KZ Auschwitz wurde am 27. Jänner 1945 befreit

Internationales Gedenken an die Opfer des Holocaust

Donnerstag, 27. Januar 2022 | 19:22 Uhr

Am Donnerstag wird der Opfer des Holocaust gedacht. Die UNO hatte den Internationalen Gedenktag 2005 ins Leben gerufen. Am 27. Jänner 1945 befreiten Soldaten der Roten Armee die Überlebenden des KZ Auschwitz. Bis heute gilt das NS-Vernichtungslager als Symbol für den Massenmord an sechs Millionen Juden und Millionen anderen Menschen, die von den Nazis verfolgt wurden wie Roma und Homosexuelle. Zum Anlass des Holocaust-Gedenktags fanden zahlreiche Veranstaltungen statt.

Zeremonien wurden etwa auf dem ehemaligen Lagergelände in Auschwitz, im Deutschen Bundestag in Berlin und im EU-Parlament abgehalten. Der israelische Außenminister Yair Lapid besuchte das KZ Mauthausen, wo sein Großvater im April 1945 umgekommen war. “Die Nazis dachten, sie wären die Zukunft und Juden würde es nur noch im Museum geben. Stattdessen ist der jüdische Staat die Zukunft und Mauthausen ist ein Museum. Ruhe in Frieden, Großvater”, sagte Lapid bei einer Gedenkfeier in der oberösterreichischen Gedenkstätte.

In Auschwitz waren bei den Feierlichkeiten auf dem ehemaligen Lagergelände anlässlich des 77. Jahrestages der Befreiung des KZ wegen der Corona-Pandemie nur eine kleine Gruppe von Gästen anwesend, die meisten von ihnen Überlebende. Polens Regierungschef Mateusz Morawiecki betonte auf Facebook, sein Land werde eine Relativierung der Wahrheit nicht erlauben.

Der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz rief zum Kampf gegen Antisemitismus, Hass und Hetze auf. Bei einer Zeremonie der UNO-Kultur- und Bildungsorganisation UNESCO in Paris betonte Scholz in einer Videobotschaft die besondere Verantwortung Deutschlands. “Wir müssen Antisemitismus, Diskriminierung, Rassismus und Extremismus bekämpfen – überall und in all ihren Formen.”

US-Präsident Joe Biden warnte anlässlich des Gedenktags vor Versuchen, die Geschichte zu leugnen oder zu verzerren. “Wir müssen korrekt über den Holocaust unterrichten und uns gegen Bestrebungen wehren, die Geschichte zu ignorieren, zu leugnen, zu verzerren und zu revidieren”, teilte Biden am Donnerstag mit. Es gebe immer weniger Überlebende, die ihre Geschichten erzählen könnten.

In Bulgarien erinnerten Regierung und Opposition an die Rettung von 48.000 Juden im ehemaligen bulgarischen Königreich. “Am heutigen Tag beten wir mit der Hoffnung, dass sich die Ereignisse vor acht Jahrzehnten nicht wiederholen”, schrieb Ministerpräsident Kiril Petkow am Donnerstag auf der Facebook-Seite der Regierung.

Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) betonte, aller Frauen, Männer und Kinder, die den Gräueltaten des Nationalsozialismus zum Opfer fielen, zu gedenken. “Es ist unsere Pflicht und Schuldigkeit, gegen jede Form von Antisemitismus und Hass zu kämpfen. Diese Gräuel dürfen nie wieder geschehen!”, betonte Schallenberg auf Twitter unter dem Hashtag #WeRemember. “Mit #WeRemember setzen wir am heutigen Tag ein Zeichen des Gedenkens an die Millionen Opfer des Nationalsozialismus”, betonte der Erste Vizepräsident des Europaparlaments Othmar Karas (ÖVP). “Gerade in Zeiten wo der Antisemitismus zu oft verharmlost wird und neu erwacht, gilt es als Gesellschaft noch entschlossener dagegen aufzutreten.”

UNO-Generalsekretär Antonio Guterres betonte zum Anlass des Gedenktags, dass am Donnerstag “der sechs Millionen jüdischen Männer, Frauen und Kinder, der Roma und Sinti und der unzähligen weiteren Opfer des beispiellosen Schreckens und der kalkulierten Grausamkeit des Holocaust” gedacht werde. Die Menschen dürften niemals vergessen, dass der Holocaust hätte verhindert werden können. “Nur wenn wir die Erinnerung an die Vergangenheit wachhalten, können wir die Zukunft sichern. Wer Hass stillschweigend hinnimmt, macht sich mitschuldig”, rief Guterres in einer Stellungnahme zu Wachsamkeit auf.

Die Corona-Pandemie verstärkt nach Einschätzung des Jüdischen Weltkongresses (WJC) den Antisemitismus. “Die Pandemie wirkt wie ein Brandbeschleuniger: Menschen vergleichen den Holocaust verharmlosend mit Impfungen”, sagte WJC-Präsident Ronald Lauder der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung”. “Unter dem Deckmantel vermeintlicher Kritik an Corona-Maßnahmen ist Antisemitismus noch gesellschaftsfähiger und damit gefährlicher geworden”, kritisierte Lauder.

Coronamaßnahmen-Gegner erheben immer wieder den Vorwurf, mit den Schutzmaßnahmen werde eine Diktatur errichtet und ziehen Vergleiche zur NS-Zeit. Bei den Protesten sind gelbe Sterne mit der Aufschrift “Ungeimpft” in Erinnerung an das Zwangskennzeichen für Juden im Zweiten Weltkrieg zu sehen. Nach Angaben der NGO Jewish Agency und der Zionistischen Weltorganisation war die Zahl der antisemitischen Taten weltweit im Jahr 2021 so hoch wie seit zehn Jahren nicht mehr. Demnach ereigneten sich durchschnittlich mehr als zehn Vorfälle pro Tag – fast die Hälfte davon in Europa und knapp 30 Prozent in den USA.

Von: apa