Gusenbauer dementiert kolportierte Summen

Gusenbauer soll für Janukowitsch-Lobbying kassiert haben

Donnerstag, 14. Juni 2018 | 18:47 Uhr

Eine professionelle Lobbying-Tätigkeit für den damaligen ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch hat Ex-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer bisher bestritten. Doch soll der Ex-SPÖ-Chef in den Jahren 2012 und 2013 pro Monat 30.000 Euro für entsprechende Aktivitäten erhalten haben, wie die Tageszeitungen “Die Presse” (Freitagsausgabe) und “Kronen-Zeitung” (Online-Ausgabe www.krone.at) berichten.

Die beiden Medien bezogen sich auf einen Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg. Diese wiederum berief sich auf US-Gerichtsakten zum Verfahren gegen den Kampagnenmanager von US-Präsidenten Donald Trump, Paul Manafort, wegen möglicher Verbindungen zu und Einflussnahme durch Russland während des Wahlkampfs im Jahr 2016.

“Die Wühlarbeit des US-Sonderermittlers Robert Mueller förderte jetzt neuerlich die Verbindung Gusenbauers zur Schlüsselfigur Paul Manafort zu Tage, wie aus Dokumenten am Bundesgericht Washington ersichtlich ist”, schreibt die “Presse” laut einer Vorausmeldung unter Bezug auf Bloomberg. Insgesamt soll die sogenannte “Hapsburg-Gruppe”, die vor allem aus Gusenbauer, dem italienischen Ex-Premier und früheren EU-Kommissionspräsidenten Romano Prodi und dem polnischen Ex-Präsidenten Aleksander Kwasniewski, bestand, zwei Millionen Euro bezogen haben. Gusenbauer firmierte in dem Memo demnach als “Person A.”

Doch im Gespräch mit der “Presse” dementiert der ehemalige SPÖ-Chef diese Summen dezidiert. “Ich wurde für Konferenzen bezahlt. Ich habe dafür eine Überweisung bekommen – meiner Erinnerung nach halbjährlich oder jährlich. Es gab sicher keine monatliche Zahlung. Das ist in meiner Steuererklärung vermerkt.” Zudem hält Gusenbauer die Summe von zwei Millionen Euro für überzogen. Gusenbauer steht laut “Presse” weiterhin grundsätzlich zu seiner Tätigkeit. “Wir wollten die Ukraine nicht in der Luft hängen lassen. Das war die richtige Strategie, und darüber bestand damals auch totaler Konsens. Die Ukraine sollte nicht ein russisches Protektorat werden”, bekräftigt er. Nur für die ,Hapsburg-Gruppe’ wäre ihm “sicher ein anderer Name eingefallen.”

Laut “krone.at” ist in einem Memo vom 10. Juni 2012 des britischen Journalisten Alan Friedman, der Paul Manafort bei seinen Lobbying-Projekten unterstützte, ein Telefongespräch mit Gusenbauer dokumentiert. Zitat: “Alfred Gusenbauer is willing to be discreet.” Gusenbauer sei gewillt, diskret zu sein. In diesem Memo von Alan Friedman ist dazu noch notiert: “My view is that is a very good investment.” Seiner Meinung nach sei das eine gute Investition. Ein möglicher Hinweis, dass Gusenbauers Mitarbeit bei dieser Lobbying-Gruppe früherer europäischer Spitzenpolitiker durchaus geschätzt worden sein könnte, wie die “Krone” vermutet.

Von: apa