Jerusalem-Status eine der heikelsten Fragen im Nahost-Konflikt

Guatemala will Botschaft in Israel nach Jerusalem verlegen

Montag, 25. Dezember 2017 | 12:37 Uhr

Als erstes Land folgt Guatemala der umstrittenen Entscheidung von US-Präsident Donald Trump, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen. Er habe Außenministerin Sandra Jovel angewiesen, den Umzug der Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem in die Wege zu leiten, teilte Guatemalas Präsident Jimmy Morales am Sonntag mit. Die israelische Regierung begrüßte die Entscheidung.

Morales erklärte auf seiner Facebook-Seite, er habe sich nach einem Gespräch mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu zu dem Schritt entschlossen. Dabei sei es vor allem um die “Rückkehr von Guatemalas Botschaft nach Jerusalem” gegangen.

Israels Außenamtssprecher Emmanuel Nahshon bedankte sich bei Morales für die “wichtige Entscheidung”. “Großartige Neuigkeiten und echte Freundschaft”, schrieb er im Kurznachrichtendienst Twitter.

Erst am Donnerstag hatte die UNO-Vollversammlung mit deutlicher Mehrheit die Entscheidung der USA verurteilt, ihre Botschaft nach Jerusalem zu verlegen. Für eine entsprechende, allerdings nicht-bindende Resolution stimmten 128 der 193 UNO-Mitgliedsstaaten, darunter Österreich. Neun Staaten stimmten dagegen, 35 enthielten sich, 21 weitere Staaten blieben der Abstimmung fern. Zu den Staaten, die gegen die Entschließung votierten, gehörten Guatemala und sein Nachbarland Honduras.

Trump hatte andere Länder zuvor scharf davor gewarnt, in der Vollversammlung gegen die USA zu stimmen – und ihnen mit der Kürzung finanzieller Zuwendungen gedroht. “Sie nehmen Hunderte Millionen Dollar und sogar Milliarden Dollar von uns, und dann stimmen sie gegen uns”, sagte Trump. Die US-Regierung werde diese Stimmen zur Kenntnis nehmen. “Lasst sie gegen uns stimmen! Wir werden eine Menge sparen”, fügte er hinzu.

Guatemala und Honduras sind finanziell von den USA abhängig, die in beiden zentralamerikanischen Ländern den Kampf gegen Drogenbanden unterstützen. Morales hatte Guatemalas Votum in der UNO-Vollversammlung am Freitag verteidigt. “Guatemala ist historisch proisraelisch”, sagte er bei einer Pressekonferenz in Guatemala-Stadt. Schon seit 70 Jahren sei Israel ein “Verbündeter” Guatemalas. Obwohl bei der UNO nur neun Staaten gegen die Jerusalem-Resolution gestimmt hätten, sei seine Regierung absolut sicher und überzeugt, auf dem “richtigen Weg” zu sein.

Der Status von Jerusalem ist eine der heikelsten Fragen im Nahost-Konflikt. Israel wie auch die Palästinenser beanspruchen Jerusalem als ihre Hauptstadt. Kritiker werfen Trump vor, mit seiner Entscheidung für Jerusalem als israelische Hauptstadt die Friedensbemühungen im Nahost-Konflikt weiter erschwert zu haben.

Unterdessen hat der Leiter des Jerusalemer Patriarchats, Erzbischof Pierbattista Pizzaballa, hat in seiner Messe in der Bethlehemer Katharinenkirche am Sonntagabend indirekt US-Präsident Donald Trump für seine Jerusalem-Entscheidung kritisiert. “Mehr denn je brauchen wir heute eine echte und ernsthafte Politik”, sagte der oberste katholische Kirchenvertreter des Heiligen Landes laut Kathpress. Ausdrücklich verwies er auf Papst Franziskus, der Jerusalem als Stadt des Friedens bezeichnet hatte. “Das ist sie aber nicht, wenn eine Seite davon ausgeschlossen wird.” An dem Gottesdienst nahm auch der palästinensische Präsident Mahmoud Abbas teil.

Von: APA/ag.