Das Volk muss dem Friedensvertrag noch zustimmen

Historischer Tag für Kolumbien: Der Krieg mit FARC ist aus

Montag, 29. August 2016 | 14:23 Uhr

Kolumbien hat am Montag einen historischen Tag erlebt: Um 00.00 Uhr Ortszeit trat der endgültige Waffenstillstand zwischen der Regierung und der FARC in Kraft. Damit endet ein 52 Jahre währender Gewaltkonflikt. “Mit dem 29. August beginnt eine neue Geschichte für Kolumbien”, erklärte Präsident Juan Manuel Santos eine Minute nach Mitternacht. Die Guerilla äußerte sich im Internet zurückhaltender.

Santos schrieb im Nachrichtendienst Twitter: “Die Waffen schweigen. Der Krieg mit den FARC ist vorbei!” In der Botschaft der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) hieß es: “Ab jetzt beginnt der beiderseitige und endgültige Waffenstillstand.” Punkt Mitternacht ließ die Feuerwehr in vielen kolumbianischen Städten die Sirenen “für den Waffenstillstand” ertönen. Sie folgte damit einer Aufforderung des Innenministeriums des südamerikanischen Landes.

Einige Stunden zuvor hatte FARC-Chef Timoleon Jimenez, dessen Kampfname Timochenko ist, in der kubanischen Hauptstadt Havanna erklärt: “Ich ordne an, dass all unsere Kommandanten, all unsere Einheiten und jeder unserer Kämpfer um Mitternacht das Feuer einstellen und die Feindseligkeiten gegen den kolumbianischen Staat beenden.” Santos hatte am Donnerstag einen Waffenstillstand zum selben Zeitpunkt angeordnet.

Die FARC hatte bereits im Juli 2015 einen einseitigen Waffenstillstand ausgerufen und die Regierung hatte ihre Luftangriffe ausgesetzt. Das nun vereinbarte Ende der Kämpfe war aber die erste beidseitige Einigung auf ein Schweigen der Waffen.

“Wir möchten unseren klaren und eindeutigen Willen zur Versöhnung ausdrücken”, sagte Timochenko an die Adresse von Armee, Polizei und Geheimdiensten des Landes. “Rivalitäten und Missgunst müssen der Vergangenheit angehören. Wir bedauern mehr als je zuvor, dass der Krieg so viel Tod und Schmerz verursacht hat.”

Nach vierjährigen Verhandlungen hatten Unterhändler der FARC und der Regierung am Mittwoch in Havanna ein Friedensabkommen zur Beendigung des Konflikts vereinbart. Die kolumbianische Bevölkerung stimmt am 2. Oktober in einem Referendum über das Abkommen ab. Zuvor wollen die Konfliktparteien den Text feierlich unterzeichnen, voraussichtlich zwischen dem 20. und dem 26. September.

Dem Abkommen zufolge sollen die über 7.000 FARC-Kämpfer ihre Verstecke verlassen und sich ab Montag in Entwaffnungslager unter Aufsicht der Vereinten Nationen begeben. Die FARC-Guerilla soll zur politischen Partei werden, die im kolumbianischen Kongress zunächst zehn Sitze zugebilligt bekommt.

Zwischen dem 13. und dem 19. September findet in San Vicente de Caguan im Süden des Landes, einer ehemaligen Guerillahochburg, eine für Presse und Gäste offene Delegiertenkonferenz der FARC statt. Sie soll das Friedensabkommen ratifizieren und den Übergang von der bewaffneten Gruppe zur demokratischen Partei gutheißen.

Kämpfer, die sich der Vereinbarung entziehen sollten, würden verfolgt, sagte Santos der Zeitung “El Espectador”. Zu der Volksabstimmung am 2. Oktober sagte er, diese werde dem Vertrag die “nötige politische Legitimität” verleihen. Er rief die Bürger zudem auf, mit “Ja zum Frieden” zu stimmen. Die genaue Frage des Referendums soll in den kommenden Tagen veröffentlicht werden.

Die FARC wurden 1964 im Kampf gegen Großgrundbesitzer und zur Verteidigung armer Bauern gegründet, die Opfer staatlicher Gewalt wurden. In dem mehr als 50 Jahre währenden bewaffneten Konflikt zwischen linken Rebellen, Paramilitärs, Drogenmafia und Armee wurden in dem südamerikanischen Land mehr als 260.000 Menschen getötet und etwa 6,9 Millionen weitere vertrieben. 45.000 Menschen gelten als verschwunden oder vermisst.

Von: APA/dpa

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