Israel betrachtet iranisches Atomprogramm als ernste Gefahr

Irans Atomprogramm nach Angriff um Monate zurückgeworfen

Montag, 12. April 2021 | 19:11 Uhr

Der mutmaßliche Angriff auf die Atomanlage Natans im Iran dürfte die Urananreicherung dort um Monate zurückwerfen. Das berichtete die “New York Times” am Montag unter Berufung auf zwei ranghohe US-Geheimdienstler, die die Attacke als israelische Geheimdienstoperation einstuften. Demnach soll der Angriff eine Explosion ausgelöst und das gesamte Stromnetz einer Untergrundanlage zerstört haben, in der Zentrifugen für die Urananreicherung hergestellt werden.

Es werde mindestens neun Monate dauern, die Schäden zu beheben. Teheran stellte die Folgen der Attacke deutlich weniger dramatisch dar. Nach Einschätzung der “New York Times” hat der Angriff die Verhandlungsposition des Irans bei den neuen Atomgesprächen in Wien erheblich geschwächt, die das internationale Atomabkommen von 2015 retten sollen. Der Grund: Der Iran soll neue Zentrifugen zur Urananreicherung als Druckmittel eingesetzt haben.

Das iranische Außenministerium gab hingegen an, bei dem Angriff sei nur die Produktionslinie der älteren Zentrifugen beschädigt worden. “Die Schäden beziehen sich auf die IR-1 Zentrifuge, aber wir stellen in der Zwischenzeit bereits die IR-9 Generation her”, sagte Außenamtssprecher Said Khatibsadeh. Der israelische Angriff werde die Arbeit in Natans nicht beeinträchtigen.

Bei den Gesprächen in Wien geht es um die Zukunft des Abkommens, das den Iran am Bau von Atomwaffen hindern, ihm zugleich aber die zivile Nutzung der Atomkraft ermöglichen soll. Israel lehnt die Vereinbarung seit jeher vehement ab. Es hält sie für nicht weitreichend genug und sieht sich durch das iranische Atom- und Raketenprogramm in seiner Existenz bedroht.

Die 2015 in Aussicht gestellte wirtschaftliche Zusammenarbeit mit dem Iran kam aufgrund des Kurswechsels unter dem späteren US-Präsidenten Donald Trump nie zustande. Dieser war 2018 einseitig aus dem Abkommen ausgestiegen. Als Reaktion auf neue Sanktionen begann der Iran, vereinbarte Obergrenzen für die Produktion von Uran zu überschreiten.

Die fünf verbliebenen Partner – Russland, China, Deutschland, Frankreich und Großbritannien – haben in den vergangenen zwei Jahren versucht, das Abkommen am Leben zu erhalten. Um eine Wiedereinbindung der USA zu ermöglichen, müsste der Iran sein Nuklearprogramm im Gegenzug für die Aufhebung der von Trump wieder eingeführten Sanktionen wohl wieder zurückfahren.

Politische Hardliner im Iran forderten Präsident Hassan Rouhani nach dem Zwischenfall auf, die für diese Woche geplanten diplomatischen Verhandlungen zur Rettung des Abkommens abzubrechen. Auch Außenminister Mohammed Javad Zarif schloss sich dieser Forderung an. Zarif ist auch Atomchefunterhändler im iranischen Parlament, das von den Hardlinern dominiert wird. Er bezeichnete den Angriff auf die Atomanlage im Zentrum des Landes als israelischen Terrorakt.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu ging nicht direkt auf den Zwischenfall in Natans ein. Allerdings bezeichnete er den Iran als Unterstützer weltweiten Terrors und größte Bedrohung in der Nahost-Region. “Ich werde es dem Iran nie erlauben, Atomwaffen zu erlangen, um sein Ziel des Völkermords und der Auslöschung Israels zu erreichen.”

Die Sprecherin von US-Präsident Joe Biden, Jen Psaki, betonte mit Blick auf die Berichte über den Angriff: “Die USA waren in keiner Weise beteiligt”. Sie wolle sich nicht an Spekulationen über Hintergründe oder Folgen beteiligen.

Im Zusammenhang mit dem Angriff wurde einem iranischen Medienbericht zufolge ein Verdächtiger identifiziert. Er soll als Drahtzieher das Stromnetz in der Anlage manipuliert haben, wie die Nachrichtenagentur Isna unter Berufung auf eine Quelle im Geheimdienst berichtete. Der Mann solle demnächst festgenommen werden.

Die EU zeigte sich besorgt über den mutmaßlichen Angriff. Jeder Versuch, die Bemühungen um eine Wiederbelebung des Abkommens zu stören, sei zurückzuweisen, sagte ein Sprecher des EU-Außenbeauftragten Josep Borrell. Es müsse nun gründlich geklärt werden, was passiert sei und wer dahinter stecke.

