Weiterer russischer Manager verstorben

Hat der Kreml eine Todesliste?

Donnerstag, 15. September 2022 | 08:18 Uhr

Moskau – Wieder ist ein hochrangigen Manager aus dem russischen Energiesektor unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen: Iwan Peschorin, Geschäftsführer der Corporation for the Development of the Far East and the Arctic (ERDC), soll am Wochenende nachts von einer Privatjacht nahe der Russki-Insel bei Wladiwostok ins Meer gefallen sein. Seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine gibt es eine auffällige Häufung von Todesfällen unter russischen Top-Managern.

Peschorin hatte die Aufgabe, für den Kreml die arktischen Bodenschätze Russlands zu erschließen. Seine Leiche wurde Anfang der Woche im Japanischen Meer gefunden, berichtet n-tv.

Wenige Tage vor seinem Tod hatte Peschorin an einem Wirtschaftsforum in Wladiwostok teilgenommen, auf dem auch Kreml-Chef Wladimir Putin zugegen war. Der 39-Jährige ist nur der letzte auf der langen Liste einer Serie von rätselhaften Todesfällen. Viele der Toten haben Verbindungen zum staatlich kontrollierten Gas-Giganten Gazprom.

Anfang September war der Vorstandschef des russischen Ölgiganten Lukoil, Rawil Maganow, offiziellen Angaben zufolge durch einen Sturz aus einem Krankenhausfenster gestorben. Ein ehemaliger Vorstandskollege Maganows war erst im Mai ums Leben gekommen, nachdem er ein Schamanen-Paar nach übermäßigem Alkoholkonsum besucht hatte, um sich kurieren zu lassen. Die Behandlung, zu der etwa Tieropfer und ein Bad in Hahnenblut gehört haben sollen, ist offenbar fürchterlich schief gegangen. Andere Manager starben – immer offiziellen Angaben aus Russland zufolge – durch Suizid oder beispielsweise durch einen Sturz von einer Klippe.

Weil sich die Fälle auffällig häufen, wurden Spekulationen wach, dass es sich in Wahrheit um Morde handelt, die nur als Unglück oder Suizid getarnt wurden.

Geschäftsmann Bill Browder erklärt, was möglicherweise dahinter stecken könnte: Die Sanktionen, die nach dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine verhängt wurden, hätten seiner Ansicht nach dazu geführt, dass für die Oligarchen in Russland insgesamt weniger Geld zur Verfügung steht. Die Oligarchen würden deshalb um ihre Pfründe kämpfen. “Es sieht so aus, als sei der Kuchen kleiner geworden. Jetzt gibt es einen Haufen Leute, die über geschrumpfte Mengen Geld streiten. Und immer, wenn es zugleich begrenzte Ressourcen und sehr mächtige Leute gibt, beginnen Leute zu sterben”, erklärt Browder.

Der Brite war zeitweise mit seiner Firma Hermitage Capital der größte ausländische Investor in Russland. Mittlerweile ist er jedoch bekennender Gegner des Kremls.

Gibt es eine Todesliste?

Der Ökonom und Russland-Kenner Anders Aslund geht hingegen laut einem Bericht der New York Post davon aus, dass es eine Säuberung gebe, hinter der der Kreml steckt. Wie er selbst erklärt, hat Aslund Kenntnis von zwei vom russischen Geheimdienst erstellten Listen mit Namen von Führungskräften aus dem russischen Energie-Sektor. Die Manager sollen Informationen über russische Geheimdienst-Aktionen im Ausland preisgegeben haben. Die Listen der mutmaßlichen Verräter seien Kreml-Chef Wladimir Putin vorgelegt worden, der, ohne mit der Wimper zu zucken, die Liquidierung aller erwähnten Personen genehmigt habe. Laut Aslund habe sich Putin die Listen nicht einmal angesehen.

“Putin finanziert viele seiner Operationen durch Gazprom und die Gazprombank. Die Führungskräfte, die dort arbeiten, wissen alles darüber. Der Gas-Sektor ist der korrupteste in ganz Russland”, erklärte Alsund.

