Die beiden Kandidaten für die Stichwahl

Innsbruck-Wahl: Nach der Wahl ist vor der Stichwahl

Montag, 23. April 2018 | 15:00 Uhr

Nach der Innsbrucker Gemeinderats- und Bürgermeisterwahl ist vor der Stichwahl: Amtsinhaberin Christine Oppitz-Plörer (Für Innsbruck) muss am 6. Mai gegen den grünen Bürgermeisterkandidaten Georg Willi in die Stichwahl. Dieser war am Sonntag mit 30,9 Prozent der Stimmen vor der amtierenden Stadtchefin (24,3 Prozent) als erster in der Bürgermeisterdirektwahl über die Ziellinie gegangen.

Die Zeit bis dahin werden wohl beide für Sondierungsgespräche nützen. Geht es schließlich auch darum, abseits der Wahl zum Stadtchef entsprechende Mehrheiten im Gemeinderat und Stadtsenat zu suchen. Am Montag ließen sich beide Kandidaten vorerst nicht in die Karten blicken, wie schnell die Gespräche mit den anderen Parteien gesucht werden sollen. Aus der Bürgermeisterfraktion Für Innsbruck hieß es Montagvormittag, dass man das Ergebnis zuerst analysieren und intern besprechen wolle. Oppitz-Plörer hatte am Sonntag nach der Wahl davon gesprochen, die “bürgerlichen Wähler” hinter sich versammeln zu wollen.

Willi betonte am Montag auf Anfrage der APA, dass er mit allen im Gemeinderat vertretenen Fraktionen das Gespräch suchen werde. Jetzt gehe es aber zunächst um die Stichwahl. Und da starte er wieder bei “Null”. Jetzt gelte es, möglichst viele Menschen zu erreichen – am besten “in persönlichen Gesprächen”, so Willi. Einen Lagerkampf fürchte er nicht. Denn in Städten sei “das Lagerdenken längst überholt”. Am 6. Mai gehe es um zwei Personen, die sich der Wahl um das Bürgermeisteramt stellen. Wie stark welche Partei im Gemeinderat vertreten ist, sei bereits entschieden.

Das Zünglein an der Waage könnte hingegen die Innsbrucker FPÖ sein, die am Sonntag auf 18,6 Prozent zulegte und Platz zwei erreichte. Die Freiheitlichen werden am Dienstag das weitere Vorgehen beraten. Stadtparteiobmann und Spitzenkandidat Rudi Federspiel sagte der APA, dass er davon überzeugt sei, dass Oppitz-Plörer noch vor der Stichwahl auf die FPÖ hinsichtlich einer möglichen Zusammenarbeit in einer Koalition zugehen werde. Der FPÖ-Frontmann, der mit 21,2 Prozent relativ knapp die Stichwahl verpasste, erneuerte einmal mehr sein Ziel, Teil einer bürgerlichen Stadtregierung zu sein. Eine mögliche Wahlempfehlung für Oppitz-Plörer ließ Federspiel am Montag weiter offen.

Nach ihren Debakeln bei der Innsbrucker Gemeinderatswahl gibt es bei ÖVP und SPÖ unterdessen vorerst keine personellen Konsequenzen. ÖVP-Spitzenkandidat Franz Xaver Gruber wird in den kommenden Wochen federführend die Gespräche mit den anderen Parteien führen, wie er der APA mitteilte. SPÖ-Stadtparteichef Helmut Buchacher denkt ebenfalls nicht an Rückzug.

Gruber hatte am Montag ein Gespräch mit Landesparteichef LH Günther Platter (ÖVP). Dabei sei die weitere Vorgangsweise besprochen worden. Und die laute, dass er, Gruber, mit einem “engeren und einem weiteren Team” federführend die Sondierungsgespräche bis zur Stichwahl und solche für eine etwaige Regierungsbeteiligung nach der Wahl führen werde. “Wir wollen mit allen Parteien reden”, so Gruber.

Danach werde man sehen, wie man weiter vorgehe, ließ der Stadtparteiobmann seinen Verbleib an der Parteispitze oder einen Einzug in die Stadtregierung offen. Auf die Frage, ob er auch in den kommenden Jahren an der Spitze der Innsbrucker ÖVP bleiben wolle, meinte der 50-Jährige: “Das kann ich so nicht beantworten”. Ein innerparteiliches Sägen an seinem Stuhl ortete er jedenfalls nicht: “Es gab keine Schuldzuweisungen”.

Ob die ÖVP eine Wahlempfehlung für Oppitz-Plörer abgeben wird, blieb weiter offen. Dies werde man nach den Parteigesprächen entscheiden, meinte der gebürtige Osttiroler. Er sah aber jedenfalls schon einmal einen Lagerwahlkampf auf Innsbruck zukommen, der da laute: “Bürgerlich gegen Grün”. Dem Schmieden einer möglichen “bürgerlichen Koalition” aus FI, FPÖ und ÖVP wollte der Stadtparteiobmann am Montag aber nicht das Wort reden. Die Schwarzen waren von 21,87 auf 12,17 Prozent abgestürzt, was ein Minus von 9,7 Prozentpunkten und vier Mandaten bedeutet. Bei der Bürgermeisterdirektwahl war Gruber auf 9,12 Prozent gekommen.

Auch die SPÖ leckte am Montag ihre Wunden. Am Montag tagte der Klub, am Dienstag folgt dann der Parteivorstand. SPÖ-Stadtparteichef Buchacher will nicht zurücktreten, aber: Sollte es die “leisesten Andeutungen” geben, dass er nicht mehr der richtige Mann an der Spitze der Innsbrucker SPÖ sei, werde er in den Gremien die Vertrauensfrage stellen, sagte er zur APA. Sollten sich “tolle Alternativen” hervortun, wäre er auch bereit, einen “Schritt beiseite” zu machen.

Spitzenkandidatin Irene Heisz stärkte Buchacher den Rücken. Sie trage keinesfalls die alleinige Schuld an dem Debakel. Er werde jedenfalls mit der Empfehlung in den Parteivorstand gehen, den für die SPÖ vorgesehenen Sitz im Stadtsenat mit der ehemaligen Journalistin zu besetzen. Zudem werde er dafür eintreten, dass es keine rote Wahlempfehlung für die Stichwahl gibt. Die SPÖ war mit 10,32 Prozent nur noch auf dem fünften Platz zu liegen gekommen. Bei der Landtagswahl hatten die Sozialdemokraten in Innsbruck noch 22,83 Prozent der Stimmen verzeichnet.

Von: apa