Umstrittenes Anreicherungsziel von 20 Prozent erreicht - USA werfen Teheran "nukleare Erpressung" vor

Iran kann neun Kilo hochangereichertes Uran produzieren

Dienstag, 05. Januar 2021 | 18:21 Uhr

Der Iran hat nach eigenen Angaben trotz internationaler Kritik die angekündigte Anreicherung von Uran auf 20 Prozent erreicht. Die Schwelle sei am Montagabend und damit wenige Stunden nach Beginn der Anreicherung erreicht worden, sagte der Sprecher der iranischen Atomenergiebehörde AEOI. AEOI-Chef und Vizepräsident Ali Akbar Salehi sagte am Dienstag, der Iran sei in der Lage, bis zu neun Kilogramm Uran pro Monat mit einem Anreicherungsgrad von 20 Prozent herzustellen.

Somit könne die iranische Atomenergieorganisation AEOI auch die im neuen Atomgesetz vorgesehene Jahresproduktion von 200 Kilo erreichen, sagte Salehi im Staatsfernsehen. Der Iran hatte am Montag mitgeteilt, mit der Erhöhung seiner Urananreicherung auf 20 Prozent in der Atomanlage Fordo südlich der Hauptstadt Teheran begonnen zu haben. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA bzw. IAEO) sei über den Vorgang sowie das neue Atomgesetz in Kenntnis gesetzt worden.

Die Aufnahme der Urananreicherung auf 20 Prozent am Montag sorgte im Ausland für harsche Kritik. Es wird befürchtet, dass somit das Wiener Atomabkommen von 2015, wonach der Iran mit einem Urananreicherungsgrad von 3,67 Prozent von einem Atomwaffenprogramm abgehalten werden sollte, endgültig gescheitert sei.

Die US-Regierung reagierte mit scharfer Kritik auf die Erhöhung der Anreicherung und sprach von “nuklearer Erpressung”. “Dass der Iran in Fordo Uran auf 20 Prozent anreichert, ist ein klarer Versuch, seine Kampagne der nuklearen Erpressung zu verstärken – ein Versuch, der weiterhin scheitern wird”, teilte eine Sprecherin des Außenministeriums in Washington am Montag mit. Man vertraue darauf, dass die IAEA neue iranische Nuklear-Aktivitäten beobachten und darüber berichten werde.

Ein Sprecher des EU-Außenbeauftragen Josep Borrell sagte am Dienstag, man sei angesichts der Schritte Teherans “sehr besorgt”. Sie seien eine klare Verletzung des Atomabkommens. Der Sprecher betonte, die anderen Vertragsparteien stünden zu dem Abkommen und man werde die Anstrengungen verdoppeln, es zu bewahren.

Die IAEA berichtete an die Mitgliedsstaaten der Organisation, dass ihre Inspektoren bei der Umstellung der Anreicherung vor Ort gewesen seien. Dabei sei ein Siegel der Organisation durch IAEA-Inspektoren von einem Zylinder mit Uran abgelöst worden. “Der Zylinder wurde dann mit einer Leitung verbunden, um den Prozess zur Anreicherung auf 20 Prozent zu starten”, schrieb IAEA-Chef Rafael Grossi an die Mitgliedsstaaten.

Irans Regierungssprecher wies am Dienstag jedoch sowohl die Kritik als auch die Sorgen um den Atomdeal zurück. “Anstatt den Iran zu kritisieren, sollten die Vertragspartner ihre Verpflichtungen in dem Atomdeal erfüllen”, zitierte die Nachrichtenagentur IRNA den Sprecher Ali Rabiei. Auch die anderen Partnerstaaten – China, Deutschland, Frankreich, Russland und die USA – hielten sich nicht an das Abkommen. “Wir kehren zu dem Atomdeal zurück, sobald die Gegenseite ihre Verpflichtungen in dem Deal erfüllt”, sagte Rabiei.

Das neue Atomgesetz wurde Ende November von den Hardlinern und Regierungsgegnern im Parlament verabschiedet. Danach soll die iranische Atombehörde unter anderem pro Jahr 120 Kilogramm auf 20 Prozent angereichertes Uran herstellen und lagern. Besonders heikel ist der im Gesetz vorgesehene Ausstieg des Irans aus dem Zusatzprotokoll der IAEA, der den Zugang von UNO-Inspektoren zu iranischen Atomanlagen beschränken oder gar verbieten würde.

