Joshua Boyle mit einem seiner Söhne zuhause in Ontario

In Pakistan entführte kanadische Familie wieder zuhause

Sonntag, 15. Oktober 2017 | 13:50 Uhr

Nach fünf Jahren in Geiselhaft ist die in Pakistan befreite Familie Boyle nach Kanada zurückgekehrt. Nach ihrer Ankunft erklärte Joshua Boyle, die Entführer hätten eines seiner Kinder im Säuglingsalter getötet und seine Ehefrau vergewaltigt. Bei der Fahndung nach den Hintermännern der Geiselnahme wurden am Sonntag vier pakistanische Soldaten getötet.

Der Kanadier Joshua Boyle und seine Frau, die US-Bürgerin Caitlan Coleman, landeten am Freitagabend (Ortszeit) mit ihren drei Kindern in Toronto, wie die kanadische Regierung mitteilte. Boyle und seine Frau waren 2012 in Afghanistan von den radikalislamischen Taliban gefangen genommen und anschließend dem verbündeten Haqqani-Netzwerk in Pakistan übergeben worden. Coleman war damals nach Angaben ihres Mannes hochschwanger.

Sie hätten sich als “Pilger” in Afghanistan aufgehalten, um den Bewohnern völlig abgelegener Dörfer in Taliban-Gebieten zu helfen, sagte Boyle. Die drei Kinder, die nun mit ihren Eltern in Kanada eintrafen, kamen während der Gefangenschaft zur Welt.

Pakistanische Einheiten hatten die Familie am Mittwoch befreit. Diese erhielten nach eigenen Angaben von US-Geheimdiensten den Hinweis, dass die Familie von Afghanistan über die Grenze in die halbautonomen Stammesgebiete Pakistans gebracht worden sei.

Boyle warf dem Haqqani-Netzwerk vor, 2014 eines seiner Kinder, eine kleine Tochter im Säuglingsalter, ermordet und seine Frau vergewaltigt zu haben. Aus “Dummheit und Bosheit” hätten sich die Entführer für seine wiederholte Weigerung gerächt, auf ihre Forderungen einzugehen. Um welche Forderungen es sich handelte, sagte Boyle nicht.

Das Haqqani-Netzwerk wird von Sirajuddin Haqqani angeführt, der auch stellvertretender Anführer der Taliban ist. Die Gruppierung wurde lange verdächtigt, Verbindungen zur pakistanischen Militärführung zu haben.

Am Samstag richtete sich Boyle erneut an die Öffentlichkeit: In einer aus dem Haus seiner Eltern an kanadische Medien übermittelten Nachricht erklärte der 34-Jährige, seine Familie sei sicher in der Stadt Smith Falls, etwa 80 Kilometer von Ottawa entfernt, angekommen – im ersten “richtigen” Zuhause für seine in Pakistan geborenen Kinder.

Der Fernsehsender CBC berichtete, Boyle zufolge sei sein zweijähriger Sohn “fast so verstört, wie als er noch in Gefangenschaft war”. Der vierjährige Sohn hingegen würde interessiert die neue Umgebung auskundschaften. Das Paar hat auch noch eine erst vier Monate alte Tochter.

Bei der Suche nach Hintermännern der Entführung wurden nach Militärangaben am Sonntag vier pakistanische Soldaten getötet, als eine Bombe explodierte. Das Militär teilte mit, die Explosion habe sich in der Region Kurram an der Grenze zu Afghanistan ereignet, wo die Familie befreit worden war.

Die kanadische Regierung begrüßte die “langersehnte Rückkehr” der Familie nach Kanada. Kanada habe sich “aktiv auf allen Ebenen” für Boyle eingesetzt und werde ihn und seine Familie weiterhin unterstützen, erklärte das Außenministerium in Ottawa.

Die Familie war mit einem Linienflug über London nach Kanada zurückgekehrt. Boyle wies Berichte zurück, er habe sich geweigert, an Bord eines US-Militärflugzeugs zu gehen, weil er fürchte, in den USA Probleme zu bekommen.

Boyle war 2009 für kurze Zeit mit der Schwester des in Kanada geborenen früheren Guantanamo-Häftlings Omar Khadr verheiratet, für dessen Freilassung er sich eingesetzt hatte. Khadr war 2002 bei Kämpfen in Afghanistan festgenommen und zehn Jahre im US-Gefangenenlanger Guantanamo auf Kuba gefangen gehalten worden.

Von: APA/ag.