IGGÖ-Präsident Olgun sprach von einem historischen Tag

Imame unterzeichneten Deklaration gegen Extremismus

Mittwoch, 14. Juni 2017 | 15:05 Uhr

Die Imame der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) haben am Mittwoch eine Deklaration gegen Extremismus und Terror unterzeichnet. In dem Dokument, das von mehr als 300 Geistlichen verabschiedet wurde, werden nicht nur sämtliche Anschläge weltweit verurteilt, es wird auch zur Integration der Muslime aufgerufen. IGGiÖ-Präsident Ibrahim Olgun sprach von einem historischen Tag.

Die Initiative für die Deklaration sei von den Geistlichen selbst ausgegangen, betonte Olgun in einer kurzen Rede. “Deklaration der Imame in Österreich gegen Extremismus, Gewalt und Terror” lautet dessen genauer Titel. Die Erklärung, die vor dem Islamischen Zentrum in Wien-Floridsdorf, Österreichs größter Moschee, am Mittwoch präsentiert wurde, enthält mehrere Punkte. Das von 312 Imamen unterzeichnete Dokument soll an Parlamentarier, Religionsgemeinschaften und NGOs gehen.

Appelliert wird darin an sämtliche Muslime, einen Beitrag zum friedlichen Zusammenleben in Österreich zu leisten. Weiter heißt es: “Wir verurteilen terroristische Gewalttaten in der ganzen Welt.” Zudem werden die Mitglieder der Glaubensgemeinschaft dazu angehalten, in sämtlichen gesellschaftlichen Bereichen teilzunehmen. In ihrer Deklaration warnten die Imame auch vor Rassismus jeglicher Art, Antisemitismus und Islamfeindlichkeit. Eine dadurch angeheizte Stimmung wäre “ein perfekter Nährboden für extremistische Tendenzen in vielen Teilen der Gesellschaft”, heißt es darin.

Neben der Verurteilung terroristischer Gewalttaten wurde darin auch festgehalten, “dass es zur Aufgabe eines jeden Muslims und jeder Muslimin gehört, sich für die Sicherheit und den Frieden des Landes sowie seiner Bürger und Bürgerinnen aktiv einzusetzen”. Betont wird auch “das Festhalten an verfassungsrechtlichen Prinzipien in der Republik Österreich, darin eingeschlossen und besonders hervorzuheben die Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetz, Pluralismus, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit”. Zudem unterstrichen die islamischen Geistlichen die Bedeutung der Präventions-und Deradikalisierungsarbeit, vor allem im Zusammenhang mit Jugendarbeit.

Gleichzeitig warnen die Imame vor einer “pauschalierten Stigmatisierung der muslimischen Bevölkerung und antimuslimischen Rassismus in Österreich”. In der aktuellen Situation sei es wichtiger denn je, “klar zu differenzieren”, um religiöse Minderheiten vor populistischem Missbrauch und Anfeindungen zu schützen. Auch IGGiÖ-Präsident Olgun appellierte an alle Konfessionen an einem Strang zu ziehen, um Hetzern keine Chance zu lassen.

Auch die Integration der Muslime in Österreich ist den Geistlichen in ihrer Deklaration ein Anliegen. “Wir, die Imame Österreichs, betrachten den Dienst an der Gesellschaft als eine der besten Handlungen, zu welcher der Islam immer wieder aufruft und fordern deshalb die Muslime zur aktiven Teilnahme in den verschiedensten gesellschaftlichen Bereichen auf”, wurde in dem Dokument festgehalten.

Olgun hofft nun, dass die Botschaft der Deklaration – besser als vergangene einzelne Distanzierungen von Terror-Attacken – in der Bevölkerung ankommt. “Eine Religion, die für Frieden steht, kann keine fundamentalistischen, terroristischen oder radikalen Züge haben”, betonte er vor der Unterzeichnung. Vielmehr werde bei Anschlägen im Namen des Islam der Glaube “beschmutzt”. Dennoch werde man in den österreichischen Moscheen weiterhin Toleranz und Liebe predigen.

Von den mehr als 300 Unterzeichnern waren rund 180 persönlich zum Akt gekommen, weitere Geistliche haben sich laut IGGiÖ etwa via E-Mail deklariert. Noch ein paar Tage haben auch Imame, die nicht der IGGiÖ angehören Zeit, zu unterschreiben. Dann sollen Kopien an Politiker sowie Vertreter der Glaubensgemeinschaften und der Zivilgesellschaft ergehen. In naher Zeit ist noch ein weiterer symbolischer Akt, eine Menschenkette von der Moschee bis zur nächstgelegenen christlichen Kirche geplant.

Kardinal Christoph Schönborn begrüßte die Deklaration der österreichischen Imame. “Es ist ein gutes und starkes Zeichen, dass die Imame diesen Schritt machen und sich in ganz klarer und eindeutiger Form von Extremismus und terroristischen Gewaltakten distanzieren und damit deutlich machen, dass das nicht der Weg des Islam sein kann”, sagte Schönborn zur APA.

Auch der Aufruf der Imame, dass sich Muslime in Österreich integrieren sollen, sei ein “starkes Zeichen, das nur zu begrüßen ist”, erklärte Schönborn am Mittwoch nach der Vollversammlung der Bischofskonferenz in Mariazell. Auch Österreichs katholische Bischöfe beschäftigten sich bei ihrer Tagung mit dem Thema Terror und Innere Sicherheit. Die jüngsten Terrorakte in Europa zeigten einerseits die Verletzlichkeit einer Offenen Gesellschaft, heißt es in einer Erklärung der Bischofskonferenz. Andererseits zeige die Reaktion auf die Gewalt aber zugleich die Belastbarkeit und Widerstandskraft dieser Offenen Gesellschaft, “denn die von den Terroristen angestrebte Spirale der Radikalisierung ist bisher ausgeblieben”.

Von: apa