ÖVP bzw. deren Ableger stellten bisher ununterbrochen das Stadtoberhaupt

Innsbruck-Wahl: Bürgermeister seit 1945

Donnerstag, 19. April 2018 | 07:05 Uhr

Christine Oppitz-Plörer (FI) tritt am Sonntag an, den Bürgermeistersessel für ihre Fraktion Für Innsbruck zu verteidigen. Die Amtsinhaberin gilt als Favoritin. Ihre Hauptkonkurrenten sind Umfragen zufolge Georg Willi (Grüne) und Rudi Federspiel (FPÖ). Sollte die 49-Jährige das Amt verlieren, hätte die Landeshauptstadt erstmals einen Stadtchef, der nicht der ÖVP bzw. ihrem Ableger FI zuzuordnen ist.

Als wahrscheinlich gilt, dass am 6. Mai (also zwei Wochen nach der Wahl) eine Stichwahl nötig ist, weil keiner der Kandidaten die erforderliche absolute Mehrheit erzielt. Seit 2012 wird nämlich das Stadtoberhaupt direkt gewählt. Sollte Willi das Rennen machen, dann gäbe es überhaupt eine Premiere: Nämlich den ersten grünen Bürgermeister einer Landeshauptstadt. Für die Freiheitlichen gelang dieses Kunststück bereits Alexander Götz, der von 1973 bis 1983 Bürgermeister von Graz war.

Aber zurück zu Innsbruck: 1945 übernahm beim Einmarsch amerikanischer Truppen der damals 47-jährige Anton Melzer provisorisch die Bürgermeisteraufgaben. Der schwer Kriegsversehrte (er verlor im Ersten Weltkrieg an der Isonzo-Front den linken Arm) war 1943 wegen politischer Aktivitäten verhaftet worden und wurde erst nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes befreit. Zweimal wurde Melzer als Bürgermeister in Gemeinderatswahlen bestätigt.

Nach dem Ableben Melzers im Jahr 1951 folgte ihm sein Vizebürgermeister Franz Greiter – damals 54 Jahre alt – im Amt. In Greiters Amtszeit fielen die erste Bewerbung Innsbrucks um Olympische Winterspiele und – nach Unterzeichnung des Staatsvertrages – der Abzug der französischen Besatzung.

Ab 1956 amtierte der später als “Olympia-Luis” bekannt gewordene damals 44-jährige Alois Lugger als Stadtoberhaupt. Der gebürtige Südtiroler hatte neben seiner Funktion in der Landeshauptstadt auch hohe Ämter in der Tiroler Landesregierung und im Landtag inne. 1974 war Lugger unter anderem auch ÖVP-Kandidat bei der Bundespräsidentenwahl. Die Abhaltung gleich zweier Olympischer Spiele (1964 und 1976) fiel in seine Amtszeit, die 1983 zu Ende ging. Während dieser Zeit konnte die ÖVP unter seiner Führung auch ihre besten Wahlergebnisse in Innsbruck einfahren. 1962 und 1965 erreichte sie jeweils über 56 Prozent.

Bei der Gemeinderatswahl 1983 musste der damals zum ersten Mal kandidierende Romuald Niescher sich unter anderem auch wegen des Antretens anderer VP-naher Gruppierungen mit einem Ergebnis von nur 37,5 Prozent zufriedengeben. 1989 sank der Anteil der Bürgermeisterliste, die damals noch mit dem Seniorenbund gekoppelt war, dann sogar auf 36,9 Prozent. Bei der Gemeinderatswahl 1994 stürzte Niescher dann mit der offiziellen Bürgermeister-Liste auf nur 18,9 Prozent ab und legte seine Funktion zurück.

Bereits 1989 war der spätere ÖVP-Landeshauptmann und Landtagspräsident Herwig van Staa auf der Niescher-Liste in den Gemeinderat gewählt worden. Nach wiederholter heftiger Kritik an der Stadtparteiführung wurde der Wallnöfer-Schwiegersohn 1993 aus dem ÖVP-Gemeinderatsklub ausgeschlossen. Van Staa holte zum Gegenschlag aus und gründete die Liste “Für Innsbruck”. Obwohl er 1994 mit “Für Innsbruck” mit 22,8 Prozent hinter der SPÖ (26,6 Prozent) nur am zweiten Platz gelandet war, gelang es ihm in langwierigen Parteienverhandlungen, den Bürgermeistersessel für sich zu erobern. Der promovierte Doppeldoktor und Magister der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften regierte mit Unterstützung der SPÖ und der ÖVP-Listen. Bei der Wahl im Jahr 2000 kam Van Staa auf 36,3 Prozent und 16 der 40 Sitze.

Im Jahr 2002 wechselte Van Staa in das Landhaus. VP-Wirtschaftsbündlerin Hilde Zach wurde vom Gemeinderat zum ersten weiblichen Oberhaupt einer österreichischen Landeshauptstadt gekürt. Aus gesundheitlichen Gründen übergab sie im März 2010 das Amt an Oppitz-Plörer.

Die studierte Volkswirtin, die bereits 2000 in den Innsbrucker Gemeinderat eingezogen war, musste sich im Jahr 2012 erstmals der Wiederwahl stellen. Damals setzte sich Oppitz-Plörer in der Stichwahl gegen ÖVP-Herausforderer Christoph Platzgummer mit rund 56 Prozent der Stimmen durch.

Von: apa

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