Außenamtssprecher Kanani

Iran “optimistisch” zu Atom-Kompromiss der EU

Montag, 01. August 2022 | 19:39 Uhr

Der Iran hat sich nach der Präsentation eines Kompromiss-Entwurfs durch die EU zuversichtlich gezeigt, dass eine Wiederbelebung des Wiener Atomabkommens erreicht werden kann. “Wir bleiben optimistisch, dass der Verhandlungsprozess zu einem logischen und vernünftigen Ergebnis führen wird”, sagte am Montag der Sprecher des Außenministeriums, Nasser Kanani. Es sei möglich, dass “in naher Zukunft ein Ergebnis bezüglich des Zeitplans für die Verhandlungen” erreicht wird.

Seine Regierung habe den EU-Text “sorgfältig geprüft und ihre Ansichten dargelegt”, fügte Kanani in Teheran hinzu. Wahrscheinlich werde es eine neue Verhandlungsrunde geben. Allerdings “hängt dies ganz von der Bereitschaft der anderen Seite ab, insbesondere der amerikanischen Seite”.

Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell hatte den Kompromiss-Entwurf in der vergangenen Woche den an den Verhandlungen in Wien beteiligten Parteien vorgelegt. Er forderte sie auf, diesen Entwurf anzunehmen, um “eine gefährliche Atomkrise zu vermeiden”. Borrell bezeichnete den Text als “die bestmögliche Vereinbarung”. Er enthalte “Kompromisse, die von allen Seiten hart erarbeitet wurden”, und befasse sich “im Detail” mit der Aufhebung der gegen den Iran verhängten Sanktionen sowie mit den Maßnahmen, die der Iran im Gegenzug treffen müsse.

Der Iran ist nach eigenen Angaben technisch dazu in der Lage, eine Atombombe zu produzieren. Das Land beabsichtige aber nicht, dies zu tun, zitierte unterdessen die halbamtliche Nachrichtenagentur FARS den Chef der iranischen Atomenergiebehörde, Mohammad Eslami, am Montag.

“Wie schon mehrmals erwähnt, ist der Iran technisch durchaus in der Lage, eine Atombombe zu bauen, dies steht aber nicht auf der Agenda”, sagte Eslami. Er warf Israel vor, dass es Iran diese Absichten unterstelle, um die Atomverhandlungen zu stören. Vertreter des Irans haben ihrem Erzfeind Israel zwar immer wieder mit Angriffen gedroht, Pläne zum Bau der Atombombe aber zurückgewiesen.

Die Verhandlungen zur Wiederbelebung des Atomabkommens von 2015 waren im vergangenen Jahr aufgenommen worden, blieben seit März jedoch aufgrund von Differenzen zwischen Teheran und Washington festgefahren. Die USA und der Iran verhandeln in Wien indirekt über einen EU-Vermittler. Auch in Katar fanden Ende Juni indirekte Atom-Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran statt, die jedoch nach zwei Tagen ohne Durchbruch beendet wurden.

Streitpunkte sind unter anderem die Aufhebung der US-Sanktionen gegen den Iran sowie der Status der iranischen Revolutionsgarden (IRGC). In den USA stehen die Revolutionsgarden, die im Iran als die nationale Streitkraft gelten, seit Jahren auf einer Liste von Terrororganisationen.

Das internationale Atomabkommen mit Teheran von 2015 soll das iranische Nuklearprogramm begrenzen und sicherstellen, dass das Land keine Atomwaffen baut. Die USA waren jedoch 2018 unter ihrem damaligen Präsidenten Donald Trump einseitig aus dem Abkommen ausgestiegen und hatten neue massive Sanktionen gegen den Iran verhängt. Als Reaktion darauf sagte sich der Iran schrittweise von seinen Verpflichtungen aus dem Abkommen los.

Irans Präsident Ebrahim Raisi fordert bei den Verhandlungen die Aufhebung aller Sanktionen, die nach dem Ausstieg der USA 2018 verhängt wurden. Teheran hat mehrmals betont, dass ohne eine Aufhebung der Sanktionen das Wiener Atomabkommen für das Land wertlos sei.

Bei einem Scheitern der Verhandlungen erwägt der Iran auch die Zusammenarbeit mit der in Wien ansässigen Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) zu überdenken. Die iranische Atomorganisation hat bereits die IAEA-Überwachungskameras im Land versiegelt und will diese erst dann wieder freigegeben, wenn eine Einigung im Atomstreit erzielt worden ist. Außerdem hat das Land den Anreicherungsgrad seines Urans von den laut Atomdeal erlaubten 3,6 auf 60 Prozent erhöht. Teheran gibt an, dass auch 90 Prozent möglich seien. Dies ermöglicht technisch den Bau einer Atombombe. Die USA wollen laut Präsident Joe Biden verhindern, dass der Iran in den Besitz einer Atomwaffe kommt.

Von: APA/Reuters/AFP/dpa

Kommentare

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6 Kommentare auf "Iran “optimistisch” zu Atom-Kompromiss der EU"


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N. G.
N. G.
Kinig
13 Tage 7 Min

Trump hats geschafft!
Anschließend will dem Iran niemand zuhören. Es wird Gründe dafür geben, wo auch immer.
Und wenn dann was passiert, dann sagen alle, das konnte man nicht voraus sehen?
MAN KANN!

primetime
primetime
Kinig
12 Tage 18 h

Was wäre deine Lösung gegen sowas? Proaktiv werden und zur Sicherheit attackieren?

Doolin
Doolin
Kinig
12 Tage 22 h

…die nächsten Lugentschippel…

6079_Smith_W
6079_Smith_W
Universalgelehrter
12 Tage 21 h

Irgendwie stelle ich mir das mit dem Iran und der Atombombe so vor:

https://youtu.be/xbBfxREg6fk
(Szene aus “The Dictator”)

Superredner
12 Tage 16 h

Atomwaffen sind leider die einzige Versicherung, um nicht von einer Weltmacht angegriffen zu werden …

Look_at_Yourself
Look_at_Yourself
Universalgelehrter
12 Tage 2 h

Stimmt,
hätte die Ukraine ihre Atomwaffen nicht an Russland abgegeben, gäbe es jetzt keinen Krieg in der Ukraine.

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