Bildungsminister Heinz Faßmann

Handgreiflichkeiten in HTL: Sechs Schüler ausgeschlossen

Montag, 13. Mai 2019 | 14:17 Uhr

Im Fall jenes handgreiflichen Konflikts an einer HTL in Wien-Ottakring, der zu breiten Diskussionen über Gewalt an Österreichs Schulen geführt hat, wird es Konsequenzen für mehrere Schüler geben. Die Schule beantrage den Ausschluss von sechs Schülern, drei weiteren werde dies angedroht, sagte Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) in der ORF-Diskussionssendung “Im Zentrum” am Sonntagabend.

Für zwei weitere Schüler bleibe es bei einer Ermahnung, so das Ergebnis der Disziplinarkonferenz der Schule. Auf den “sehr dramatischen” Vorfall hätte man bereits im vergangenen Herbst reagieren können, dass erst jetzt Konsequenzen gezogen werden, dauere ihm zu lange, so Faßmann.

Ein schneller ausgesprochener Schulausschluss hätte möglicherweise eine präventive Wirkung haben und den “Eskalationsprozess” stoppen können, so der Minister, der am Freitag auch in Reaktion auf den Fall einen Neun-Punkte-Plan gegen Gewalt und Mobbing an Schulen präsentiert hatte. Dieser umfasst u.a. präventive Teambuilding-Maßnahmen, die Qualifizierung von Lehrern zu Streitschlichtern sowie die Einrichtung von Time-out-Gruppen.

Der Neun-Punkte-Plan des Ministeriums habe für ihn nur dann eine Chance auf Erfolg, wenn es zusätzliche Ressourcen und “ein deutliches Mehr an Unterstützungspersonen” für Schulen gebe, sagte der Wiener Bildungsstadtrat, Jürgen Czernohorszky (SPÖ). Ein Schulausschluss sei für ihn zudem “nie eine präventive Handlung”, wie er betonte. Für die Bildungspsychologin Christiane Spiel von der Universität Wien laufe man Gefahr, mit Time-out-Gruppen Probleme lediglich hinauszuzögern. Bei derartigen Vorkommnissen müsse nicht nur bei den Tätern, sondern “bei der ganzen Schule angesetzt” werden, sagte sie.

Faßmann wies in dem Zusammenhang auf ein “buntes Potpourri” an psychosozialer Unterstützung hin, die den Schulen bereits zur Verfügung stünden. Man müsse sich den unübersichtlichen Einsatz der Ressourcen in den Bereichen Schulpsychologie oder Schulsozialarbeit aber nun “genau anschauen”. Er werde daher nun nicht automatisch zusätzliche Mittel fordern, sondern diesen “Irrgarten” zuerst ordnen.

Die drei großen Elternverbände fordern nach den Berichten über den Schüler-Lehrer-Konflikt die Schaffung niedrigschwelliger Ombudsstellen in ganz Österreich. Eltern müssten auch abseits der Bildungsdirektionen Rat und Hilfe finden können, hieß es in einer gemeinsamen Aussendung der Verbände an Pflichtschulen und höheren Schulen sowie der katholischen Elternvereine.

Unterdessen arbeitet weiterhin eine Kommission an einer Klärung der Vorfälle, bis Mitte nächster Woche soll ihr Bericht vorliegen. An der HTL hatte ein Lehrer im Zuge einer handgreiflichen Auseinandersetzung einen Schüler angespuckt und wurde anschließend von diesem gegen die Tafel gestoßen, wie im Internet kursierende Handyvideos zeigen. Es soll bereits davor immer wieder Probleme zwischen dem Lehrer und den Schülern dieser Klasse gegeben haben, laut Medienberichten sollen Schüler den Lehrer gemobbt haben, dem wiederum vorgeworfen wird, er habe Schüler rassistisch beleidigt.

Die Kommission soll nun herausfinden, wieso die Situation in der Klasse derart eskalieren konnte. Auch die Rolle des Schulleiters soll beleuchtet werden.

Kein Thema ist indes ein von der Gratiszeitung “heute” (Montag-Ausgabe) verbreitetes Video, das zeigt, wie ein Wiener HTL-Lehrer einen Schüler mit einem Besen aus der Klasse jagt. Der Vorfall liege bereits mehrere Jahre zurück, hieß es gegenüber der APA.

Von: apa

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