Menschen suchen Zuflucht südlich der Stadt

Irakische Truppen rücken in Mosul vor – Hunderte fliehen

Dienstag, 28. Februar 2017 | 15:20 Uhr

Irakische Spezialeinheiten stehen im Westen der IS-Hochburg Mosul nach eigenen Angaben bis auf wenige Hundert Meter vor wichtigen Regierungsgebäuden. Die Sitze des Provinzrates und des Gouverneurs seien in Reichweite der Maschinengewehre, sagte ein Sprecher der Elitetruppen des Innenministeriums am Dienstag. Indes flohen neuerlich Hunderte Menschen aus dem Kampfgebiet.

Die Gebäude sind eines der Ziele der von den USA unterstützten Militäroffensive zur Vertreibung des IS aus den letzten Gebieten im Westen der Stadt. Eine Einnahme der Gebäude wäre von großer symbolischer Bedeutung, zugleich würde sie es den Regierungskräften erleichtern, die Extremisten im Zentrum der Altstadt anzugreifen.

Verängstigte Zivilisten versuchten inzwischen, sich vor den Kämpfen in Sicherheit zu bringen. Einige von ihnen flohen unter Beschuss der Extremisten in Richtung Regierungstruppen. Andere wurden von IS-Kämpfern gezwungen, sich gemeinsam mit ihnen weiter zurückzuziehen. Die Kämpfer des sogenannten Islamischen Staats setzten Häuser, Geschäfte und Autos in Brand, um durch die Rauchentwicklung die Luftaufklärung zu behindern. Auf Satellitenbildern war zu sehen, wie eine ganze Straße in der Altstadt mit Stoffen abgedeckt wurde. Einwohner berichteten, sie seien gezwungen worden, mit ihren Autos Straßen zu blockieren, um den Vormarsch gepanzerter Fahrzeuge aufzuhalten.

Es wird angenommen, dass sich mehrere Tausend IS-Kämpfer in Mosul aufhalten, darunter viele aus Ländern des Westens. Sie wehren sich mit Heckenschützen, Selbstmordanschlägen, Sprengfallen und Granatfeuer gegen die aus rund 100.000 Kämpfern bestehende regierungstreue Truppe. Den Anti-IS-Verbänden gehören neben irakischen Soldaten und Spezialkräften auch Kämpfer kurdischer und schiitischer Milizen an. Im Januar hatten sie den Ostteil der vom Tigris geteilten Stadt eingenommen.

Die Fluchtbewegung aus der Stadt hielt indes an. “Heute waren es bisher 300 Männer, Frauen und Kinder”, sagte am Dienstag Brigade-General Salman Hashem von der Anti-Terroreinheit CTS. Die Flüchtlinge würden an einem Kontrollpunkt überprüft, die Personalangaben der Männer mit einem vorhandenen Datenpool abgeglichen um sicherzugehen, dass es sich nicht um Kämpfer der Jihadistenmiliz Islamischer Staat handle.

“Wir sind in der Früh um fünf Uhr losgerannt”, sagte Baidaa, die mit zwei Kindern aus Mossul nach Süden flüchtete. “Wir mussten rennen, weil wir Angst vor ihren Schüssen hatten.” Nach den jüngsten Schätzungen der Internationalen Organisation für Migration halten sich noch rund 750.000 Zivilisten im Westteil Mossuls auf, der von den Regierungstruppen belagert wird.

Durch die jüngsten Kämpfe wurden nach irakischen Angaben rund 14.000 Menschen aus West-Mosul vertrieben. Seit Beginn der Offensive Mitte Oktober flohen nach UNO-Informationen damit mehr als 175.000 Menschen aus der Stadt, die zuvor schätzungsweise 750.000 Einwohner zählte.

Eine Niederlage in Mosul würde dem IS im Irak einen entscheidenden Schlag versetzen. 2014 hatte IS-Chef Abu Bakr al-Bagdadi in der Großen Moschee in Mosul einen Gottesstaat in den von ihm kontrollierten Gebiete im Irak und im benachbarten Syrien ausgerufen.

Der Bischof von Mosul wandte sich indes mit einem eindringlichen Appell an die Weltgemeinschaft, sich für den Schutz von christlichen Minderheiten im Irak einzusetzen, hat sich der Bischof von Mosul an die Öffentlichkeit gewandt.

Zwar habe sich die Lage durch das Zurückdrängen der Terrormiliz Islamischer Staat verändert. “Wir stehen aber jetzt vor dem Nichts. Die Drohungen gegen uns und der Hass unserer Nachbarn ist groß. Viele unserer Häuser wurden nicht nur ausgeraubt, sondern auch niedergebrannt”, sagte Bischof Petros Mouche am Dienstag bei einem Besuch in der westdeutschen Stadt Essen, wo 500 Gläubige der syrisch-katholischen Kirche im Exil leben. Der Bischof war im Jahr 2014 aus der Stadt vertrieben worden.

Von: APA/dpa

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