AKW Mochovce macht wieder Probleme

Inbetriebnahme von AKW Mochovce erneut verschoben

Mittwoch, 10. April 2019 | 16:30 Uhr

Die Inbetriebnahme des Blocks 3 im AKW Mochovce wird allem Anschein nach erneut verschoben, voraussichtlich mindestens um ein weiteres Quartal. Auch die Einhaltung des Baubudgets von derzeit 5,4 Milliarden Euro sei daher fraglich, berichtete die slowakische Tageszeitung Pravda am Mittwoch.

Der sogenannte heiße Hydrotest im 3. Block wurde erst Mitte März und damit später als geplant abgeschlossen. Eine Analyse der Ergebnisse dürfte bis Ende April vorliegen. “Jetzt verläuft eine große Revision, wir erwarten, dass der Block 3 im Sommer von technischer Seite her vorbereitet sein wird auf die Reaktorbeschickung”, erklärte Miroslav Sarissky, Sprecher des Mochovce-Betreibers Slowakische Stromwerke (Slovenske elektrarne – SE).

Einen späteren Abschluss des heißen Hydrotest ließ kürzlich auch die slowakische Atomaufsichtsbehörde (Urad jadroveho dozoru – UJD) zu. Der Test wurde von zwei Unterbrechungen verlängert. Die SE müssen jetzt alle durchgeführten Tests auswerten und nachweisen, “in welchem Maße sie die Erfolgskriterien erfüllt haben”, bestätigte UJD-Chefin Marta Ziakova Medien gegenüber.

Damit ist eine weitere Verspätung, die sich auch in den Kosten widerspiegeln dürfte, so gut wie sicher. Ursprünglich wurde mit einer Inbetriebnahme von Mochovce 3 schon im zweiten Quartal dieses Jahres gerechnet. Die SE versicherten, alle offenen Fragen sollten noch vor Monatsende geklärt werden. “Im Laufe des Aprils, nach Abschluss der Analysen und Verhandlungen leitender Organe, werden wir über Maßnahmen informieren, die Einflüsse auf das Budget und den Zeitplan minimieren sollten,” so Pressesprecher Sarissky. Für die SE steht seinen Worten nach auch höchste Sicherheit an erster Stelle, sie ist Terminen und Budget übergeordnet.

Kritik an der weiteren Verspätung der Fertigstellung des neuen Reaktors kam von der slowakischen Opposition. Die führende Oppositionspartei Freiheit und Solidarität (SaS) kündigte an, eine Sondersitzung des zuständigen Parlamentsausschusses zu initiieren, auf der Wirtschaftsminister Peter Ziga eine Erklärung abgeben solle. Vorrangig will die Partei den angeblich drohenden Kostenanstieg um weitere 200 Millionen Euro diskutieren, hieß es. Die Gesamtkosten des Projekts würden somit auf 5,6 Milliarden Euro klettern.

Der slowakische Ministerpräsident Peter Pellegrini versicherte daraufhin am Dienstag, seines Wissens nach seien die notwendige Finanzen für die Inbetriebnahme von Mochovce vorhanden. Politische Opponenten ersuche er, ihre “Zweifel auf Expertenebene zu verschieben”. Der Anlauf weiterer Blöcke wecke auch in Nachbarländern Interesse und es drohe, dass aus technischen Diskussionen ein “großes politisches Thema” werde, meinte Pellegrini. Mochovce 3 werden nur ans Netz gehen, wenn es völlig sicher ist, betonte der Sozialdemokrat. “Ich will allen Bürger der Slowakei versichern, wir werden alles dafür tun, damit der Bau sicher ist, damit diese Energiequelle alle internationalen Sicherheitsnormen und Regeln erfüllt”, erklärte Pellegrini. Eine Inbetriebnahme werde es nur geben bei völliger Gewissheit, der neue Block “stellt keinerlei Sicherheitsrisiko für Bürger der Slowakei oder der Nachbarländer dar”.

Die SE räumten inzwischen auch einen möglichen Einfluss der Anti-Mochovce-Kampagne von Global 2000 ein, deren Warnung vor Baumängeln vergangene Woche als “Panikmache” abgetan wurde. “Mit Hinsicht auf laufende Aktivitäten österreichischer Anti-Kernkraft-Organisationen erwarten wir umfangreiche Behinderungen beim administrativen Genehmigungsverfahren, was die Inbetriebnahme des dritten Blocks um einige Monate hinauszögern kann, obwohl er technisch voll vorbereitet sein wird”, so SE-Sprecher Sarissky.

Medienberichten zufolge hatte sich die Atomaufsichtsbehörde UJD, die den Mochovce-Bau beaufsichtigt, bereits vergangenen September mit ähnlichen Sicherheitsbedenken auseinandergesetzt, als die ehemaligen SE-Mitarbeiter Mario Zadra und Simoneta Tokareva in slowakischen Medien auf diese hingewiesen hatten. Kontrollen hatten ergeben, dass die meisten davon bereits vonseiten des UJD oder der SE gelöst waren.

Das slowakische Wirtschaftsministerium werde sich zur erneuten Verspätung des Mochovce-Baus erst äußern, nachdem es vonseiten der SE offiziell darüber unterrichtet wird, gab Pressesprecher Maros Stano bekannt. “Für den Fertigbau trägt der Privatbesitzer mit Manager-Kompetenzen volle Verantwortung, nicht der Staat als Minderheitsaktionär. Dies ist das Ergebnis der misslungenen und unvorteilhaften Privatisierung der SE während der zweiten Dzurinda-Regierung”, so Stano.

Insgesamt 66 Prozent der SE waren im Jahr 2006 von der italienischen Enel für 840 Millionen Euro erworben worden. Der Nettogewinn der Stromwerke erreichte nach der Privatisierung zwischen 2006 und 2014 insgesamt 2,4 Milliarden Euro. Laut dem Privatisierungsvertrag wurden aber bis zur Fertigstellung von Mochovce alle Dividenden-Auszahlungen gestoppt. Enel ist jetzt dabei die SE wieder zu verlassen, seinen Anteil wird nach der Fertigstellung von Mochovce die Energie- und Industrie-Holding (EPH) des tschechischen Oligarchen Daniel Kretinsky übernehmen. Der Staat, der weiterhin 34 Prozent der SE-Aktien hält, schaut seit der Privatisierung nur zu, was in den Stromwerken vor sich geht.

Von: apa