London und Madrid streiten sich seit Jahrhunderten um Gibraltar

Großbritannien hält an Ansprüchen auf Gibraltar fest

Sonntag, 02. April 2017 | 19:09 Uhr

Im Brexit-Streit um Gibraltar hat Großbritannien seinem Überseegebiet festen Rückhalt zugesichert und Spanien in die Schranken gewiesen. Premierministerin Theresa May habe deswegen am Sonntag mit Gibraltars Regierungschef Fabian Picardo telefoniert, sagte ein Regierungssprecher in London.

Man wolle gemeinsam mit Gibraltar für das “bestmögliche Ergebnis” bei den Brexit-Verhandlungen arbeiten. Regelungen gegen den freien Willen der Menschen dort werde sie nicht zustimmen, sagte May im Hinblick auf Besitzansprüche Madrids. Die beiden Länder streiten seit Jahrhunderten um den Landzipfel im Süden der Iberischen Halbinsel.

Der frühere Vorsitzende der Konservativen Partei Michael Howard wollte nach britischen Medienberichten nicht ausschließen, dass May zu einem Krieg zur Verteidigung Gibraltars bereit sei. Emily Thornberry von der oppositionellen Labour Party bezeichnete solche Kommentare als aufrührerisch und wenig hilfreich für die Verhandlungen.

Bei den Brexit-Gesprächen soll die spanische Regierung ein Vetorecht bei Entscheidungen über Gibraltar bekommen. Dies geht aus einem am Freitag veröffentlichten EU-Entwurf für die Verhandlungsleitlinien hervor. Während London und Gibraltar den Vorschlag scharf kritisierten, äußerte sich Madrid sehr zufrieden.

Gibraltar werde weder ein politisches Pfand noch Opfer beim Austritt aus der Europäischen Union werden, sagte Picardo dem britischen Nachrichtensender Sky News. Die Leitlinien erlaubten Spanien, “Briten auf Gibraltar zu diskriminieren” und eigene Ziele zu verfolgen. Auch der britische Außenminister Boris Johnson sagte Gibraltar im Kurznachrichtendienst Twitter seine volle Unterstützung zu.

Der spanische Regierungssprecher Inigo Mendez de Vigo betonte, dass der Gibraltar-Vorschlag sein Land sehr zufriedenstelle. Nicht nur die konservative Regierungspartei PP von Mariano Rajoy, sondern auch die oppositionellen Sozialisten und die liberale Partei Ciudadanos seien sich einig, dass sich nun neue Möglichkeiten im Hinblick auf den Landzipfel auftäten, berichtete die Zeitung “El Pais”.

Großbritannien hatte am Mittwoch den EU-Austritt offiziell verkündet. EU-Ratspräsident Donald Tusk verschickte am Freitag den Entwurf für die Verhandlungsleitlinien an die verbleibenden 27 Mitgliedstaaten.

Darin heißt es: “Wenn das Vereinigte Königreich die Union verlässt, darf kein Abkommen der EU mit dem Vereinigten Königreich ohne Einverständnis zwischen dem Königreich Spanien und dem Vereinigten Königreich auf das Gebiet von Gibraltar angewandt werden.”

Über den Entwurf für die Verhandlungsleitlinien soll nun in den nächsten Wochen diskutiert werden. Für den 29. April ist ein EU-Sondergipfel in Brüssel angesetzt. Dort sollen die Staats- und Regierungschefs der verbleibenden EU-Staaten die Verhandlungsleitlinien beschließen.

Pro Jahr besuchen etwa zehn Millionen Urlauber Gibraltar, das auch “Affenfelsen” genannt wird. Mit seinen niedrigen Steuersätzen lockt der Landzipfel, der etwa 32.000 Einwohner hat, auch viele Finanzinstitute, Versicherungen und Betreiber von Online-Spielen an.

Bei einem Referendum im Jahr 2002 stimmten 99 Prozent der Bewohner für einen Verbleib bei Großbritannien. Beim Brexit-Referendum vor neun Monaten votierten etwa 96 Prozent gegen die Trennung von der EU.

Von: APA/ag.

Kommentare

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12 Kommentare auf "Großbritannien hält an Ansprüchen auf Gibraltar fest"


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MartinG.
MartinG.
Tratscher
28 Tage 10 h
Der Brexit wird immer stärker zu einem Eigentor für die Briten um May. Sie hätten sich den Lissabonvertrag vorher genauer durchlesen sollen, dann wüßten sie, daß der Vertrag einzelnen Mitgliedern weitgehende Vetorechte einräumt. Daher ist es auch wenig verwunderlich, daß das auch so in den Vertragsverhandlungsleitlinien so übernommen wird. Um den Druck auf die Briten weiter zu verstärken, könnte Brüssel den Schotten auch den Roten Teppich ausbreiten und dafür sorgen, das der Regierung von Gibraltar im Falle des endgültigen Brexits eine Annäherung an Spanien schmackhaft gemacht wird. 😉 PS: “…dass May zu einem Krieg zur Verteidigung Gibraltars bereit sei” ist… Weiterlesen »
enkedu
enkedu
Universalgelehrter
28 Tage 10 h

das kann man auch differenzierter sehen. wir haben auch viele fehler gemacht und machen immer noch solche. ich kann mich mit der osterweiterung nicht anfreunden, griechenland bleibt eine katastrophe, flüchtlinge?? quo vadis ?? und vieles mehr.
man sollte die bürger ernst nehmen.