Von: APA/dpa

Kommentare

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6 Kommentare auf "Irans Atomprogramm nach Angriff um Monate zurückgeworfen"


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Peerion
Peerion
Tratscher
23 Tage 19 h
Es ist natürlich sehr bequem, wenn man alles was im eigenen Land nicht ganz rund läuft, direkt Israel in die Schuhe schieben kann. Es gab einen Kurzschluss in der Elektrik? Israel war es. Es hat seit 4 Wochen nicht mehr geregnet? Israel war es. Da man jedoch nicht davon ausgehen kann dass iranische Ingenieure übermässig kompetenter sind als z. B. europäische Ingenieure, kann man einen Konstruktionsfehler nicht ausschliessen. Und selbst wenn es ein Cyberangriff war, so sollte man auch im Iran allmählich gelernt haben, dass man die Anhänge in Mails von nigerianischen Prinzen nicht öffnet. Denn vom Himmel fallen Viren… Weiterlesen »
Teto
Teto
Grünschnabel
23 Tage 16 h

@Peerion
Ihre Posts enthalten auffällig viel nichtssagendes Geschwafel, wenn ich mir das zu sagen erlauben darf.
Was jetzt letztens in Natanz geschehen ist fällt wohl eindeutig in die Kategorie ‘Nichts genaues weiß man nicht’, da man ganz und gar nicht abschätzen wer hier Information und wer Desinformation verbreitet.

quilombo
quilombo
Tratscher
23 Tage 13 h
gerade ganz viel Ahnung scheinst du ja nicht zu haben. Iran ist ein “feindlicher Staat”?? Für wen denn? Für dich? Vielleicht solltest du die Geschichte des Iran zuerst kennen, bevor du solchen Unsinn daherschreibst. Die Usa und Israel mischen sich im Iran seit 1953 ein, ununterbrochen. Das hat dem Iran viele tausend Tote gekostet, einschließlich einen Bruderkrieg mit dem Irak, den die Usa beauftragt haben. Was hat der Iran der Usa oder Israel getan? Nichts, absolut nichts. Aber Israel hat die Atombombe gebaut ohne sich an irgendeinen Sperrvertrag zu halten. Daß Israel immer wieder im Iran bombardiert, ist keine Vermutung,… Weiterlesen »
Peerion
Peerion
Tratscher
23 Tage 18 h

Der Iran ist ein feindlicher Staat, in dem Regimegegner hingerichtet werden.
Die Europäer kann man hierbei vergessen, die machen nur opportunistische Wirtschaftspolitik auf dem Rücken der USA und Israels.
Das Atomabkommen war völlig unzureichend, denn es verhinderte nicht das die Iraner an Interkontinentalraketen weiterforschen, um diese dann auch zu bauen.
Erst wenn dieser Punkt mit in ein Atomabkommen einbezogen wird, ist das Atomabkommen vielleicht das Papier wert auf dem es unterzeichnet wurde.
Und dann beginnt wieder das Katz- und Maus Spiel wie vorher, da die Iraner wichtige Anlagen vor dem Zugriff der UN-Inspektoren verstecken werden.

Teto
Teto
Grünschnabel
23 Tage 16 h
@Peerion “Die Europäer kann man hierbei vergessen, die machen nur opportunistische Wirtschaftspolitik auf dem Rücken der USA und Israels.” Was soll denn dass heissen? Die USA sanktionieren nur da, wo es ihnen selber nützt und nicht selbst schadet; wobei sie auch Geschäfte mit von ihnen sanktionierten Ländern machen, falls es ihnen opportun ist. Ein gutes Beispiel wäre die Iran-Contra Affäre. “Das Atomabkommen war völlig unzureichend, denn es verhinderte nicht das die Iraner an Interkontinentalraketen weiterforschen, um diese dann auch zu bauen.” Aha, jetzt ist das Schlagwort auf einmal ‘Interkontinentalraketen’, man muss sich nur was Neues einfallen lassen; Iran wird seine… Weiterlesen »
quilombo
quilombo
Tratscher
23 Tage 21 h

das neue Abkommen mit dem Iran sollte auch beinhalten, daß Israel sein Angriffe auf Syrien und den Iran stoppt. Seit Jahren sind Syrien, Iran und Libanon unter Beschuß seitens Israel. Die Welt schaut zu. Jedes andere Land wäre schärfster internationaler Kritik ausgesetzt, Israel nicht.
Übrigens, im Bericht wird das Wort Zionist mit Israeli gleichgesetzt. Das ist nicht richtig. Nicht jeder Israeli ist ein Zionist. Leider ist aber diese radikale Sekte am Ruder.

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