Er war war Autofahrersprecher der FPÖ, Medien- und Südtirolsprecher

Grasser-Prozess – Walter Meischberger: Vom Trauzeugen zum Angeklagten

Donnerstag, 12. April 2018 | 15:20 Uhr

Enge Bande sind nicht immer gut. Walter Meischberger (58) steht seit Dezember wieder vor Gericht – mit dorthin gebracht hat ihn sein inniges Verhältnis zum Hauptangeklagten Karl-Heinz Grasser, dessen Trauzeuge er war. Das einstige Mitglied von Jörg Haiders “Buberl-Partie” ist einer von 15 Angeklagten im Grasser-Prozess.

Meischberger gilt als eifriger Netzwerker, seine Kontakte pflegt der einstige Geschäftsführer des FPÖ-Parteiblatts “Neue Freie Zeitung” vor allem im Medien- und Wirtschaftsbereich. Das entspricht seinem Naturell: Der gebürtige Tiroler gilt als zielstrebig und eitel, wobei er oft übers Ziel hinausschießt. Karrieren in Politik und Wirtschaft wurde so zumeist knapp vor dem Höhepunkt ein jähes Ende bereitet, es folgte der Bruch mit langjährigen Weggefährten. Auch bei seinem Notizbuch, das im Zuge der Buwog-Ermittlungen von den Ermittlern gefunden worden ist, fragte sich die Öffentlichkeit, ob es sich nicht doch um eine bewusste Racheaktion handle.

Geboren wurde Meischberger am 21. September 1959 in Innsbruck als Sohn eines ÖVP-Gemeinderates von Kematen. Er absolvierte die Höhere Technische Lehranstalt in Pinkafeld (Fachrichtung Heizung, Sanitär- und Klimatechnik). Als gelernter Heizungstechniker arbeitete er ab 1981 zunächst im elterlichen Betrieb. 1985 gründete er in Innsbruck einen eigenen Mineralölhandel. Die beiden Tankstellen hat Meischberger später verkauft. 1994 stieg er auch in den Textilhandel ein. Die beiden Modeboutiquen, an denen er beteiligt war, sind ebenfalls bereits zugesperrt.

In die Politik kam Meischberger nach einer persönlichen Begegnung mit dem damligen FPÖ-Chef Jörg Haider im Jahr 1987. Zunächst wurde er Ortsgruppenobmann der FPÖ in Kematen. Von 1988 bis 1991 war er Landesgeneralsekretär der FPÖ-Tirol. Dann kam seine Zeit an den Schalthebeln der FPÖ: Von 1989 bis 1990 war er Bundesgeschäftsführer, von 1990 bis 1995 Generalsekretär. Es war dies die Blütezeit der sogenannten “Buberlpartie” – mit u.a. Karl-Heinz Grasser, Mathias Reichhold, Gernot Rumpold, Peter Westenthaler und – als “Mäderlbeitrag” – Susanne Riess-Passer. Als Bundesrat kam Meischberger 1989 ins Parlament, ab 1990 gehörte er dem Nationalrat an. Der Porsche-Fahrer war Autofahrersprecher der FPÖ, Medien- und Südtirolsprecher.

Das Ende seiner politischen Laufbahn verdankt Meischberger seiner Umtriebigkeit. Eine Nebentätigkeit als Spielervermittler im Fußball wurde zum Stolperstein. In der Causa ging es um Geldflüsse, mit denen 1994 der damalige Vorstandssprecher des FC Tirol, Klaus Mair, Hans Krankl als Trainer und den von Meischberger gemanagten Peter Stöger als Spieler nach Innsbruck gelockt hatte. Meischberger stand wegen Anstiftung zur Abgabenhinterziehung vor Gericht, weswegen er letztendlich aus der Partei ausgeschlossen wurde. Er legte sein FPÖ-Mandat zurück und verzichtete auf seinen Anspruch auf Politikerpension – wenige Tage bevor er diesen erreicht hätte. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass der Rücktritt durch die FPÖ erkauft gewesen sein dürfte.

Meischberger ging von der Politik in die PR-Branche. Seit 1997 war er bei seiner “ZehnVierzig Agentur für strategische Kommunikation GmbH” tätig. Im Jahr 2000 gründete Meischberger das “Seitenblicke Magazin”, das er auch leitete, 2004 verkaufte er seine Anteile an der Seitenblicke Verlags GmbH an die Red Bull GmbH. Der Seitenblicke-Gesellschaft konnte er sich auch weiter nicht entziehen, Meischberger war 2005 Trauzeuge des ehemaligen Finanzministers und “Buberls” Karl-Heinz Grasser, als dieser Fiona Swarovski heiratete.

Meischberger, der bis 1998 im damaligen ORF-Kuratorium vertreten war, zog es 2006 abermals auf den Küniglberg: Auf einem Ticket des BZÖ zog er als Regierungsvertreter in den Stiftungsrat, nach dem Ende von Schwarz-Orange fiel er auch dort heraus.

2007 gründete er mit Grasser und Agenturbesitzer Peter Hochegger die Kommunikationsagentur Wiener City Valora Solutions. Zwei Jahre später teilten Meischberger und Hochegger in Selbstanzeigen an die Finanzbehörde mit, dass sie für die Buwog-Privatisierung im Jahr 2004 Vermittlungsprovisionen von zumindest 9,6 Mio. Euro erhalten und weder Einkommensteuer noch Umsatzsteuer gezahlt hätten.

Hausdurchsuchungen folgten, dabei wurde auch das schwarze Notizbüchlein mit dem brisanten Inhalt gefunden – offenbar Meischbergers “Tagebuch”. Darin schilderte Meischberger recht offen, wie es nach dem Bekanntwerden der Buwog-Provisionen mehrere Treffen mit Grasser und Plech gab: Verträge seien “zu finden” und abzustimmen, Grasser sei “supernervös”.

Österreichweite Bekanntheit erlangte Meischbergers Ausspruch in einem von den Ermittlern abgehörten Telefonat, als er am Vorabend einer Einvernahme den Immobilienmakler Ernst Plech zu seinen hohen Provisionen fragte: “Wo woar mei Leistung?”.

Am 21. Juli 2016 gab die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft bekannt, gegen Meischberger, Grasser und weitere Personen in der Causa Buwog Anklage zu erheben. Am 12. Dezember 2017 startete der Prozess im Wiener Straflandesgericht. Meischberger ist Zweit-Angeklagter nach Grasser. Ihm wird Untreue, Geschenkannahme durch Beamte, Bestechung und Fälschung eines Beweismittels vorgeworfen.

Meischberger ist geschieden und Vater von zwei Kindern.

Von: apa