Von: mk

Kommentare

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13 Kommentare auf "Hat der Kreml eine Todesliste?"


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Kinig
19 Tage 16 h

wenn das die methoden der neuen weltordnung sind, welche putin mit seinem intimus xi jinping anstreben will, dann sollten die putin verehrer spatestens jetzt aufwachen

Doolin
Doolin
Kinig
19 Tage 14 h

…unseren Putinfans imponiert das…

Kingu
Kingu
Superredner
19 Tage 13 h

@falschauer es gibt wahrscheinlich kaum Putinfreunde, es ist ein Unterschied, ob man mit Gleichgültigkeit den Ukrainekrieg und andere Kriege betrachtet oder eine Kriegspartei unterstützt.

Selbstbewertung
Selbstbewertung
Superredner
19 Tage 12 h

@Falschauer: wir sind bereits weit in den chinesischen Fangarmen verstrickt, ohne dass wirs merken. Die “Entchinesierung” wird schwierig und langwierig. Aber wir sollten besser spät als nie damit beginnen. Dem steht leider die kurzfristige Profitgier unserer Konzerne und unsere Konsumhuldigung im Wege….Ich wünsche mir eine Chinaexit-Strategie, zum Schutze der Freiheit, Demokratie, Menschenrechte und damit unserer Zukunft.

Kinig
19 Tage 4 h

@Selbstbewertung

👏👏👏 dabei hat diese abhängigkeit hans peter martin bereits 1996 in seinem buch “die globalisierungsfalle” prophezeit

Kinig
19 Tage 4 h

@Kingu

ich meinte jene in diesem forum welche für diese abscheuliche spezialoperation putins verständnis aufbringen oder zumindest ihren daumen immer in diese richtung zeigen, krieg ist wohl niemanden gleichgültig und die verteidigung der demokratischen grundwerte wohl gut und recht, auch mit waffengewalt

N. G.
N. G.
Kinig
19 Tage 15 h

Natürlich wirds die Liste geben. Bin überzeugt das nur die russischen Eliten Putin stürzen können, dafür wurden auch die Sanktionen erlassen und er ist sich dieser Gefahr bewusst und lässt wahrscheinlich Gegner verschwinden.
Selbst wenn sich jetzt in der Bevölkerung mehr Wiederstand zeigt, es wird nicht reichen, dazu werden sie zu viel unterdrückt.

inni
inni
Universalgelehrter
19 Tage 11 h

Hat der Kreml eine Todesliste?

… nix genaues weiß man nicht (würde Beckenbauer sagen 😂), aber die Vermutung liegt sehr nahe❗️

Selbstbewertung
Selbstbewertung
Superredner
19 Tage 12 h

Vielleicht gibt es im Kreml auch eine Todesliste, auf welcher der Name Putin steht. Inmitten eines aufgestachelten Löwenrudels ist es schwer, nicht selbst irgend wann auf dem Speiseplan zu landen. Bei mafiösen Vereinigungen ist das die Regel. Mord hat in diesem System traditionell einen hohen Stellenwert als probates Mittel zur Problembewältigung. Erinnert mich an die Zeit der römischen Kaiser.

Savonarola
19 Tage 9 h

die einzige sichere Todesliste ist jene der russischen Okkupanten in der Ukraine, die restlos vernichtet werden. Nach Russland kehrt niemand mehr zurück.

sophie
sophie
Kinig
19 Tage 8 h

Alle die Putin zu nahe kommen und in die Karten schauen, schaufeln sich auf kurz oder lang, das eigene Grab..
Und das ohne Ausnahme

Grantelbart
Grantelbart
Universalgelehrter
19 Tage 6 h

Gibt es eine Kreml Todesliste? Ich würde sagen die halbe Ukraine steht drauf.

Gepetto76
Gepetto76
Tratscher
19 Tage 5 h

Und ihr denkt solche Listen gibts nur in Russland….

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