Umweltschützer fürchten Präzedenzfall

„Grün-Grün“-Umwidmung zerstört Lebensraum mit Hecken zwischen Schluderns und Spondinig

Dienstag, 21. Juni 2022 | 18:37 Uhr

Spondinig/Schluderns – Mit Besorgnis stellen die Umweltschutzgruppe Vinschgau (USGV) und die Arbeitsgemeinschaft für Vogelkunde (AVK) fest, dass die Hecken an der Staatsstraße zwischen Spondinig und Schluderns gerodet worden sind und dass eine neue Rebanlage angelegt wurde – in einer extrem steilen Böschung.

Im Zuge der Recherche fanden die Umwelt- und Vogelschützer heraus, dass der Gemeinderat von Schluderns im Juli 2021 (mit Beschluss Nr. 43) einstimmig eine Umwidmung von Wald in Landwirtschaftsgebiet beschlossen hatte. Diese Umwidmung war möglich aufgrund des positiven Gutachtens der zuständigen Kommission für Nutzungsänderungen: Diese Kommission hatte im März 2021 dem Antrag eines Privaten auf Grün-Grün-Änderung im Landschaftsplan zugestimmt.

„Bei der umgewidmeten Fläche handelt es sich zum Teil um einen natürlichen Heckenstreifen. Dieser ist laut Naturschutzgesetz vom 25.5.2010, Art 18 grundsätzlich geschützt (vorbehaltlich der forstlichen Bestimmungen). Dieser Heckenstreifen wurde im Frühjahr 2022 – trotz des Wissens um Biodiversitätsverluste – zerstört. Gerade gebüschreiche Landschaften wie jene zwischen Schluderns und Spondinig bieten einen wichtigen Lebensraum und ein Rückzugsgebiet für eine Reihe von Vogelarten, wie z.B. den Neuntöter, die Mönchsgrasmücke, die Dorngrasmücke und die selten gewordene Sperbergrasmücke, evt. auch für das Schwarzkehlchen. Alle diese Vögel sind aufgrund der Intensivierung der Landwirtschaft – vor allem aufgrund des massiven Verlustes an natürlichen Strukturen – stark in Bedrängnis geraten“, so die Umweltverbände.

Aus den verfügbaren Unterlagen zum Projekt gehe weiters hervor, dass ein Teil der umgewidmeten Fläche eine brachliegende Wiese mit Bäumen umfasste, deren Naturschutzwert im Einzelnen aber nicht erhoben wurde. Der technische Bericht spricht außerdem von einem teils wasserzügigen Steilhang, was entsprechende technische Eingriffe nötig macht. „Von den ökologischen Veränderungen, die damit im Umfeld eintreten könnten, wird aber ebenfalls nicht gesprochen. Generell ist zu vermerken, dass die Eingriffe zur Errichtung einer Rebanlage in einem solchen steilen Gelände direkt an der Staatsstraße aus sicherheitstechnischen Gründen sehr problematisch erscheinen“, erklären die Umweltschützer. Auch auf diesen Aspekt sei im Gutachten der Fachleute vom Amt für Landschaftsplanung (Abteilung 28.5) kaum eingegangen worden, stellen die Umweltschützer verwundert fest.

Folgende Fragen stellen die Vogelschützer (AVK) und die Umweltschutzgruppe Vinschgau (USGV) an die Verantwortlichen:

1. Was rechtfertigt eine dermaßen großzügige Rodung von Hecken an einer Böschung für die keine allgemeingesellschaftliche Notwendigkeit bestand?
2. Warum wurde der ökologische Wert unter anderem der Verlust von Bruten, Jungvögeln und Lebensraum in einer sensiblen Lebensphase von Vögeln und die sicherheitstechnische Problematik bagatellisiert oder zumindest herabgespielt, nur um einem Privaten einen so starken Landschaftseingriff samt Neugestaltung des Geländes zu erlauben?
3. Warum wurden Daten zum Naturschutzwert der brachen Wiese nicht erhoben?
4. Wer zahlt für Folgeschäden und Sicherheitsvorkehrungen?

Die Vorstände der USGV und die AVK befürchten, dass dieser Präzedenzfall Schule machen könnte und fragt sich besorgt: „Wer garantiert, dass die verbliebenen Hecken, welche südlich an die Projektfläche anschließen, bestehen bleiben?“

Von: mk

Bezirk: Vinschgau

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

5 Kommentare auf "„Grün-Grün“-Umwidmung zerstört Lebensraum mit Hecken zwischen Schluderns und Spondinig"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
raunzer
raunzer
Superredner
5 Tage 16 h

Die Grünen hätte das Grundstück ja auch kaufen können um es dann so zu belassen wie es ist.

Oracle
Oracle
Universalgelehrter
5 Tage 14 h

@raunzer…. völlig recht…. diese Umweltgruppen sollten ihre eigenen Grundstücke dazu verwenden….Solange ein Grundstückseigentümer alles regelkonform macht, warum soll er das nicht dürfen? Nebenbei, die wissen doch gar nicht, was der Bauer/Bäuerin da machen wird…. ein Weinberg ist sicherlich naturnaher als eine Strassenböschung ….

Frank
Frank
Universalgelehrter
5 Tage 3 h

@Oracle Und es gibt sicher sowieso viel zu viele Singvögel, stimmts?

anonymous
anonymous
Kinig
5 Tage 14 h

Der Zerstörer Mensch

charlybrown
charlybrown
Grünschnabel
5 Tage 15 h

Ich würde vorschlagen, dass man die Südtiroler Landesämter für solche Bewilligungen abschaffen sollte. Und die Landesregierung soll den Begriff Nachhaltigkeit und Umweltschutz aus ihrem Vokabular endgültig streichen. Südtirols amtlicher und politischer Umweltschutz ist schon lange bankrott.

wpDiscuz