Das Gesetz verstößt in allen Punkten gegen den Wiener Atomdeal. Präsident Hassan Rouhani hält es für unklug und sieht es im Zusammenhang mit einem internen Machtkampf vor der Präsidentenwahl im Juni. Laut Verfassung muss er jedoch die im Parlament verabschiedeten Gesetze umsetzen.

US-Präsident Donald Trump war 2018 aus dem internationalen Atomabkommen mit dem Iran ausgestiegen. Seitdem hat sich auch der Iran schrittweise aus dem Abkommen zurückgezogen. Als Nachfolger des Republikaners Trump wird am 20. Jänner der Demokrat Joe Biden vereidigt. Biden war Vizepräsident unter Barack Obama, dessen Regierung das 2015 geschlossene Wiener Abkommen mit ausgehandelt hatte. Teheran hofft nach Bidens Amtsantritt auf eine Aufhebung der US-Sanktionen, die das Land in die schlimmste Wirtschaftskrise seiner jüngeren Geschichte gestürzt haben.

Von: APA/dpa

Kommentare

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7 Kommentare auf "Iran kann neun Kilo hochangereichertes Uran produzieren"


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Peerion
Peerion
Grünschnabel
23 Tage 12 h

Das Atom-Abkommen wird auch unter Joe Biden nicht wieder in Kraft treten. Die Skepsis war auch unter den Demokraten gross und der Iran hat durch die lokale militärische Expansion, der Unterstützung von Terrorgruppen sowie mit der Entwicklung von Atomwaffenträgersystemen gezeigt, dass der Plan einer nuklearen Bewaffnung bestenfalls verschoben wurde und mit dem Abkommen Zeit gewonnen werden sollte.

Faktenchecker
23 Tage 4 h

In ein paar Monaten ist, dank Trump, die Atombombe im Iran. Und dann?? Weltkrieg unter der Führung von Italien?

Doolin
Doolin
Tratscher
23 Tage 3 h

@Faktenchecker …ja die einseitige Aufkündigung des Atomabkommens durch den orangen Dodel war nicht grad eine diplomatische Meisterleistung…
😁

Hustinettenbaer
Hustinettenbaer
Universalgelehrter
22 Tage 14 h
@Doolin Herr Trump und Diplomatie ist wie Feuer und Wasser. “Diplomatie ist eigentlich das Schauspiel der gelungenen Selbstzügelung…Es ist gerade nicht die Hemmung, die Trump vorführt, nicht das dauernde tongue in cheek, nicht das diplomatische Übersehen des elephant in the room (das Sprichwort meint mit dem Elefanten das unausgesprochene Problem, das die politische Lage bestimmt, aber nicht erwähnt wird). Bei Trumps Auftritten steht der Elefant als Begleiter im Raum, er ist Trumps Wappentier: Es ist der offene Hass auf den Gegner, die Lust, ihn zu vernichten. Wie zum Training spielt Trump auch mit dem Hass, der während seiner Pressekonferenzen im… Weiterlesen »
Namulith
Namulith
Tratscher
22 Tage 9 h

@Faktenchecker
Netanyahu spricht seit Anfang der Neunziger Jahre immer wieder davon, dass Iran binnen zwei Jahren die Atombombe haben wird.

Namulith
Namulith
Tratscher
22 Tage 8 h

@Peerion
Das Atomabkommen wird in der Tat wohl nicht wieder in Kraft treten, aber der Hauptgrund wird eher sein, dass vom Westen die Forderung der Aufgabe seines Raketenprogramms als Bedingung kommen wird, was der Iran aus reinem Selbsterhaltungstrieb nicht tun wird. Dabei müssen seine Raketen als Abschreckung nicht nuklear sein, wie der Vergeltungsangriff auf die Ayn al Asad Airbase im Irak gezeigt hat: die USA haben sich dort nicht getraut, zurück zu schießen.
Schaun mer mal, wie das Angebot Bidens an den Iran dann wirklich sein wird; der Iran hat ja schon ein Zeitlimit dafür gesetzt.

DontbealooserbeaSchmuser
22 Tage 7 h

Und in zwei Jahren ist es hoffentlich endlich soweit!

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