Die Flüchtlinge sollen zurück in ihr Land dürfen

In Bangladesch kommen weniger Rohingya-Flüchtlinge an

Freitag, 22. September 2017 | 12:30 Uhr

Aus Myanmar fliehen nach Angaben der Vereinten Nationen weniger muslimische Rohingya als in den vergangenen Wochen. Diese Woche seien jeweils pro Tag nur etwa 2.000 Menschen nach Bangladesch gekommen, berichtete die Organisation für Migration (IOM) am Freitag. Die Regierungschefin von Bangladesch, Sheikh Hasina, hat die Einrichtung von “Sicherheitszonen” für die Minderheit in Myanmar gefordert.

Die Gründe seien unklar, sagte ein Sprecher. Es könne am Wetter liegen. Insgesamt seien seit Ende August rund 430.000 Rohingya über die Grenze geflüchtet. Die Menschen fliehen nach eigenen Angaben vor Mobs und Sicherheitskräften, die ihre Dörfer niederbrennen. Das buddhistische Myanmar verweigert den meisten Rohingya die Staatsbürgerschaft und bezeichnet sie als illegale Migranten, obwohl die meisten seit Generationen in der Küstenregion Rhakine leben.

Die Flüchtlingslager bei Cox’s Bazar seien völlig überfüllt, berichtete das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR). Viele Neuankömmlinge würden von Rohingya-Familien aufgenommen, die selbst teils vor Jahrzehnten aus Myanmar geflüchtet sind und immer noch in Lagern leben. Mitarbeiter verteilten Plastikplanen, Küchenutensilien, Schlafmatten und Solarlampen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) fürchtet den Ausbruch von Cholera und Masern. Sie hat Impfkampagnen gestartet und verteilt Wasserreinigungstabletten.

Die geforderten Sicherzeitszonen sollten von den Vereinten Nationen kontrolliert werden, sagte Hasina am Donnerstag (Ortszeit) vor der UNO-Vollversammlung in New York.

“Diese Menschen müssen in Sicherheit und Würde in ihre Heimat zurückkehren können”, sagte sie über die hunderttausenden nach Bangladesch geflüchteten Rohingya. Nach Angaben der UNO sind mehr als 420.000 Rohingya vor der Gewalt in Myanmar ins benachbarte Bangladesch geflohen. Hasina sprach sogar von 800.000 Menschen und forderte ein Ende der “ethnischen Säuberungen” in Myanmar.

Sie warf der Armee von Myanmar vor, Landminen entlang der Grenze gelegt zu haben, um die Flüchtlinge an der Rückkehr zu hindern. Die UNO müsse unverzüglich Maßnahmen ergreifen, um eine Lösung für den Konflikt zu finden, sagte die Ministerpräsidentin weiter.

Hasina legte einen Fünf-Punkte-Plan zum Schutz der Rohingya vor, demzufolge es eine Mission der UNO in Myanmar geben müsse. Auch verlangte sie, dass Myanmar den bisher staatenlosen Rohingya die Staatsangehörigkeit zuerkennen müsse. In ihrer Rede bei der UNO-Generaldebatte bezeichnete Hasina die Rohingya als “hungrig, verzweifelt und hoffnungslos”.

Der Konflikt im Bundesstaat Rakhine im Westen Myanmars war Ende August erneut eskaliert, als Rohingya-Rebellen Soldaten und Polizisten angriffen und dutzende Sicherheitskräfte töteten. Das Militär reagierte mit Gegengewalt. Hunderte Menschen wurden getötet, ihre Häuser niedergebrannt. Die UNO spricht von “ethnischen Säuberungen”. Die Rohingya gehören zu den am stärksten verfolgten Minderheiten weltweit. Die Muslime sind seit Jahren Repressionen unterworfen.

Von: APA/dpa/ag.