Noch-Bundessprecherin Flora Petrik wechselt zur KPÖ

Grüne bekommen neue Jugendorganisation

Samstag, 29. Juli 2017 | 11:39 Uhr

Die Jungen Grünen möchten einen klaren Schlussstrich unter die internen Konflikte der letzten Monate setzen. An diesem Wochenende findet ein Bundeskongress statt, bei dem der Bundesvorstand und weitere Anhänger der Jungen Grünen zur KPÖ übertreten werden. Der überbleibende Teil der Jugendorganisation ist derzeit um einen Neustart bemüht und möchte die Grünen weiterhin unterstützen.

“Wir machen weiter”, betonten die beiden Aktivisten Naomi Sametinger und Philipp Eikenberg im Gespräch mit der APA. “Der Bundesvorstand hat gekonnt inszeniert, dass die Jungen Grünen zur KPÖ wechseln werden. Dies trifft nur teilweise zu. Es gibt jedoch einen großen Teil der Jungen Grünen, der weiter motiviert ist, mit den Grünen zusammenzuarbeiten”, stellte Eikenberg klar.

Wie die Jugendorganisation in Zukunft heißen wird und wer die Führung übernehmen wird, sei derzeit noch unklar. Sametinger und Eikenberg sind jedenfalls erfreut darüber, dass nach Wochen der internen Organisationsarbeiten nun die Partei aktiv auf sie zukomme. “Es gibt ein starkes Zeichen von der grünen Spitze, dass sie weiterhin eine eigenständige, kritische Jugendorganisation haben möchte”, betonte Sametinger.

Die jungen Aktivisten akzeptieren, dass ein Teil der Jungen Grünen zur KPÖ wechseln möchte. “Was wir aber nicht akzeptieren wollen, ist, dass viele junge Leute einfach die Motivation verloren haben”, betonten beide. Es gebe eine große Gruppe an engagierten Jugendlichen, die sich aus dem internen Konflikt rausgehalten habe und schließlich ganz weggefallen sei. Dies sei “sehr bedauerlich” und deshalb gehe es derzeit darum, diese jungen Menschen wieder zu motivieren und zu organisieren.

“Die Monate, in denen sich die Jungen Grünen primär mit sich selbst beschäftigt haben, müssen jetzt vorbei sein”, meinte Eikenberg. Der Bundeskongress am Wochenende sei zweitrangig, das Wichtige sei die Nationalratswahl in zwei Monaten. Hier gelte es die Grünen bestmöglich zu unterstützen und eine schwarz-blaue Koalition zu verhindern. “Wir unterstützen die Grünen, weil uns eine gerechte Gesellschaft wichtig ist und weil wir nicht zulassen werden, dass Menschenrechte ausgehöhlt werden und dass auf die Schwächsten der Gesellschaft getreten wird”, so Eikenberg.

Eine schwarz-blaue Koalition wäre laut den Aktivisten eine Attacke auf den Sozialstaat. ÖVP-Chef Sebastian Kurz habe “bisher ausschließlich Wahlkampf betrieben. Das einzige, das er in der Außen- und Innenpolitik geschafft hat, ist Europa und das soziale Klima zu gefährden”, kritisierte Eikenberg. Ziel der Jungen Grünen sei es, eine solidarische Gesellschaft zu schaffen und den Rechtsruck der Gesellschaft zu verhindern. “Wir brauchen eine soziale Kraft im Land”, so Sametinger.

Unterdessen rechnet die Noch-Bundessprecherin der von der Bundespartei ausgeschlossenen Jungen Grünen Flora Petrik mit einer “breiten Zustimmung” für die Wahlplattform KPÖ PLUS beim Bundeskongress dieses Wochenende. Die Unterstützer rund um Petrik würden nicht Mitglieder der KPÖ, sondern gründeten gemeinsam mit dieser die neue Plattform PLUS, betonte ein Sprecher der Jungen Grünen am Samstag gegenüber der APA. Wie es mit dem Verein “Junge Grüne” an sich weitergeht, werde am Wochenende von den Mitgliedern beschlossen. Petrik geht davon aus, dass er als parteiunabhängiger Verein weiterbestehen wird.

“Viele setzen keine Hoffnung mehr in die Grünen, etwas grundlegend zu verändern”, glaubt Petrik, die bei der KPÖ PLUS auf dem zweiten Listenplatz hinter dem langjährigen KPÖ-Bundessprecher Mirko Messner kandidieren will. “Die Grünen sind eine Partei geworden wie jede andere”, befand sie in einer schriftlichen Stellungnahme. Von der neuen Jugendorganisation, die nun aufgebaut werden soll, erwartet Petrik offenbar nicht viel: “Nachdem die Partei monatelang versucht hat, den Verein Junge Grüne zu zerstören, gründet sie sich jetzt offenbar eine ‘JVP auf Grün’.”

Grünen-Chefin Ingrid Felipe will mit der neuen Jugendorganisation der Partei auf jeden Fall einiges “besser machen” als bisher. Es gehe etwa um eine bessere Vernetzung und einen intensiveren Austausch auch mit den Landesorganisationen, sagte Felipe der APA am Samstag. Kritisches Denken sei durchaus erwünscht.

Nach den Bröseln mit den bisherigen Jungen Grünen wurde den Grünen mitunter vorgeworfen, keine Kritik der Jugend zu vertragen. “Grün und kritisch, das ist fast redundant”, entgegnete Felipe. Kritisch zu sein, sei “in der DNA von Grünen”, meinte die Parteichefin. Dementsprechend habe sie kein Problem mit einem “strukturierten Austausch”, versicherte sie.

Dass sich nun einige der bisherigen Jungen Grünen für eine “andere politische Idee” engagierten – sei in Ordnung, weint Felipe dem Bundesvorstand rund um Petrik offenbar keine Träne nach. Sie würde sich aber wünschen, dass diese den Namen “loslassen”, denn “wo Grün draufsteht, sollte Grün drin sein”, befand Felipe.

Dass die Grünen im Wahlkampf nun ohne Jugendorganisation dastehen, sieht Felipe nicht so tragisch: Wichtig sei es, sichtbar zu machen, dass es bei den Grünen viele junge Menschen gebe, die für grüne Themen brennen und sich engagieren. Nach Gesprächen mit interessierten Aktivisten und Grünen Jung-Politikern soll es Mitte August ein Vernetzungstreffen geben, wo sich die neue Jugendorganisation eine Struktur geben soll. Felipe will sich dabei heraushalten, könne man doch so etwas nicht von oben vorgeben.

Dass es seitens der Parteispitze unter Eva Glawischnig zu wenig Austausch mit der Jugend gegeben haben soll, wies Felipe als “ungerecht” zurück. Sie sei damals wie heute in einem “sehr guten und engen Austausch” mit den Jungen. In Zukunft solle es eine noch bessere Vernetzung zwischen der Jugendorganisation und der Mutterpartei, etwa auch auf Landesebene, geben.

Von: apa