Der iranische Außenminister Mohammad Javad

Iran wirft Israel falsche Vorwände für Luftangriffe vor

Freitag, 11. Mai 2018 | 18:36 Uhr

Der Iran hat Israel vorgeworfen, unter fadenscheinigen Vorwänden in Syrien militärisch zu agieren. Die Begründung für die israelischen Luftangriffe sei “erfunden”, erklärte das Außenministerium in Teheran am Freitag. Außenminister Mohammad Javad Zarif werde am Samstag zu einer Reise nach Peking, Moskau und Brüssel aufbrechen.

Dabei will er vor allem über das von US-Präsident Donald Trump einseitig aufgekündigte Atomabkommen mit dem Iran sprechen, aber auch den brenzligen Konflikt mit Israel erörtern. Israel hatte in der Nacht auf Donnerstag mutmaßliche iranische Stellungen in Syrien attackiert. Nach Angaben der israelischen Armee war dies die Reaktion auf Attacken mit 20 “iranischen” Raketen auf den von Israel besetzten Teil der syrischen Golanhöhen.

Der iranische Außenamtssprecher Bahram Ghassemi sagte laut der Nachrichtenagentur Isna: “Die wiederholten Angriffe des zionistischen Regimes auf syrischem Gebiet wurden unter Vorwänden ausgeführt, die von ihnen selbst erfunden wurden und unbegründet sind.”

Der israelische Verteidigungsminister Avigdor Lieberman forderte den syrischen Staatschef Bashar al-Assad auf, “die Iraner aus Syrien rauszuschmeißen”. “Werde die Iraner los, werde Qassem Suleimani los und die Quds-Streitkräfte”, sagte Lieberman am Freitag an Syriens Präsident Bashar al-Assad gerichtet. Deren Präsenz im Land sorge nur für Probleme.

Der iranische Präsident Hassan Rouhani sagte in einem Telefonat mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Donnerstagabend, er wolle keine “neuen Spannungen” im Nahen Osten. Merkel verurteilte die “iranischen Angriffe auf israelische Militärstellungen auf den Golanhöhen” und forderte Teheran auf, “zur Deeskalation in der Region beizutragen”, wie Regierungssprecher Steffen Seibert erklärte.

Nach den israelischen Luftangriffen wurde nicht ausgeschlossen, dass der Iran die mit ihm verbündete Hisbollah-Miliz für einen Gegenschlag gegen Israel vom Südlibanon aus benutzen könne. Die dort stationierte UNO-Truppe Unifil erklärte, die Lage an der libanesisch-israelischen Grenze sei zunächst ruhig.

Die UNO warnte angesichts der Konfrontation vor einem “Flächenbrand”. UNO-Generalsekretär Antonio Guterres erklärte, jegliche Provokationen müssten vermieden werden, “um einen neuen Flächenbrand in einer bereits jetzt in schreckliche Konflikte verwickelten Region zu verhindern”. Der UNO-Sicherheitsrat müsse die Lage wachsam verfolgen und seinen Verpflichtungen nach der UNO-Charta nachkommen.

Der israelische UNO-Botschafter Danny Danon forderte Guterres und den Sicherheitsrat auf, das “aggressive Handeln des Iran” zu verurteilen. Zudem müsse der Sicherheitsrat den Iran auffordern, sich militärisch aus Syrien zurückzuziehen.

Der Vorsitzende des Außenausschusses des iranischen Parlaments, Alaeddin Borujerdi, verurteilte die israelischen Angriffe und warnte, Israel sei in “ein gefährliches Spiel eingetreten”. Ziel dieser Angriffe sei es gewesen, die Öffentlichkeit “vom Verhalten des US-Präsidenten” und seiner Entscheidung zum Ausstieg aus dem Atom-Abkommen mit dem Iran abzulenken.

Der führende iranische Geistliche und als Hardliner geltende Kleriker Ayatollah Ahmad Khatami drohte indes in seiner Freitagspredigt mit der Zerstörung von Tel Aviv und Haifa, “sollte Israel töricht handeln”. Der Iran werde trotz des Drucks des Westens seine Raketenstreitmacht weiter ausbauen, so Khatami, der als Kritiker des reformorientierten und gemäßigten Präsidenten Rouhani gilt.

Von: APA/ag.

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1 Kommentar auf "Iran wirft Israel falsche Vorwände für Luftangriffe vor"


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Grünschnabel
14 Tage 16 h

Rainer Rupp bringt die Situation in 6 Minuten gut auf den Punkt:
https://www.youtube.com/watch?v=ejsGIKeK-ec

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