Mehr als 100 Personen waren von dem Angriff betroffen

Hausdurchsuchung nach Hackerangriff in Deutschland

Montag, 07. Januar 2019 | 10:15 Uhr

Nach dem großangelegten Hackerangriff auf Daten von Politikern und Prominenten in Deutschland haben Ermittler nach ARD-Informationen die Wohnung eines Mannes in Heilbronn durchsucht. Der 19-Jährige arbeite im IT-Bereich und werde derzeit als Zeuge in den Verfahren geführt, meldeten das ARD-Politikmagazin Kontraste und das rbb-Inforadio am Montag.

Der junge Mann bestätigte die Razzia laut “Kontraste”. Er sei “über mehrere Stunden befragt worden”, sagte er demnach. Beamte des Bundeskriminalamtes (BKA) hatten dem Bericht zufolge Sonntag früh die Wohnräume und den Hausmüll des Mannes durchsucht und technische Geräte beschlagnahmt Der 19-Jährige stand nach eigener Aussage in Kontakt mit dem Hacker, der für den Datendiebstahl verantwortlich sein soll.

Die deutsche Digitalstaatsministerin Dorothee Bär (CSU) will nun mögliche Gesetzesverschärfungen prüfen. “Einen derartigen Angriff müssen wir zum Anlass nehmen, sehr genau auszuloten, ob schon alles getan ist, um eine bestmögliche Datensicherheit zu gewährleisten”, sagte Bär. Die Überlegungen müssten in alle Richtungen gehen. “Insofern ist es auch legitim zu prüfen, ob Software-Hersteller und Plattformen stärker in die Pflicht genommen werden müssen”, sagte Bär.

Gute Datensicherheit erfordere “das Zusammenwirken aller Seiten”, sagte sie. “Das betrifft den Staat, die Unternehmen, aber auch jede Bürgerin und jeden Bürger.” Jeder müsse selbst “sensibel und mit Bedacht” mit seinen Daten umgehen und Vorsichtsmaßnahmen treffen, “auch wenn dies im Alltag ein Stück weit unbequemer sein mag”, mahnte Bär.

Der Parlamentarische Staatssekretär im deutschen Innenministerium, Günter Krings (CDU), will als Konsequenz aus dem Datenklau die Befugnisse der Sicherheitsbehörden unter die Lupe nehmen. Es müsse festgestellt werden, “inwieweit die Sicherheitsbehörden im Kampf gegen solche Hackerangriffe zusätzliche technische Fähigkeiten und Befugnisse brauchen, etwa um die Urheber solcher widerrechtlicher Veröffentlichungen schnell ermitteln zu können”, sagte Krings.

Indes wächst der Druck auf Innenminister Horst Seehofer, zügig für Aufklärung zu sorgen. “Ich bin irritiert, vom zuständigen Bundesinnenminister, der sonst keine Gelegenheit auslässt, sich zu allem und jedem zu Wort zu melden, so gut wie nichts zu hören, wenn es um die Cybersicherheit in unserem Land geht”, sagte etwa der SPD-Innenpolitiker Burkhard Lischka der Deutschen Presse-Agentur. Ähnlich äußerte sich FDP-Vizechef Wolfgang Kubicki.

Seehofer hat bereits Transparenz angekündigt – an diesem Montag lässt er die Chefs des Bundeskriminalamts und des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), Holger Münch und Arne Schönbohm, in sein Ministerium kommen.

“Von Herrn Seehofer erwarte ich, dass er sich nicht einfach wegduckt, wenn Daten von Hunderten Politikern, Journalisten und Künstlern veröffentlicht werden”, sagte Lischka weiter. Gleichzeitig lege das BSI, für das Seehofer als Innenminister verantwortlich ist, ein “katastrophales Kommunikationsverhalten” an der Tag.

Zuerst hatte Schönbohm gesagt, das BSI habe “sehr frühzeitig im Dezember auch schon mit einzelnen Abgeordneten, die hiervon betroffen waren, dementsprechend gesprochen”. Nach wachsender Kritik stellte seine Behörde einen Tag später ihr Vorgehen plötzlich anders dar. Man habe einen Fall von Anfang Dezember sowie vier weitere Fälle aus dem Lauf des Jahres 2018 zunächst für Einzelfälle gehalten und kenne ebenfalls erst seit der Nacht zu Freitag das Gesamtausmaß.

Seehofer will spätestens Mitte der Woche die Öffentlichkeit informieren, wie er der “Süddeutschen Zeitung” sagte. “Die Öffentlichkeit wird alles erfahren, was ich weiß.”

Nach Informationen aus Sicherheitskreisen vom Sonntag sind 994 Personen von dem Online-Angriff betroffen: vor allem Politiker, aber auch Prominente und Journalisten. Etwa 50 Fälle seien schwerwiegender, weil größere Datenpakete wie Privatdaten, Fotos und Korrespondenz veröffentlicht worden seien, hieß es.

Ein bisher Unbekannter hatte über das inzwischen gesperrt Twitter-Konto @_Orbit im Dezember zahlreiche persönliche Daten von Politikern und Prominenten als eine Art Adventskalender veröffentlicht. Manche Informationen hatte er auch schon früher ins Netz gestellt. Das wurde allerdings erst in der Nacht auf Freitag öffentlich – und somit auch vielen Betroffenen – bekannt.

Von: APA/ag.