Raziel Shevah starb bei Attentat

Hauptverdächtiger des Rabbiner-Mordes erschossen

Dienstag, 06. Februar 2018 | 14:49 Uhr

Nach vierwöchiger Fahndung haben israelische Sicherheitskräfte den Hauptverdächtigen des tödlichen Attentats auf den Rabbiner Raziel Shevah erschossen. Der Palästinenser Ahmad Jarrar wurde bei einem Großeinsatz von Polizei, Armee und Geheimdienst in seinem Versteck gestellt und getötet, wie Israels Behörden am Dienstag mitteilten.

Jarrar war bereits der dritte Palästinenser, der im Zuge der Fahndung nach den Shevah-Attentätern getötet wurde. Israelische Sicherheitskräfte hatten ihn in der Nacht auf Dienstag in seinem Versteck in Yamoun im Westjordanland aufgespürt.

“Der Terrorist kam bewaffnet aus dem Haus, in dem er sich versteckt hielt”, hieß es in der Erklärung des Inlandsgeheimdienstes Shin Beth. “Die Sicherheitskräfte haben in seine Richtung geschossen.” Jarrar sei “aktiv” an dem Anschlag auf Rabbiner Shevah beteiligt gewesen.

Der Einsatz in Yamoun löste nach Berichten von Augenzeugen gewaltsame Zusammenstöße zwischen den israelischen Sicherheitskräften und palästinensischen Anwohnern aus. Am Dienstagmittag zogen sich die Sicherheitskräfte demnach aus Yamoun zurück, den Leichnam Jarrars nahmen sie offenbar mit.

Der mutmaßliche Attentäter war Sohn von Nasser Jarrar, einem Befehlshaber der radikalislamischen Hamas, der in der zweiten Intifada (2000 bis 2005) von israelischen Soldaten erschossen worden war. Israels Behörden verdächtigen den Sohn, Teil einer “Terrorzelle” gewesen zu sein, auf deren Konto auch andere Anschläge gehen.

Rabbiner Shevah war am 9. Jänner nahe der jüdischen Siedlung Havat Gilad aus einem fahrenden Auto heraus in seinem eigenen Wagen erschossen worden. Ermittler zählten 22 Einschusslöcher an seinem Auto. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hatte von einem “abscheulichen Mord” gesprochen, der Israels Kraft nicht brechen werde. Bei der Beerdigung des Rabbiners waren Rufe nach “Vergeltung” laut geworden.

Am Dienstag sagte Netanyahu zum Tod des mutmaßlichen Täters: “Israels Sicherheitskräfte werden jeden fassen, der israelische Bürger angreift, und werden dabei die ganze Härte des Gesetzes anwenden.”

Dies gelte auch für jenen Täter, der am Montag in der Siedlung Har Braha – wenige Kilometer vom Ort des Shevah-Anschlags entfernt – den jüdischen Siedler Itamar Ben-Gal erstochen hatte. Ben-Gal lehrte an einer jüdischen Schule, er wurde in der Nähe einer Bushaltestelle getötet. Als Täter identifizierten die Behörden einen 19-jährigen Palästinenser aus Nablus; er war zunächst flüchtig.

Die radikalislamische Hamas bezeichnete die Attentäter als “Helden”. Sie sorgten durch ihre Taten dafür, dass “den Zionisten der Schlaf geraubt wird”, hieß es in einer Erklärung. Die Hamas schrieb darin, dass eines der beiden Attentate auf die Siedler von ihrem bewaffneten Arm ausgeführt worden sei; sie ließ aber offen welches.

Im Westjordanland und im von Israel annektierten Ost-Jerusalem leben mehr als 600.000 jüdische Siedler inmitten von etwa drei Millionen Palästinensern. Die UNO betrachtet die Siedlungen als illegal.

Von: APA/ag.