Bei den aktuellen Unruhen starben bisher an die 60 Menschen

Hamas wies Hilfslieferung der israelischen Armee ab

Mittwoch, 16. Mai 2018 | 12:50 Uhr

Die im Gazastreifen herrschende radikalislamische Hamas hat nach den blutigen Protesten an der Gaza-Grenze mit 60 Toten zwei Lastwagen mit Hilfsmitteln der israelischen Armee zurückgewiesen. Das bestätigte auch die zuständige israelische Behörde Cogat. Die sechs Lastwagen von der Palästinensischen Autonomiebehörde und der Hilfsorganisation UNICEF wurden durchgelassen.

“Wir haben diese Hilfe zurückgewiesen, weil Israel den Grenzübergang für so viele Tage für alle möglichen Produkte geschlossen hat und ihn nun nur für ihre eigene medizinische Hilfe wieder geöffnet hat”, sagte Hamas-Aktivist Wael Abu Omer.

Die EU, die USA und Israel stufen die Hamas als Terrororganisation ein. Sie hat sich die Zerstörung Israels auf die Fahnen geschrieben.

Die Palästinensische Autonomiebehörde hat nach eigenen Angaben ein Ärzteteam geschickt. Dieses habe allerdings am Dienstag noch auf eine Lieferung von medizinischen Hilfsmitteln gewartet.

Bei blutigen Protesten waren am Montag im Gazastreifen 60 Palästinenser von israelischen Soldaten getötet worden. Rund 2.800 wurden an der Grenze zu Israel verletzt, wie das palästinensische Gesundheitsministerium in Gaza mitteilte. Zwei weitere Palästinenser wurden am Dienstag getötet.

20 schwerverletzte Palästinenser sollen in Ägypten behandelt werden. Die Palästinenser seien von Schüssen israelischer Soldaten getroffen worden und sollten das Küstengebiet durch den Rafah-Grenzübergang verlassen. Die Patienten seien entweder lebensgefährlich verletzt oder bräuchten komplizierte Operationen, sagte Aiman Sahabani, Leiter der Notaufnahme im Schiffa-Krankenhaus in Gaza, am Mittwoch.

Den Krankenhäusern im Gazastreifen fehlten Medikamente und medizinische Ausstattung für die Behandlung, sagte Sahabani. Die Krankenhäuser hätten nicht genügend Kapazitäten für alle Verletzten der vergangenen Wochen. “Wir sprechen von mehr als 3.000 Fällen, die dringend Operationen brauchen und komplizierte medizinische Eingriffe.”

Das Vorgehen der israelischen Armee löste international scharfe Kritik aus. Südafrika und die Türkei riefen ihre Botschafter für Beratungen zurück. Das türkische Außenministerium forderte am Dienstag Israels Botschafter nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu auf, “für einige Zeit” das Land zu verlassen. Auch der israelische Generalkonsul in Istanbul wurde zur Ausreise aufgefordert. Die türkischen Botschafter in Israel und Washington wurden zurückberufen. Israel forderte seinerseits den türkischen Konsul in Jerusalem auf, das Land für “einige Zeit” zu verlassen.

Die Außenminister der arabischen Staaten beraten am Donnerstag über die tödlichen Unruhen an der Grenze zwischen Israel und dem Gazastreifen. Bei der außerordentlichen Sitzung solle über eine Reaktion auf die “illegale” Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem und die “israelische Aggression gegen das palästinensische Volk” beraten werden, teilte die Arabische Liga am Mittwoch mit.

Die Minister kommen auf Antrag Saudi-Arabiens in Kairo zusammen. Bereits am Mittwoch will die Arabische Liga eine Dringlichkeitssitzung auf der Ebene ihrer ständigen Vertreter abhalten, um über den Umzug der US-Botschaft zu beraten.

Von: APA/dpa

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