Ibrahim Olgun attackiert seinen Vorgänger

IGGÖ-Präsident weist Vorwürfe aus eigenen Reihen zurück

Dienstag, 12. Juni 2018 | 19:16 Uhr

IGGÖ-Präsident Ibrahim Olgun hat die Vorwürfe aus den eigenen Reihen, wonach er die Moscheen-Schließungen vorangetrieben hätte, zurückgewiesen. Er übte in einer Stellungnahme gegenüber der APA gleichzeitig Kritik an seinem Vorgänger Fuat Sanac, aus dessen Umfeld er attackiert wurde. Sanac hätte bei der Entstehung des Islamgesetzes negative Folgen, die heute sichtbar werden, verhindern müssen.

Durch die Einführung des Islamgesetzes im Jahr 2015 sei die islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich mit neuen Herausforderungen und Aufgaben konfrontiert, die nicht in Relation zu den ihr zur Verfügung stehenden Ressourcen stehen. Viele dieser negativen Entwicklungen hätte man sich ersparen können, wenn die damaligen Verantwortlichen der IGGÖ, darunter auch der jetzige Vizepräsident bei der Entstehung des Islamgesetzes dessen Umsetzbarkeit und Auswirkungen im Vorfeld hinterfragt hätten, so Olgun.

In der Diskussion um Moschee-Schließungen rief der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan die Regierung in Wien auf, “zu Verstand zu kommen”. Erdogan sagte am Dienstag bei der Eröffnung der Transanatolischen Gas-Pipeline (TANAP) in Eskisehir: “Als Türkei finden wir es von Vorteil, wenn die österreichische Regierung so schnell wie möglich zu Verstand kommt, anstatt auf dem Fehler zu insistieren.”

Es nutze niemandem, “Muslime zur Zielscheibe zu machen” und “Ausländerfeindlichkeit anzustacheln”, sagte Erdogan weiter. “Die Leiden, die Juden, Roma und Sinti im Zweiten Weltkrieg ertragen mussten, die Massaker und Folter, die sie erlebten, haben offen gezeigt, was für Schandtaten diese Art von Politik verursachen kann”, sagte Erdogan.

IGGÖ-Vizepräsident Abdi Tasdögen hatte am Montag Olgun offen angegriffen und ihm vorgeworfen, die Moscheen-Schließungen mit einer Anzeige beim Kultusamt veranlasst zu haben. Der Weg dorthin sei mit Olgun und der Regierung abgesprochen gewesen, “die Auflösung der Arabischen Kultusgemeinde sogar bezweckt”.

Olgun spricht von ungerechtfertigten Vorwürfen. Die IGGÖ gehe unter seiner Leitung “ihren gesetzlichen Verpflichtungen nach bestem Wissen und Gewissen” nach und stehe in diesem Zusammenhang selbstverständlich auch im Austausch mit dem Kultusamt. “Pflichtgemäß” seien dem Kultusamt formelle Mängel betreffend die “Arabische Kultusgemeinde” mitgeteilt worden.

Die IGGÖ habe aber in keiner Form die Schließung von einzelnen Gebetsstätten beantragt und im Vorfeld keinerlei Kenntnisse über die Schließungen der Moscheen und die Imam-Ausweisungen gehabt. Bis heute sei der IGGÖ nicht bekannt, welche Moscheen genau von einer drohenden Schließung betroffen sind. “Aus der laut Gesetz vorgesehenen Kommunikation mit dem Kultusamt rückzuschließen, dass die Vorgehensweise der Bundesregierung mit der IGGÖ akkordiert sei, entspricht daher nicht den tatsächlichen Gegebenheiten”, so Olgun.

Die Glaubensgemeinschaft werde es nicht zulassen, dass die Menschen muslimischen Glaubens für ideologische, politische Zwecke missbraucht werden. Und man werde es nicht zulassen, dass die Muslime in Österreich auseinanderdividiert werden, so Olgun.

Der Streit ging am Dienstagnachmittag weiter. Ex-IGGÖ-Präsident Fuat Sanac weist gegenüber der Tageszeitung “Die Presse” Kritik seines Nachfolgers Olgun zurück und wirft diesem im Gegenzug unprofessionelles Verhalten vor. Sanac zeigt sich unglücklich darüber, dass die Arabische Kultusgemeinde offenbar nach Hinweisen Olguns vom Kultusamt aufgelöst wurde.

“Man muss mit seinen Glaubensbrüdern sprechen und das intern lösen. Das ist eine Verschiebung der Probleme auf andere. Das finde ich unprofessionell. Nicht nur von Olgun, der ist nicht alleine”, so Sanac. Die Vorwürfe Olguns in Richtung seines Vorgängers, wonach man sich “viele negative Entwicklungen” hätte ersparen können, wenn die damaligen Verantwortlichen der IGGÖ die Umsetzbarkeit und Auswirkungen des Islamgesetzes hinterfragt hätten, wies Sanac zurück.

“Was hat das mit dem Islamgesetz zu tun?” Für ein Gesetz wie das 2015 beschlossene Islamgesetz würden Muslime in anderen Ländern kämpfen. Man habe in Österreich viele Rechte, vom Islamunterricht über Kindergärten und Schulen bis zu Lehrern, die vom Staat bezahlt würden. Und man habe durch Verhandlungen auch den einen oder anderen Kompromiss im Sinne der Glaubensgemeinschaft erzielen können. Er sei zufrieden mit dem, was am Ende herausgekommen sei, erklärte Sanac, der von 2011 bis 2016 IGGÖ-Präsident war, gegenüber der “Presse”.

Der für Kultusangelegenheiten zuständige Minister Gernot Blümel (ÖVP) erklärte der APA am Dienstag, dass die Prüfung der Arabischen Kultusgemeinde in Absprache mit der IGGÖ stattgefunden habe. Die IGGÖ habe auf formale Mängel aufmerksam gemacht, bestätigte Blümel am Rande des ÖGB-Bundeskongresses. Weitere Moschee-Schließungen schloss er nicht aus.

Von: apa