Immer mehr Menschen flüchten

Hilfsorganisationen alarmiert von Massenflucht der Rohingyas

Dienstag, 05. September 2017 | 21:26 Uhr

Nach der Massenflucht hunderttausender Rohingyas aus Myanmar nach Bangladesch droht eine humanitäre Tragödie. Hilfsorganisationen schlagen Alarm, weil Flüchtlingscamps voll seien und Geld zur dringend notwendigen Versorgung der Menschen fehle. Menschenrechtler werfen der einstigen Hoffnungsträgerin Myanmars, Aung San Suu Kyi, Tatenlosigkeit vor.

Die Rohingya seien von dem “Risiko einer ethnischen Säuberung bedroht”, sagte UN-Generalsekretär Antonio Guterres am Dienstag vor Journalisten in New York. “Den Muslimen aus Rakhine muss eine staatliche Nationalität oder zumindest vorerst ein gesetzlicher Status gegeben werden, der es ihnen erlaubt, ein normales Leben zu haben, sich frei bewegen zu können und Zugang zu Arbeitsmarkt, Bildung und Gesundheitswesen zu haben.”

Mindestens 123.000 Angehörige der muslimischen Minderheit der Rohingyas flohen zuletzt in gut einer Woche nach Bangladesch, wie das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR am Dienstag in Bangladeschs Hauptstadt Dhaka mitteilte. Bei bis zu 80 Prozent dieser Menschen handle es sich um Frauen und Kinder, teilte das UN-Kinderhilfswerk UNICEF mit. Täglich kämen weiter Tausende Flüchtlinge über die Grenze, berichtete die Internationale Organisation für Migration (IOM) in Genf. Die UN-Hilfsorganisationen bräuchten für die nächsten drei Monate dringend 18 Millionen Dollar (gut 15 Millionen Euro) zur Unterstützung der Ankömmlinge. Die Menschen benötigten Zelte, Decken, Essen und medizinische Versorgung.

Seit Ausbruch der Gewalt in dem südostasiatischen Land Myanmar am 25. August sollen mindestens 400 Menschen getötet worden sein. Der Regierung zufolge hatten Rohingyas Polizei- und Militärposten angegriffen. Anschließend habe es Kämpfe zwischen Sicherheitskräften und den “bengalischen Terroristen” gegeben, die einen “Islamischen Staat” im Norden der Provinz an der bangladeschischen Grenze aufbauen wollten. Dann hätten aufständische Rohingyas Dörfer in Brand gesetzt.

Nach Angaben geflüchteter Rohingyas waren es Soldaten, Grenzwachen und buddhistische Bewohner von Rakhine, die in den Dörfern Häuser angezündet hätten. Sie hätten auch auf Rohingyas geschossen.

Angehörige der muslimischen Minderheit werden im früheren Birma als illegale Einwanderer aus Bangladesch angesehen, selbst wenn sie seit Generationen in dem vorwiegend buddhistischen Land leben. Seit ihnen 1982 die Staatsbürgerschaft entzogen wurde, sind sie staatenlos. Rund eine Million Rohingyas leben in Rakhine, sie können sich aber nicht frei bewegen und haben keinen Zugang zum Schulsystem. Die jüngste Gewaltwelle war nicht die erste in Myanmar.

Von: APA/dpa

Kommentare

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3 Kommentare auf "Hilfsorganisationen alarmiert von Massenflucht der Rohingyas"


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zombie1969
zombie1969
Superredner
16 Tage 12 h

Es gibt 134 ethnische und kulturell verschiedene Gruppen/Gemeinschaften in Myanmar, aber nur eine, die richtig Schwierigkeiten macht. Probleme mit anderen Gruppen sind vergleichsweise gering. Zufall?
Interessant wäre auch der Einfluss islamistischer Kräfte. Gibt es da Reportagen, wie sehr in den Konflikt von aussen eingegriffen wird?
Bilder wie dieses lassen einen starken Einfluss annehmen:

(welt-Das-Leid-der-Muslime-die-niemand-haben-will)

enkedu
enkedu
Universalgelehrter
16 Tage 1 h

oh, da möcht ich von Guterres auch eine staatliche Nationalität für Südtirol, wenn des geht. Danke

Tabernakel
16 Tage 31 Min
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