MartinG.
MartinG.
Tratscher
28 Tage 9 h
@enkedu Stimme Ihnen sogar zu. Natürlich hat die EU viele Fehler gemacht. Das Versagen in der Euro- und Flüchtlingskrise hat mA erst zum Brexit geführt. Auf der anderen Seite kann man es ab nun besser machen und vor allem: alle Krisen wie auch die EU-Türkeipolitik lassen sich nur gemeinsam lösen. Vielleicht ist Brexit ein Anstoß die obigen Krisen endlich anzugehen. Der Brexit selbst wird den Briten auf die Füße fallen; den Schotten wird man nach der Änderung aller Voraussetzungen kaum eine weitere Abstimmung verweigern können, ohne die politische Krise weiter ausarten zu lassen. Und die Gibraltis bleiben nur bei GB,… Weiterlesen »
l OneManArmy l
l OneManArmy l
Tratscher
28 Tage 7 h
@enkedu dem westen geht es gut auf kosten des ostens. du musst nur die knechte bei den apfelwiesen anschauen. alles romänen, polen, tschechen. ohne EU dürften sie nicht hier arbeiten, und bauern wären aufgeschmissen. wegen flüchtlinge gebe ich dir schon recht, es ist bei weitem nicht alles perfekt. aber es sind kleine sachen die die EU ausmachen, von uns normalos aber oft garnicht bemerkt wird. zbs bei den studenten… keiner könnte mehr nach innsbruck einfach studieren gehen weil es diese fachrichtung in bozen nicht gibt. BMW, Mercedes, VW etc wären unmöglich zu bezahlen da die italienische währung im vergleich zur… Weiterlesen »
Mistermah
Mistermah
Superredner
28 Tage 6 h

Ich sehe dunkle Wolken am Himmel. Sollte GB zerfallen, zerfällt ganz Europa. Die briten werden hier unterschätzt. Dieses Königreich ist seit Jahrhunderten eine Weltmacht. Die sind zu stolz, um den europäern klein beizugeben. Der Krieg ist längst schon geplant. Allen Krisen zum Trotz zum Glück noch nicht eingetreten. Aber das kann sich schneller ändern als man denkt. Die Eu sollte sich hüten GB zu sehr zu provozieren. Die NATO zerfällt ohne die Briten sowieso. Dann hat Europa niemand an seiner Seite, schon gar nicht die Usa. Die Siegermächte haben Europa schon einmal in Schutt und Asche gelegt.

matthias_k
matthias_k
Universalgelehrter
27 Tage 19 h

@MartinG
sehr gut auf den Punkt gebracht. Das Einzige, das London seit Jahren den Wohlstand bringt du starke Position in der Welt, ist der Finanzsektor und den riskieren sie gerade zu verlieren. 
Wenn man die britische Industrie betrachtet, zeichnet sich ein düsteres Bild ab. Importiert wird quasi alles, von Lebensmitteln bishin zu Elektrogeräten; gleichzeitig stockts beim Export gewaltig. Und genau diese beiden Faktoren könnten toxisch für die Briten werden; mit Betonung auf KÖNNTE … 

MartinG.
MartinG.
Tratscher
28 Tage 8 h

Siehe auch hier: 
http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/brexit-london-sitzt-am-kuerzeren-hebel-14953021.html

oder hier: 
http://www.repubblica.it/economia/rubriche/eurobarometro/2017/04/01/news/brexit_rompe_il_puzzle_di_may_da_belfast_a_edimburgo_parte_l_ultimo_treno_per_l_europa-161890979/?ref=RHPPBT-VE-I0-C6-P7-S2.2-T1

Brexit beginnt GB zu zerlegen, weil die Reise ins Ungewisse, die London auch jenen “Landesteilen” auferlegen will, die mehrheitlich gegen den Brexit waren(Schottland&NordIRL) könnten über kurz oder lang GB durch Referenden verlassen. Das alles haben die UKIPs und Co. nicht bedacht. MfG

ex-Moechteg.Lhptm.
ex-Moechteg.Lhptm.
Superredner
28 Tage 6 h

abwarten….
intanto konnte durch den abgewerteten pfund der höchste warenexport seit 5 jahren erzielt werden…..

matthias_k
matthias_k
Universalgelehrter
27 Tage 19 h

@ex-Moechteg.Lhptm. 
und trotzdem bleibt dieser Export unterirdisch für so ein industriell fortschrittliches Land, Importe übersteigen die Exporte um Einiges und britische Produkte sind außerhalb Großbritaniens nicht so beliebt, wie es die Briten gerne hätten. 
Viel Spaß beim Abwarten.

Mikeman
Mikeman
Universalgelehrter
27 Tage 22 h

@ MartinG.
Mein guter Mann ,sich mit England , Amerika oder Putin an zu legen kann nur in eine Sackgasse führen,wenn man sowas nicht versteht ist man dann keineswegs zu erbarmen ………… 😀

denkbar
denkbar
Superredner
27 Tage 21 h

@Mikeman – Das nennt man Resignation und die führt auch in eine Sackgasse!

MartinG.
MartinG.
Tratscher
27 Tage 12 h
Sehen Sie; hier geht es um eine gute Position bei Beginn von Austrittsverhandlungen; nicht mehr und nicht weniger; und da haben die Briten nicht so gute Karten. Denke mal, daß viele Briten den Austritt mittlerweile bereuen, weil immer klarer wird, dass die Nachteile immer größer und die Vorteile immer kleiner werden. Persönlich bedauere ich, dass die Briten gehen und es könnte auch passieren, dass GB am Ende so etwas wie assoziert bleibt; also ein Brexit Light. In Gibraltar wird keine Kartoffel so heiß gegessen, wie sie gekocht wird; sehen die Gibraltis mehr Chancen in der EU als bei GB, könnte… Weiterlesen »
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