Plakat mit Aufruf zum Referendum in der Stadt Kirkuk

Irakischer Premier: Kurden-Referendum “Spiel mit dem Feuer”

Samstag, 16. September 2017 | 23:00 Uhr

Der irakische Ministerpräsident Haider al-Abadi hat in eindringlichen Worten vor dem geplanten Unabhängigkeitsreferendum in den nördlichen Kurdengebieten seines Landes gewarnt. Das Referendum sei ein “Spiel mit dem Feuer”, sagte al-Abadi nach irakischen Medienberichten. In der kurdischen Stadt Kirkuk starben unterdessen am Samstag zwei Menschen bei einem Anschlag mit einer Autobombe.

Der schiitische Ministerpräsident al-Abadi äußerte sich, nachdem das Parlament der kurdischen Autonomiegebiete in Erbil das Referendum für 25. September angesetzt hatte. Das Votum gefährde die Fortschritte, die von den Kurden unter ihrer Autonomieregierung erzielt worden seien, sagte al-Abadi weiter.

Inmitten des Streits sind bei der Explosion einer Autobombe in der nordirakischen Stadt Kirkuk mindestens zwei Menschen getötet worden. Acht weitere Menschen seien verletzt worden, sagte ein Vertreter der Sicherheitskräfte. Alle Opfer seien Zivilisten. Die Explosion ereignete sich vor einem Geschäft, in dem Alkohol verkauft wird. Das Geschäft sei beschädigt worden, drei Fahrzeuge seien in Brand geraten.

Die überwiegend von Kurden bewohnte Stadt Kirkuk ist die Hauptstadt der gleichnamigen ölreichen Provinz, um deren Kontrolle die Zentralregierung in Bagdad und die Regierung der Autonomem Region Kurdistan ringen. Die Region Kirkuk untersteht der Zentralregierung, wird aber auch von den Kurden beansprucht.

Das von den Kurdenführern geplante Referendum wird aber nicht nur von der Regierung in Bagdad strikt abgelehnt. Auch die Nachbarländer Iran und Türkei sind dagegen, weil sie Rückenwind für die Unabhängigkeitsbestrebungen ihrer eigenen kurdischen Minderheiten fürchten.

In der irakischen Kurdenregion lehnen die Minderheiten der Araber und Turkmenen das Votum ab. Die Opposition im Kurdenparlament boykottierte die Abstimmung über den Termin am Freitag.

Von: APA/ag.