Thornton wurde den zweiten Tag befragt

Grasser-Prozess ging mit Einvernahme von Thornton weiter

Donnerstag, 22. Februar 2018 | 18:10 Uhr

Die Einvernahme des mitangeklagten Ex-Immofinanz- und Constantia Privatbank-Mitarbeiters Christian Thornton im Grasser-Korruptionsprozess hat sich am Donnerstag zeitweise als Abrechnung des früheren Leiters des Rechnungswesens des Konzerns mit seinem ehemaligen Chef Karl Petrikovics dargestellt. Am 19. Prozesstag fragte Richterin Marion Hohenecker nur den Angeklagten Thornton.

Thornton beschrieb seine eigene Rolle als “Bote”, als “Rechenknecht” oder “Zahlenknecht”. Der ehemalige Geschäftsführer der CPB CFC, der “Zahlstelle” der Constantia Privatbank, hatte die Rechnungen abgewickelt, mit denen die Millionenprovision von Peter Hochegger für die Beratung bei den Bundeswohnungen gezahlt wurde. Laut Anklage stand hinter Hochegger letztlich der Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser (FPÖ/ÖVP), der Deal musste deswegen komplett geheim gehalten werden. Grasser bestreitet, dass er bestechlich gewesen sein soll.

Die Rechnungen für Hochegger wurden nicht offiziell verbucht, sondern mittels Scheinrechnungen als angebliche Honorare der Hochegger-Firma Astropolis für Immoeast-Immobilienprojekte in Osteuropa von der CPB CFC abgerechnet.

Das Bild, das Thornton am Donnerstag von seinem ehemaligen Chef zeichnete, der nur wenige Meter hinter ihm in den Reihen der übrigen Angeklagten saß und schweigend mithörte, war jedenfalls kein besonders gutes. Wenn ein Mitarbeiter nachgefragt habe, sei er angeschrien worden oder habe gleich seinen Job verloren, beschrieb Thornton einen autoritären Führungsstil. Petrikovics sei selber die Bank (Constantia Privatbank) gewesen, auch aus dem Urlaub habe ihn der Chef jeden Tag angerufen, unabhängig von der jeweiligen Zeitzone – sogar aus Bangkok. Er selber habe erst 2007 eine Handynummer von Petrikovics bekommen, zuvor sei immer er vom Vorstandsvorsitzenden angerufen worden. Wenn er etwas von ihm gebraucht habe, habe er sich im Sekretariat voranmelden müssen.

Thornton sagte, er habe zwar schon gewusst, dass es bei Hocheggers Rechnungen letztlich um eine Provision im Zusammenhang mit den Bundeswohnungen gegangen sei, aber nähere Details habe er nicht gekannt. Daher sei auch seine Rolle bei der Bezahlung des Lobbyisten mittels Scheinrechnungen eine unbedeutende gewesen, weil er selber gar kein Pouvoir für Entscheidungen gehabt habe, führte Thornton aus. Er habe auch den Geschäftsbesorgungsvertrag von Hocheggers Valora mit der Immofinanz nicht gekannt, in dem ein Provisionsanspruch bei einem erfolgreichen Kauf der Bundeswohnungen festgehalten wurde. Daher habe er auch nicht gewusst, dass Hochegger 9,6 Mio. Euro zugestanden seien. Erhalten hatte Hochegger nämlich sogar 9,9 Millionen Euro, also 300.000 Euro mehr als vereinbart – in fünf Rechnungen seiner zypriotischen Firma Astropolis. Dass dieser Fehler Petrikovics nicht aufgefallen sei, der sich laut Thornton über jeden Fehler freute, den er irgendwo finden konnte, wunderte die Richterin.

Der Prozess wird nächsten Dienstag mit der weiteren Einvernahme von Thornton fortgesetzt.

Von: apa