Truppen rücken langsam vorwärts

Iraks Armee meldet weitere Geländegewinne gegen IS in Mosul

Dienstag, 18. Oktober 2016 | 22:40 Uhr

Am zweiten Tag der Großoffensive auf die IS-Hochburg Mosul (Mossul) melden irakische Sicherheitskräfte weitere Geländegewinne gegen die Extremisten. Die Armee rückte am Dienstag nach eigenen Angaben kampflos in die früher fast ausschließlich von Christen bewohnte Stadt Karakusch südöstlich von Mosul ein. Die Anhänger der Terrormiliz “Islamischer Staat” (IS) seien zuvor aus dem Ort geflohen.

In anderen Gebieten mussten die Sicherheitskräfte hingegen mehrere Gegenangriffe abwehren. Karakusch war einst eine der größten christlichen Städte im Irak. Die IS-Extremisten hatten den Ort vor mehr als zwei Jahren eingenommen, nachdem sich kurdische Peschmerga von dort zurückgezogen hatten. Zehntausende Christen flohen damals vor den Extremisten.

Mosul ist die letzte Bastion des IS im Irak. Armee, kurdische Peschmerga-Kämpfer und lokale sunnitische Milizen hatten am Montag eine lang erwartete Großoffensive auf die Stadt begonnen und erste Orte eingenommen. Der Sprecher der US-Streitkräfte, John Dorrian, erklärte über Twitter, Armee und Peschmerga hätten ihre Ziele bisher im oder vor dem Zeitplan erreicht. Sollte Mosul vom IS befreit werden, wäre die Terrormiliz im Irak militärisch weitgehend besiegt.

Im Kampf um Mosul nutzen die islamistischen Extremisten nach Angaben von Bewohnern auch Zivilisten als menschliche Schutzschilde. Der Islamische Staat (IS) hindere Einwohner an der Flucht aus der Stadt oder schicke diese sogar in Gebäude, die die Kämpfer kürzlich selbst genutzt hätten, berichtete ein Bewohner per Telefon am Dienstag.

“Es ist ganz klar, dass der Islamische Staat Menschen als Schutzschilde benutzt, in dem er Familien in Gebäude lässt, die mit großer Wahrscheinlichkeit angegriffen werden”, sagte Abu Dahir, der seinen vollen Namen allerdings nicht nennen wollte. Der frühere Provinz-Gouverneur der Region, Abdul Rahman Waggaa, bestätigte dies aber ebenfalls. Er mahnte, die Anti-IS-Koalition müsse daher ihre potenziellen Ziele aktualisieren. Waggaa ist aus dem Einflussbereich des IS geflohen.

Andere Bewohner berichteten über die noch funktionsfähigen Telefonverbindungen, dass mehr als 100 Familien auf dem Weg Richtung Innenstadt seien und die Außenbezirke verließen. Dort werden als erstes Kämpfe mit den irakischen Regierungstruppen und kurdischen Peschmerga erwartet.

US-Präsident Barack Obama warnte unterdessen, dass der IS trotz militärischer Niederlagen noch die Kraft für Terroranschläge habe. “Auch wenn Isis (der IS) weiter Boden im Irak, in Syrien und in Libyen verliert, hat dieser immer noch die Fähigkeit, Attentate durchzuführen und zu planen, so wie wir sie im Nahen Osten, in Nordafrika, in den USA und in Europa gesehen haben”, sagte der scheidende Präsident in einem Interview.

Zugleich zeigte sich der US-Präsident zuversichtlich, den Krieg gegen die IS-Terrormiliz im Irak und in Syrien zu gewinnen. “Unsere Koalition ist in der Offensive, und auch wenn das ein sehr schwieriger Kampf ist, habe ich Vertrauen, dass wir gewinnen und Isis verlieren wird”, sagte er. Seit einem Jahr habe die Terrorgruppe keine größere erfolgreiche Operation im Irak oder in Syrien verzeichnen können: “Isis bleibt in der Defensive.”

EU-Sicherheitskommissar Julian King warnte vor negativen Folgen für Europas Sicherheit. “Die Rückeroberung der nordirakischen IS-Hochburg Mosul kann dazu führen, dass gewaltbereite IS-Kämpfer nach Europa zurückkommen”, sagte King der “Welt”. Das sei eine sehr ernste Bedrohung.

Die Türkei will nach den Worten von Verteidigungsminister Fikri Isik bei der derzeitigen Offensive zur Befreiung der irakischen Großstadt Mosul von der Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) weiter mitmachen. “Wir haben mit den Koalitionstruppen vereinbart, dass unsere Luftwaffe an dem Mosul-Einsatz teilnimmt”, sagte Isik nach Angaben der amtlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu am Dienstagabend bei einem Besuch in Rom.

“Ohne die Türkei ist es unmöglich, Entscheidungen über die Zukunft von Mosul zu treffen”, hob der türkische Verteidigungsminister demnach hervor. Zuvor hatte der türkische Regierungschef Binali Yildirim in einer Fernsehansprache gesagt, die türkische Armee habe sich an den Luftangriffen der Anti-IS-Koalition beteiligt.

Die Regierung in Bagdad fordert den Abzug der rund 2.000 türkischen Soldaten, die Ankara im kurdischen Autonomiegebiet im Nordirak stationiert hat. Knapp 700 davon sind auf dem Militärstützpunkt Baschika stationiert, wo sie sunnitische Milizen für den Kampf gegen die Jihadisten trainieren.

Frankreich, der Irak und weitere Partner wollen am Donnerstag in Paris über die künftige Stabilisierung von Mosul beraten. Mehr als 20 Länder und Organisationen sollten an dem Treffen teilnehmen, wie das französische Außenministerium mitteilte.

Von: APA/ag./dpa

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