Hassan Nasrallah bei einer Erklärung via TV

Hisbollah-Chef: Rücktritt Hariris “saudische Entscheidung”

Sonntag, 05. November 2017 | 18:28 Uhr

Der libanesische Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah hat am Sonntagabend die Vorwürfe des zurückgetretenen libanesischen Ministerpräsidenten Saad al-Hariri gegen seine Organisation und den Iran zurückgewiesen. Der Rücktritt sei eine “saudische Entscheidung” gewesen. Riad habe Hariri dazu gedrängt, behauptete Nasrallah.

Es sei weder Hariris Absicht, noch sein Wille, noch seine Entscheidung gewesen, erklärte der Hisbollah-Chef in einer Fernsehansprache. Es sei eine legitime Frage, ob Hariri in Saudi-Arabien unter Hausarrest stehe. Nasrallah rief die Libanesen zu Ruhe und Geduld auf. Die politischen Führer des Libanon erwarteten die Rückkehr Hariris am Donnerstag, so er die Erlaubnis dazu erhalte.

In einer TV-Ansprache hatte der 47-jährige Hariri am Samstag die im Libanon einflussreiche Schiitenmiliz Hisbollah sowie deren Schutzmacht Iran angegriffen. Er warf ihnen vor, Unruhen in der Region zu schüren: “Die Hisbollah ist der Arm des Iran, nicht nur im Libanon, sondern auch in anderen arabischen Ländern.” Der Iran und seine Gefolgsleute seien Verlierer. Die Hände, die arabischen Ländern schadeten, würden “abgeschnitten”, drohte Hariri.

Seine Regierung der nationalen Einheit, an der auch die Hisbollah beteiligt ist, scheint damit gescheitert. Präsident Michel Aoun muss den Rücktritt noch formell akzeptieren. Nun ist unklar, wie das politische Vakuum in dem Land, in dem die Erzrivalen Iran und Saudi-Arabien um Einfluss ringen, gefüllt werden soll.

Im Libanon herrschte aufgrund komplizierter ethnisch-religiöser Rivalitäten mehr als zwei Jahre politischer Stillstand, bevor der Sunnit Hariri Ende 2016 Premier wurde. Am Samstag hatte er von Saudi-Arabien aus völlig überraschend seinen Rücktritt nach nicht einmal einem Jahr Amtszeit verkündet.

Hariri deutete zudem an, dass er um sein Leben fürchte. “Ich habe gefühlt, was heimlich ausgeheckt wird, um auf mein Leben zu zielen.” Er verglich die Situation im Libanon mit der von 2005, als Hariris Vater, der ehemalige Ministerpräsident, Geschäftsmann und Multimillionär Rafik al-Hariri, bei einem Bombenattentat in Beirut getötet worden war. Verdächtigt werden der syrische Geheimdienst und die Hisbollah.

Die libanesische Armee teilte dagegen am Sonntag mit, dass es keine Beweise für einen Mordkomplott gegen den ehemaligen Regierungschef gebe.

Von: APA/dpa/ag.

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