Die Plakate zum Jahrestag wurden schon affichiert

Gülen-Vorwürfe an Erdogan zum Jahrestag des Putschversuchs

Freitag, 14. Juli 2017 | 21:45 Uhr

Der in der Türkei als Staatsfeind betrachtete Kleriker Fethullah Gülen hat zum Jahrestag des Putschversuchs in seinem Heimatland schwere Vorwürfe gegen die Regierung in Ankara gerichtet und dem Präsidenten Recep Tayiip Erdogan eine Hexenjagd vorgeworfen. Erdogan selbst wies wiederum jede Kritik aus Europa an der Menschenrechtslage in seinem Land scharf zurück.

“Im Nachgang dieses tragischen Vorkommnisses wurden die Lebensumstände zu vieler unschuldiger Menschen verdunkelt”, heißt es in einer Mitteilung, die der im US-Exil lebende Gülen am Freitag verbreiten ließ. “Sie wurden widerrechtlich von ihren Arbeitsplätzen entlassen, festgenommen, eingesperrt und sogar gefoltert – alles auf Geheiß der Regierung”, schrieb Gülen weiter.

Gülen gilt als Gründer und Kopf der türkischen Hizmet-Bewegung. Erdogan hält sie für die entscheidende Kraft hinter dem Putschversuch. Gülen beteuerte dagegen erneut, er habe mit dem versuchten Umsturz nichts zu tun. Der Kleriker hatte im vergangenen Jahr dagegen die Vermutung geäußert, Erdogan selbst habe den Putschversuch inszeniert, unter anderem um eine Begründung für schärfere Strafverfolgung von Regierungskritikern zu haben. Seit dem Coup wurden in der Türkei mehr als 140.000 Staatsbedienstete entlassen, mehr als 50.000 Menschen inhaftiert. Nicht alle sind Gülen-Anhänger.

Erdogan selbst kündigte am Freitag in Ankara bei einer Veranstaltung zum Jahrestag, an dem am Samstag und Sonntag in der ganzen Türkei dem Putschversuch gedacht wird, an, dass die Regierung den in Folge des Putschversuchs verhängten Ausnahmezustand in das zweite Jahr hinein verlängern wolle. Der derzeit bis zum kommenden Mittwoch geltende Ausnahmezustand ermöglicht es dem Präsidenten, per Dekret zu regieren. Eine Zustimmung des Parlaments gilt als sicher, weil Erdogans AKP dort über eine absolute Mehrheit verfügt.

Zur Menschenrechtslage in seinem Land merkte Erdogan an, die Türkei entspreche in der Hinsicht nicht nur den Standards der EU, sondern “wir sind ihnen voraus”. Richtung EU meinte er: “Beim G-20-Gipfel in Hamburg haben wir ihren Zustand ja gesehen. Eine Blamage! Eine Blamage! Alles wurde niedergebrannt und verwüstet.”

Von: APA/dpa