische christliche und muslimische heilige Stätten abzielt”, sagte sie. “Der “Status Quo” in Jerusalem muss aufrechterhalten werden.”

Der Protest der Kirchen wendet sich gegen millionenschwere Steuerforderungen der Stadt Jerusalem für Gebäude der Kirchen, die nicht heilige Stätten sind. Dabei geht es etwa um Gästehäuser. Außerdem kritisierten sie einen Gesetzesentwurf, der dem Staat die Enteignung von Grundstücken ermöglichen soll, die die Kirchen seit 2010 an Privatinvestoren verkauft haben.

Die für den Gesetzesentwurf zuständige Parlamentsabgeordnete Rachel Azaria hatte darauf verwiesen, dass die Kirchen zuletzt zahlreiche Grundstücke in Jerusalem verkauft hätten. Die neuen Eigentümer würden nun extrem hohe Gebühren von den Bewohnern verlangen, sagte sie.

Die Stadtverwaltung von Jerusalem verlangt zudem von den christlichen Kirchen die nachträgliche Versteuerung von Einnahmen aus Geschäften, die als kommerziell eingestuft werden. Die Kirchen hingegen beharren auf ihrer Steuerbefreiung.

Es gab auch kirchenintern deutliche Kritik an dem Protest. Ein palästinensisches Mitglied des Zentralen Orthodoxen Rates sagte, die griechisch-orthodoxe Kirche wolle nur sicherstellen, dass sie weiter Grundstücke verkaufen könne.

Auch der Rektor des Österreichischen Hospizes in Jerusalem, Markus Bugnyar, übte massive Kritik. Die nicht bloß kurzzeitige, sondern tagelange Schließung der Grabeskirche in der Jerusalemer Altstadt sei “grob fahrlässig” gewesen, urteilte der katholische Priester in einer längeren Stellungnahme zu dem Konflikt auf seinem Facebook-Profil, wie Kathpress meldet.

Insgesamt habe er “große Zweifel”, dass westliche Pilger Solidarität zeigen würden, “wenn ihnen deutlich wird, dass hier Steuerprivilegien verteidigt werden sollen, die sowohl ohnehin einzigartig und zudem anachronistisch sein könnten”, so Bugnyar: “Eine reiche Kirche war noch selten irgendwo auf der Welt ein Grund, um für sie auf die Barrikaden zu gehen.”

Aus Sicht des Hospizrektors hätte eine symbolische, kurzzeitige Schließung der Grabeskirche gereicht, um Aufmerksamkeit zu erregen und brauchbare Resultate zu erzielen. “Pilger in Geiselhaft zu nehmen” und sie von der wichtigsten Kirche der Christenheit “fernzuhalten, um ein fragiles Steuerparadies zu prolongieren, ist keine besonders inspirierte Leistung”, hielt der Rektor des Österreichischen Hospizes fest.

Die in der Jerusalemer Altstadt gelegene Grabeskirche ist die heiligste Stätte des Christentums. An dieser Stelle soll Jesus gekreuzigt und begraben worden sowie wiederauferstanden sein. Die Kirche zieht täglich zahlreiche Besucher an.

Von: APA/ag.