Zaev telefonierte mit Griechenlands Premier Alexis Tsipras

Griechenland und Mazedonien beenden jahrelangen Namensstreit

Dienstag, 12. Juni 2018 | 20:45 Uhr

Der Dauerstreit zwischen Griechenland und Mazedonien um den Namen der ehemaligen jugoslawischen Teilrepublik ist am Dienstag beigelegt worden. Damit dürfte der Weg frei sein für Verhandlungen über einen Beitritt Mazedoniens zur Europäischen Union und zur NATO. Das Land soll künftig Republik Nord-Mazedonien heißen, darauf habe man sich verständigt, so der mazedonische Ministerpräsident Zoran Zaev.

Endgültig würden aber die mazedonischen Bürger bei einer Volksabstimmung im Herbst entscheiden, kündigte Zaev an. Mehr als ein Vierteljahrhundert nach ihrer Unabhängigkeit verpflichte sich die Republik Mazedonien zur Änderung ihres von Griechenland beanstandeten Namens, bestätigte der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras am Dienstag.

Die Republik Mazedonien liegt nördlich der gleichnamigen Region in Griechenland. Der Zwist mit dem EU- und NATO-Mitglied Griechenland hatte die Chancen der Regierung in Skopje auf einen Beitritt zu beiden Organisationen geschmälert.

Es handle sich um eine gute Vereinbarung, sagte Tsipras in einem im Fernsehen übertragenen Gespräch mit dem griechischen Präsidenten Prokopis Pavlopoulos. Alle Bedingungen der Athener Regierung seien erfüllt worden. Tsipras unterrichtete den Präsidenten über den Verhandlungsstand, nachdem er zuvor mit dem Regierungschef in Skopje, Zaev, telefoniert hatte.

Der Streit hat die Beziehungen zwischen den Führungen in Athen und Skopje spätestens seit 1991 belastet, als sich die Republik Mazedonien von dem zerfallenden Jugoslawien unabhängig erklärte. Heute ringen sowohl die EU als auch die NATO mit Russland um Einfluss in der Region. Tsipras und Zaev hatten sich bemüht, noch vor dem EU-Gipfel Ende Juni eine Grundsatzeinigung zu erzielen. Ein NATO-Gipfel ist für Mitte Juli geplant.

Doch bevor die nun getroffene Vereinbarung umgesetzt werden kann, müssen ihr die Mazedonier in einem Referendum zustimmen. Auch die Parlamente in Mazedonien und Griechenland müssen die Übereinkunft ratifizieren. Tsipras erklärte, er werde die Abgeordneten aber erst dazu auffordern, wenn Mazedonien seine Auflagen erfüllt habe.

Othmar Karas, ÖVP-Delegationsleiter im EU-Parlament, reagierte in einer Aussendung erfreut: “Das ist eine historische Einigung, die viele zeitweise nicht mehr für möglich gehalten hatten. Jetzt müssen die EU-Mitgliedsstaaten ihrer Verantwortung gerecht werden und die Beitrittsverhandlungen mit Mazedonien und Albanien aufnehmen. Nur so können wir die europäische Perspektive für die Länder des Westbalkans glaubwürdig aufrechterhalten.”

Auch die deutsche Bundesregierung begrüßte die Einigung als “großartige Nachricht”. “Skopje und Athen haben heute Geschichte geschrieben”, erklärte Außenminister Heiko Maas (SPD) in Berlin. Ein entscheidendes Hindernis für die Annäherung Skopjes an EU und NATO sei damit aus dem Weg geräumt.

Von: APA/dpa/ag.

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