Spannung vor dem TV-Duell

Hohe Erwartungen vor dem TV-Duell zwischen Merkel und Schulz

Samstag, 02. September 2017 | 14:42 Uhr

Die Erwartungen an das TV-Duell zwischen der deutschen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und SPD-Herausforderer Martin Schulz sind hoch. Drei Wochen vor der deutschen Bundestagswahl dürfte der Auftritt am Sonntagabend vor allem auf unentschlossene Wähler zielen. Die SPD, die in den Umfragen weit hinter der Union zurückliegt, erhofft sich eine Wende.

“Immer noch sind 46 Prozent der Wählerinnen und Wähler nicht entschieden”, sagte Schulz der “Bild”-Zeitung. “Deshalb glaube ich, dass man sehr wohl die Wahl noch drehen kann.”

Linken-Chef Bernd Riexinger forderte den SPD-Herausforderer auf, einer Fortsetzung der Regierung mit der Union eine klare Absage zu erteilen. “Wenn Martin Schulz noch eine Chance haben will, den Wind im Wahlkampf zu drehen, muss er im Kanzler-Duell Farbe bekennen und eine Beteiligung der SPD an einer Großen Koalition definitiv ausschließen”, sagte Riexinger der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

Die deutsche Kanzlerin und ihr Herausforderer treffen am Sonntag um 20.15 Uhr aufeinander. Vier TV-Sender übertragen das TV-Duell live: ARD, ZDF, RTL und Sat.1

Die SPD habe sich mit einem unklaren Kurs in eine Sackgasse manövriert, sagte Riexinger weiter. Einen Ausweg werde sie nur finden, wenn klaren Worten auch Taten folgten. Dazu zähle, dass die SPD bei der letzten Bundestagssitzung vor der Wahl mit der Linken für den Abzug der US-Atomwaffen aus Deutschland stimme. Die Linke bringt am Dienstag einen entsprechenden Antrag ein. Sie verlangt darin auch, dass sich die Regierung vom Ziel verabschiedet, die Verteidigungsausgaben deutlich zu erhöhen. Diese Forderungen erhebt auch die SPD.

SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann kritisierte erneut, dass die Kanzlerin die Regeln für das Duell genau vorgeben ließ. Regierungssprecher Steffen Seibert wäre es am liebsten gewesen, “wenn das Duell die Form des wöchentlichen Video-Podcasts von Angela Merkel annehmen würde”, sagte er der “Berliner Zeitung” (Samstag).

Nach einer Umfrage des Instituts Kantar Emnid im Auftrag der Funke Mediengruppe hält mehr als die Hälfte (53 Prozent) der Bürger Merkel für die bessere Kanzlerin für die kommende Wahlperiode. Nur 22 Prozent halten Schulz für geeigneter. 70 Prozent der Befragten hielten Merkel für nervenstärker (Schulz: 11), Führungsstärke sahen 66 Prozent zuerst bei Merkel (Schulz: 16), bei der Berechenbarkeit punktete Merkel mit 55 Prozent (Schulz: 22)

Schulz warnte unterdessen vor sozialen Spannungen durch eine unausgewogene Verteilung von Flüchtlingen. Er forderte in der “Bild”-Zeitung vom Samstag, “die Viertel, die am meisten belastet sind, nicht noch zusätzlich zu belasten”. Wenn in Ballungszentren, wo die Wohnungen günstig seien, Flüchtlinge untergebracht würden, “steigen dann die Spannungen”.

“Es ist natürlich schön, wenn ich in einem Villenviertel wohne und darüber sinniere, dass man die Welt verändern muss”, sagte der SPD-Politiker weiter. “Wenn dann kein Flüchtling kommt, dann ist das noch angenehmer.”

Die Verteilung von Flüchtlingen in Deutschland sei eine “gesamtgesellschaftliche Aufgabe”, betonte Schulz. Mit Blick auf Merkel sagte er: “Man kann sich nicht hinstellen und sagen ‘Wir schaffen das’ und anschließend diejenigen, die es leisten müssen, nicht mit dem Geld ausstatten, das sie dafür brauchen.”

Von: APA/dpa